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Illegale Farben - Illegale Farben

Illegale Farben- Illegale Farben

Rookie / Cargo
VÖ: 25.03.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sozialer Sturm

Ja, man kommt derzeit kaum hinterher: Wer intelligente deutsche Texte im Gitarrengewand an seinem musikalischen Horizont verortet, ganz gleich ob mehr oder weniger punkig, der hat definitiv schon schlechtere Zeiten erlebt. Neben etablierten Künstlern und Szenevorreitern, die nach wie vor relevant sind, überschwemmen seit geraumer Zeit jede Menge neue Bands das Spektrum. Da es in diesen Tagen mit Sicherheit mehr als genug zu sagen gibt, das dem politischen Establishment sowie der neuen Rechten in diesem Land nicht schmeckt, ist das nicht verwunderlich – die wachsende deutsche Punkrock-Familie aber ein umso wichtigeres Gegengewicht zu verschärft neunationalen Tönen, die in der Öffentlichkeit immer salonfähiger werden.

Im Falle von Illegale Farben aus Köln und dem Ruhrpott jedoch muss man da auch ein wenig abstrahieren. Die fünf Männer sind nicht mehr blutjung, bringen einiges an Banderfahrung mit und wälzen sich für ihre Debütplatte daher auch nicht ständig über den dreckigen Proberaumboden, wo Frischlinge oft am meisten Energie tanken. Gut, die punkrockende Vorabsingle "Staub" mag die Aussage des Rezensenten etwas blass dastehen lassen, denn ordentlich Pigmente wirbelt die Musik von Illegale Farben zu jeder Sekunde auf – schon alleine deshalb, weil sie unglaublich tanzbar ist: Flirrende Gitarren, Stakkato-Schlagzeug, Killer-Refrains. Aber sowohl jenem als auch anderen dieser zwölf astreinen Mini-Hits wohnen feine Melodien und eine gewisse Luft zum Atmen inne .

Moderner anmutenden Sturm-und-Drang-Songs wie der fordernden Auskopplung "Wieder raus" folgen leidenschaftliche Hommagen an die Wave-Phase der frühen Achtziger, zu hören in der tollen Gitarrenarbeit von "15 Minuten", das die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der heutigen Generation hinterfragt und die Flucht aus dem rastlosen Alltag als Alternative propagiert. Den markantesten Basslauf hat wohl das polternde "Spiegel" abbekommen, während man Illegale Farben trotz leicht penetranter Songs wie "Neonblau" oder "Die Straßen sind wach" zugute halten mag, dass sie sich in ihrer drängenden Vehemenz und der musikalischen Rastlosigkeit zwischen Post-Punk und New Wave dennoch nicht vergaloppieren.

Wahrlich große Würfe nämlich hat die Band mindestens noch zwei im Gepäck: In jeweils nur gut zweieinhalb Minuten mäandern "Schwarz" und "Machina" auf wunderbar sanften Indie-Teppichen und bleiben nachhaltig am zuckenden Tanzbein kleben. Ein paar Handclaps und verzerrte Gitarren versüßen den Hitfaktor von "Schwarz", das zu später Stunde noch so manche alternative Disco heimsuchen dürfte. "Sind wir die einzigen im Krieg?!" fragt Sänger Thom, bevor "Machina" die unkontollierte Digitalisierung und eine damit zusammenhängende, ungewisse Zukunft thematisiert, die wohl nicht mehr in unserer Hand liegen dürfte. Mit Macht erwehrt sich das Post-Punk-Stück "Zu den Booten" zunehmendem sozialen Gegenwind. Wir hingegen tanzen dem Sturm mit wehenden Jutebeuteln entgegen. Am allerbesten zu dieser Platte.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Wieder raus
  • 15 Minuten
  • Staub
  • Schwarz
  • Machina

Tracklist

  1. Wieder raus
  2. Spiegel
  3. 15 Minuten
  4. Staub
  5. Die Straßen sind wach
  6. Neonblau
  7. Schwarz
  8. Machina
  9. Endlich wieder etwas los
  10. Illegale Farben
  11. Zu den Booten
  12. Wellenland

Gesamtspielzeit: 34:34 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2016-04-13 21:11:32 Uhr
Frisch rezensiert.

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