The Black Heart Procession - Amore del tropico

The Black Heart Procession- Amore del tropico

Touch & Go / Southern / EFA
VÖ: 07.10.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Black mambo

Ein Tusch. Ein paar nervöse Geigen. Ein lasziver Rhythmus. Lateinamerikanische Leidenschaft brodelt uns schon in den ersten Takten von "Amore del tropico" entgegen. The Black Heart Procession wandeln bei ihrem vierten Anlauf auf dem Pfad der abgründigen Liebe. Zwischen Sehnsucht und Sünde inszenieren Ex-Three Mile Pilot-Basser Pall Jenkins und Kollegen einen theatralischen Moment nach dem anderen. Und nie weiß man, ob die Hand, die eben noch streichelte, nicht im nächsten Augenblick mit dem Messer herumfuchtelt. Sex and crime.

Wenn Jenkins, dem subtropischen Sujet entsprechend als Paulo Zapolli auftretend, die Säge singen läßt oder den mexikanischen Verführer gibt, findet man sich hin- und hergerissen. Zwar fasziniert die Intensität, mit der sich der Vierer seinem makabren Konzept widmet. Andererseits irritiert dessen manchmal arg manieriert erscheinende Umsetzung. Es ist nicht nur das andauernde Wabern der Streicher, das einem immer wieder das böse Wort mit dem K auf die Zunge legen will.

Für das teilzeitverkitschte erste Album der Schwarzherz-Prozession, welches nicht bloß mit einer Zahl betitelt wurde, braucht es bisweilen starke Geduldsfäden. Wenn verjammerte Schleicher wie "Broken world" oder "A sign on the road" nach der Rotzfahne suchen, sehnt man sich nach dem beherzten Aufbegehren aus der Single "Did you wonder" zurück. Das epische "A cry for love" gibt knapp sechseinhalb Minuten lang den langsamen Walzer, vergißt aber vor lauter Selbstmitleid, auch mal zum Punkt zu kommen. "You can easily pick out the fakes" croont es einem dort entgegen. Fast hätte man die Exaltiertheit von "Tropics of love" ernst genommen.

Und doch sind die Moritaten aus Unterleib und Unterwelt, die die ehemaligen Experten für Bestattungsbeschallung aus San Diego aufführen, nicht ohne Reiz. Im Gegenteil. Die verklausulierte Offenherzigkeit, die von Mord, Totschlag und anderen Kleinigkeiten berichtet, erinnert an knisternde Schwarzweißfilme. Drehbücher von Alfred Hitchcock und David Lynch. Unterkühlte Julias, flehende Romeos, entleibte Schönheiten, fliehende Ex-Liebschaften. Demnächst auch in Ihrem Kino.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Tropics of love
  • Why I stay
  • Sympathy crime
  • Did you wonder

Tracklist

  1. The end of love
  2. Tropics of love
  3. Broken world
  4. Why I stay
  5. The invitation
  6. Did you wonder
  7. A sign on the road
  8. Sympathy crime
  9. The visitor
  10. The waiter #4
  11. A cry for love
  12. Before the people
  13. Only one way
  14. Fingerprints
  15. The one who has disappeared

Gesamtspielzeit: 55:34 min.

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