All Saints - Red flag

All Saints- Red flag

Universal
VÖ: 08.04.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dieser Kaffee ist noch heiß

All Saints waren ja immer schon die irgendwie coole Alternative zu all den anderen Girlgroups. Dem Damenquartett haftete stets etwas Abseitiges an, wobei sie dieses gewinnbringende Image natürlich auch bewusst pflegten. Sie wechselten ihre Partner wie andere Menschen ihre Unterhosen, Nicole Appleton war eine Zeit lang die Freundin von Robbie Williams, kurz bevor sie letztlich seinen Intimfeind Liam Gallagher ehelichte. Vielleicht waren All Saints also auch eine Art weiblich-verspielte Alternative zu Oasis: skandalumwoben und dennoch über fast jeden musikalischen Zweifel erhaben. "Black coffee", "Never ever" oder "Pure shores" gehören auch heute noch schlicht zum Besten, was der Pop in den späten 90er- und früher 00er-Jahren zu bieten hatte. Zeitlose Nummern, die wohl jedem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, der einen Sinn für Nostalgie hat.

Was man oft vergisst: In jener Zeit veröffentlichten All Saints lediglich zwei Alben, ein selbstbetiteltes Debüt und den erfolgreichen Zweitling "Saints & sinners". Viele Jahre war es dann relativ ruhig um die Band geworden, bis sie 2006 mit "Studio 1" einen ersten Comeback-Versuch starteten, der kommerziell und künstlerisch eher missglückte. "Red flag" ist nun der zweite Anlauf: Zehn Jahre später und mit neuen Kräften ausgestattet wollen es die Appleton-Schwestern Nicole und Natalie und ihre beiden Mitstreiterinnen Melanie Blatt und Shaznay Lewis nochmal wissen. Return to form? Oder doch nur die nächste Stolperfalle auf dem Weg ins britische Dschungelcamp?

Die Frage kann recht klar beantworten werden: "Red flag" ist ein ziemlich gelungenes Pop-Album, das zwar überraschungsarm alle Stationen anfährt, die man als Chartbreaker eben so bedient, dabei aber frisch und geläutert wirkt. All Saints sind 2016 also zurück auf der Höhe der Zeit und hauen gleich zu Beginn mit "One strike" und "One woman man" zwei funkelnde Pop-Diamanten heraus, die soundtechnisch Bezug nehmen auf aktuelle Spitzen-Acts wie Haim oder Robyn. Die Songs, für die vor allem Lewis als Haupt-Songwriterin verantwortlich war, fühlen sich so frisch an wie die erste selbstgemachte Waldmeister-Limonade des Jahres, sind so hinreißend melodiös wie nur möglich und bei alledem gar nicht mal so beliebig. Und das ist sicherlich eine große Leistung.

Die zweite Albumhälfte, und das gehört sicherlich zur ganzen Wahrheit, kann die hohe Qualität nicht mehr halten. Solider Soulpop trifft dann auf egalere Nummern, wie beispielsweise den perkussiven Titelsong, der ein wenig zu sehr in Richtung Ethno-Pop schielt. Auch "Ratchet behaviour" wirkt ein wenig zu aufgesetzt, versuchen sich All Saints hier doch an einem Sound, der sonst eher von M.I.A. oder Santigold kultiviert wird. Folglich wirkt ebenjener Song wie ein Fremdkörper, wie ein Stachel im weichen Fleisch. Und doch wird man sich genau in jenem Moment gewahr, dass die offensichtlichen Tiefpunkte auf "Red flag" erstaunlich rar gesät sind. Im Hinblick auf das bisher Geleistete vielleicht aber auch keine wirklich überraschende Erkenntnis.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • One strike
  • One woman man
  • Make u love me

Tracklist

  1. One strike
  2. One woman man
  3. Make u love me
  4. Summer rain
  5. This is war
  6. Who hurt who
  7. Puppet on a string
  8. Fear
  9. Ratchet behaviour
  10. Red flag
  11. Tribal
  12. Pieces

Gesamtspielzeit: 47:36 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 13521

Registriert seit 07.06.2013

2016-05-20 20:46:02 Uhr
Der Mittelteil des Songs ist auch fantastisch.

The MACHINA of God

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Registriert seit 07.06.2013

2016-05-20 20:45:34 Uhr
"One woman man"!!!!

The MACHINA of God

Postings: 13521

Registriert seit 07.06.2013

2016-04-23 22:03:06 Uhr
In die Tonne gehört eigentlich nur "Who Hurts Who".

Is als einziges von Melanie Blatt.
Chris yxcv
2016-04-23 11:38:19 Uhr
Hätte nicht gedacht, dass ich mal ein All Saints Album höre.

Überraschend gut. Highlights: One Strike, One Man Woman und This is War


Da ging wohl jemand mit Spaß an die Sache ran. Das merkt man und ist mal ganz erfrischender Pop

The MACHINA of God

Postings: 13521

Registriert seit 07.06.2013

2016-04-18 19:32:08 Uhr
"One woman man" ist das Highlight. Und neben "Pure shores" und vielleicht noch "Black coffee" ihr bester.
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