Telegram - Operator

Telegram- Operator

GramGram / Rough Trade
VÖ: 18.03.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Knietief im Weltall

Die blöden Hippies haben vor lauter Liebe die Revolution vergessen. Sagt der ergraute Ex-Kommunarde, der ganz bürgerlich Rente kassiert. Ein Schelm, wer Schnödes dabei denkt. Hippie sein ist ohnehin uncool mittlerweile. Zu viel vergebene Liebesmüh ist den Bach runtergegangen. Wobei der psychedelische Lebensentwurf eigentlich nichts von seinem Reiz verloren hat: Warum bei klarem Verstand sein, wenn man auch Muster sehen kann? Eben. Dies dachten sich wahrscheinlich auch vier junge Engländer, als sie sich 2010 die Gitarren umschnallten und Telegram gründeten. Exzessives Geschrammel, jede Menge Noise und klassische Beatles-Harmonien sind ihre Markenzeichen, die geschlossene Abteilung ihre Heimat.

Bevor das Haus in die Tür fällt, haben Telegram ein zweites Album aufgenommen. Und "Operator" ist ebenso britisch wie durchgeknallt. Mehrstimmiger Gesang, entfesselte Gitarren, Krach, so weit die akustische Aufnahmefähigkeit reicht. Wo Kula Shaker aufhören, fangen Telegram erst so richtig an. Wenn die Band sich in "Follow" im Rausch manischen Achtelnoten-Gedresches verliert, gibt es keine Option außer willfähriger Unterwerfung. "All we need is aeons", skandiert Sänger Matt Saunders in "Aeons" und auch wenn nicht so ganz klar ist, was er damit meint, hat er vollkommen Recht.

"Operator" ist von vorne bis hinten ein großes "Warum eigentlich nicht?" ins Gesicht derjenigen, die Rockmusik für tot erklärt haben. Mit Lust und Listigkeit lassen Telegram alle Contenance fahren und frönen der pilzgestützten Horizonterweiterung. "Taffy come home" bringt auf es auf den Punkt: Zu einem schunkelnden Rhythmus scharwenzeln die Gitarrenlicks um eine unwiderstehliche Gesangsmelodie. Und das finale Solo wirkt nicht deplatziert, sondern wie die einzig logische Konsequenz. "Have it your way", lautet die Parole. Doch anstatt fettiger Burger gibt es lecker Löschpapier – nicht der Magen, sondern das Gehirn soll übersättigt werden.

Zu dieser Musik muss man sich die Haare wachsen lassen. Denn sie wollen geschüttelt werden. In Hochachtung, aus purer Notwendigkeit. Auch Gemütlichkeit antäuschende Songs wie "Telegramme" finden flink die Ausfahrt zum Wahnwitz. Alles scheppert, alles brennt. Von der ersten Sekunde bis zur finalen Abfahrt namens "Folly". So geht kurzweilige Unterhaltung. Und während der ergraute Ex-Kommunarde missmutig im Mate-Tee rührt, zünden Telegram die nächste Stufe auf der nach oben offenen Eskalationsskala. Kalender bereithalten, Tourdaten markieren. Diese Irren müssen gefeiert werden.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Follow
  • Aeons
  • Telegramme
  • We've got a friend (who knows)
  • Folly

Tracklist

  1. Rule number one
  2. Follow
  3. Inside / outside
  4. Godiva's here
  5. Aeons
  6. Under the night time
  7. Taffy come home
  8. Telegramme
  9. Regatta
  10. We've got a friend (who knows)
  11. Have it your way
  12. Folly

Gesamtspielzeit: 50:19 min.

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User Beitrag

Christopher

Postings: 1072

Registriert seit 12.12.2013

2016-05-06 16:49:36 Uhr
Drei Gründe:
1. Ähnlichkeit der Stimmen
2. Sixties-Vibe
3. Jam-Orientierung bei dennoch prägnanter Melodieführung

Klar, Kula Shaker sind sehr stark von indischer Musik beeinflusst und teils auch elektronischer / psychedelischer, aber für mich stellt sich beim Hören der Bands das gleiche Gefühl ein.

The MACHINA of God

Postings: 14554

Registriert seit 07.06.2013

2016-05-05 22:19:15 Uhr
Was ich nicht verstehe ist, wieso "Kula Shaker" erste Referenz und sogar Thema in der Rezi sind.

Bonzo

Postings: 1431

Registriert seit 13.06.2013

2016-04-13 14:25:52 Uhr
8/10 finde ich ein bisschen viel. Hörenswert allemal.

Christopher

Postings: 1072

Registriert seit 12.12.2013

2016-04-07 08:32:31 Uhr
Höre es immer noch sehr gerne. Jeder, der melodische Gitarrenmusik mag, sollte hier mal reinhören.

Armin

Postings: 14831

Registriert seit 08.01.2012

2016-04-06 21:02:49 Uhr
Frisch rezensiert.

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