Black Mountain - IV

Black Mountain- IV

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 01.04.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Malen nach Zahlen

Feuer, Wasser, Erde und Luft: Es sind vier Elemente, die nach den Gelehrten der Antike die menschliche Existenz umgeben und beeinflussen. Auch in der christlichen Zahlenlehre stellt die 4 die Zahl des Irdischen dar, im Gegensatz zur göttlichen und vollkommenen Zahl 3. Auch viele bedeutsame Werke der Popmusik sind nach dieser Zahl benannt, darunter Meilensteine der frühen 70er wie Led Zeppelins offiziell namenloses "IV" und Black Sabbaths "Vol. 4", aber auch Beyoncés wohl deutlich weniger wichtiges "4" aus dem Jahr 2011. Diese Zahlenmagie haben sich nun auch Black Mountain aus Vancouver angeeignet, um mit ihrem eigenen "IV" sowohl irdische, als auch übernatürlich-kosmische Klangmalerei zu betreiben.

Mit einer einzigen repetitiven Note rollt der erste Track "Mothers of the sun" langsam an. Nach wenigen Takten explodiert ein überwältigendes Fuzz-Riff, welches auch von bereits genannter Led-Zeppelin-Platte stammen könnte. Zusammengehalten wird der achtminütige Psychedelic-Trip vom folkigen Singsang Amber Webbers, der über langen, sphärischen Synthie-Passagen schwebt. "Florian saucer attack" ist eine Space-Rock-Nummer im Stil von Hawkwind, in der Webber mit ihren Laid-Back-Vocals großartig mit dem zottelbärtigen Frontmann Stephen McBean synergiert. Neben Retro-Einflüssen wie Amon Düül oder Kraftwerk bezieht sich McBean in seinem theoretischen Konzept hinter Black Mountain auch auf die moderne Youtube-Generation, bei dem Kids im Netz in fremde, postmoderne Klangwelten eintauchen. Der morbide Lovesong "Cemetery breeding" ist dabei ein solcher Track auf "IV", bei dem der "Hängenbleiben-Faktor" vorprogrammiert ist.

Aufgenommen wurden die zehn sehr heterogenen und facettenreichen Tracks in Zusammenarbeit mit Randall Dunn, der bereits mit Sunn O))) oder Wolves In The Throne Room gearbeitet hat. Der Retro-Synthesizer ist allgegenwärtig, aber stets effektiv eingesetzt. Ein knapp dreiminütiges Space-Intro leitet beispielsweise "(Over and over) the chain" ein, welches von einem rollenden Tribal-Beat abgelöst wird, um sich nach und nach wieder in kosmische Energie aufzulösen. Der zweistimmige Gesang bei der Ballade "Crucify me", begleitet von perliger Akustik-Gitarre, verhilft danach zum Wiedereintritt in die Erdumlaufbahn.

Das Grand Finale ist "Space to Bakersfield": eine überdeutliche Hommage an Funkadelics "Maggot brain" von 1971, bei dem George Clinton seinen Gitarristen während eines LSD-Trips darum gebeten haben soll, in einem episch-monolithischen Gitarrensolo seine tiefsten Verlustängste zum Ausdruck zu bringen. Der Mittelteil von "Space to Bakersfield" ist im Gegensatz zum extrem reduzierten Vorbild mit einem mehrstimmigen Choral orchestriert, bei dem Amber Webber sämtliche Stimmen selbst eingesungen hat. Der Song beschließt das Album mit einer eher rhetorischen Frage: "Are you listening?"

(Felix Mildner)

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Highlights

  • Mothers of the sun
  • Constellations
  • Cemetery breeding
  • Space to Bakersfield

Tracklist

  1. Mothers of the sun
  2. Florian saucer attack
  3. Defector
  4. You can dream
  5. Constellations
  6. Line them all up
  7. Cemetery breeding
  8. (Over and over) the chain
  9. Crucify me
  10. Space to Bakersfield

Gesamtspielzeit: 56:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MasterOfDisaster69

Postings: 468

Registriert seit 19.05.2014

2019-05-29 12:39:25 Uhr
sehe ich aehnlich.
die ersten 3 Songs von Destroyer sind aber stark, danach wird's etwas mau.

PsyOpa
2019-05-29 07:15:35 Uhr
Leider ist auf Destroyer kaum mehr was über von dem, was Black Mountain so einzigartig/wertvoll gemacht hat.
Schade.

VelvetCell

Postings: 1382

Registriert seit 14.06.2013

2019-05-29 07:08:25 Uhr
Nochmal: Wirklich schade. Siehe auch hier:

https://www.youtube.com/watch?v=JTe71n4GQjU

VelvetCell

Postings: 1382

Registriert seit 14.06.2013

2019-05-28 17:04:19 Uhr
Amber ist nicht mehr dabei? Das ist bedauerlich. Ich finde, dass sie eine außergewöhnliche Sängerin ist. Werde mir Destroyer aber trotzdem zulegen. Ein schlechtes Album haben Black Mountain noch nie gemacht. Alles zwischen 7 und 10/10.
fakeboy
2019-05-28 15:07:57 Uhr
Neues Album "Destroyer" seit letzten Freitag erhältlich. Ziemlicher Knaller mit hochgeschraubtem Metal-Anteil und wenig balladesken Momenten. Die Sängerin ist nicht mehr dieselbe, was man aber kaum bemerkt. Starke Platte!
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