Banner, 120 x 600, mit Claim

Weezer - Weezer (White album)

Weezer- Weezer (White album)

Atlantic / Warner
VÖ: 01.04.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Weiß am Ende des Tunnels

Mit Enttäuschungen ist das so eine Sache. Der Krug geht bekanntlich so lange zum Brunnen, bis er bricht oder in Analogie zur Musikbranche: Der Hörer konsumiert so lange den neuen Output seiner einstigen Lieblingsband, bis er jede Hoffnung auf einen erneuten großen Wurf begraben hat. Und wenn eine Bevölkerungsgruppe in den letzten Jahren wirklich einiges an Enttäuschung verkraften musste, dann waren es Weezer-Fans. Nach den Genre-Meilensteinen "Weezer" a.k.a. "Blue album", "Pinkerton" und der immerhin noch sehr guten und sehr grünen zweiten Platte mit dem Namen "Weezer", folgte eine beachtliche Talfahrt.

Für "Maladroit" stellten die Jungs unzählige Demos ins Netz ließen die Hörer an deren Bewertung und Weiterentwicklung teilhaben. Was wie der Gipfel der Fan-Demokratie klang, ergab am Ende ein zwar unterschätztes, aber dennoch recht unentschlossenes Ergebnis. Rick Rubin brachte Frontmann Rivers Cuomo im Rahmen der Produktion zum nächsten Album "Make believe" zwar das Meditieren näher, aber auch das hat sein Gespür für unwiderstehlichen Powerpop nicht wieder gebracht. Mit dem dritten "Weezer" genannten Album, wurden dann die restlichen Mitglieder zu Songwritern befördert, was zwar mehr Abwechslung zur Folge hatte, aber weder bei Kritikern noch bei Fans für Begeisterungsstürme sorgte. Der absolute Tiefpunkt kam dann mit dem Bubblegum-Sound des Nachfolgers "Raditude", dessen schlechte kommerzielle Performance für Weezer dann auch das Ende ihres Vertrages mit dem damaligen Haus- und Hof-Label Geffen bedeutete. Auf "Hurley" gab es zwar ein paar lichte Momente, aber dennoch umgab keinen Song die Strahlkraft der ersten drei Werke. Auch das 2014 erschienene "Everything will be alright in the end" holte trotz Rückkehr des Blue- und Green-Album-Produzenten Ric Okasec und diversen Back-to-the-Roots-Beteuerungen – der Songtext von "Back to the shack" ist so eine – die Kuh auch nicht vom Eis. Kein Wunder, dass man die letztjährige Ankündigung eines neuen Weezer-Albums eher mit einem gelangweilten Schulterzucken quittierte und insgeheim dachte: "So lange möglichst wenig HipHop-Features drauf sind und ein, zwei nette Songs abfallen, passt das schon." Mit steter Enttäuschung passt sich schließlich auch die Erwartungshaltung an. Wieder einmal musste der Bandname als Albumtitel hinhalten, diesmal fiel die Farbwahl auf Weiß und nachdem die Vorab-Singles schon aufhorchen ließen, kann man vorab verraten: Sie haben tatsächlich nochmal die Kurve gekriegt. Und noch viel mehr als das.

Jake Sinclair, neuer Mann hinter den Reglern und selbsternannter Weezer-Überfan, hat den vier Jungs für ihr zehntes – wieder einmal selbstbetiteltes – Album ein perfektes Korsett aus sonniger Melancholie, Beach-Boys-Einflüssen und Selbstreferenzen auf den Leib produziert, das endlich wieder alle Stärken ihres Trademark-Sounds zum Vorschein bringt. Komprimiert auf die üblichen zehn Songs wurde hier alles versammelt, was zu einer guten Weezer-Platte gehört. Überlebensgroße Hooks wie im Opener "California kids" oder im Cuomos Frau gewidmeten "King of the world", zum Beispiel. Oder herrlich verträumtes Walzertakt-Geschrammel wie in "L.A. girlz", das an Großtaten wie "Holiday" oder "Suzanne" erinnert. Mit dem düsteren "Do you wanna get high?" ist sogar ein Song dabei, der auch auf "Pinkterton" nicht negativ aufgefallen wäre. Selbst die untypischeren Kompositionen wie das modern groovende "Thank god for girls" oder das Piano-dominierte und falsettreiche "Jacked up" ergeben im Albumkontext durchaus Sinn und sorgen so bei aller Nostalgie für einen interessanten Blick über den bandspezifischen Tellerrand.

Auch das abschließende – und humorvoll betitelte – "Endless bummer" bildet mit seiner durchdachten Leise-Laut-Dramaturgie den idealen Schlusspunkt einer Songsammlung, mit der so wohl keiner mehr gerechnet hätte, denn man kann das "White album" getrost als bestes Weezer-Werk seit seinem grünen Namensvetter betrachten. So lange sie mindestens alle fünfzehn Jahre ein solches Highlight raushauen, seien Ihnen auch die Enttäuschungen dazwischen verziehen. Somit reservieren wir schon mal vorsichtig ein Plätzchen auf der Anwärterbank für das Album des Jahres 2031. Und hoffen, dass ihnen bis dahin nicht die Farben ausgehen.

(Marco Cianci)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • California kids
  • Do you wanna get high?
  • King of the world
  • Endless bummer

Tracklist

  1. California kids
  2. Wind in our sail
  3. Thank god for girls
  4. (Girl we got a) good thing
  5. Do you wanna get high?
  6. King of the world
  7. Summer Elaine and drunk Dori
  8. L.A. girlz
  9. Jacked up
  10. Endless bummer

Gesamtspielzeit: 34:11 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23361

Registriert seit 07.06.2013

2019-09-24 14:00:58 Uhr
Ok, grad nochmal gehört. Schon ein durchweg ziemlich gutes Album. Wohl knapp unter dem Vorgänger für mich (wie auch der Vorgänger gibt es keine richtigen Highlights (die in eine Top 10 oder so kommen würden), aber auch nichts schwaches). Insgesamt wohl oberes Mittelfeld für mich.

Jaggy Snake

Postings: 446

Registriert seit 14.06.2013

2019-09-21 08:28:10 Uhr
Solltest du! Die B-Seiten und Bonustracks sind übrigens auch große Klasse. Gerade „The last days of summer“ kann ich sehr empfehlen.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23361

Registriert seit 07.06.2013

2019-09-21 02:40:09 Uhr
Na vielleicht geb ich ihr nochmal ne Chance.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7808

Registriert seit 23.07.2014

2019-09-21 02:34:06 Uhr
Richtig gut, gefällt mir nochmal besser als der Vorgänger. Auf jeden Fall die beste seit Maladroit, wurde von den Alben danach leider nicht mehr erreicht. Dieses leichte, sommerliche ist wirklich klasse.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7808

Registriert seit 23.07.2014

2018-12-19 11:29:50 Uhr
Die Meinung vertrat aber auch nur Machina, ich mag die Weiße sehr gerne, auch wenn es für mich keine 9/10 ist
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify