Hilltop Hoods - Drinking from the sun, Walking under stars (Restrung)

Hilltop Hoods- Drinking from the sun, Walking under stars (Restrung)

Island / Universal
VÖ: 19.02.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ich habe Hunger

"Aus zwei mach eins", das Motto vieler guter Dinge, die aus der Zusammenfassung zweier Teile entstehen. Zum Beispiel "Kinderriegel" als Milch-Schoko-Kombi – an der Grenze zum Kitsch in zahlreichen Werbespots dargestellt – "Ebony and Ivory together in perfect harmony" ohne Politik quasi. Oder "Bifi Roll": Dauerhaltbare Wurschd im Weckle für zwischendurch. Schmeckt am besten nach durchzechten Partynächten, zusammen mit billigen Energydrinks. Oder, um die – nach der Völlerei – zweitliebsten Gefilde des dickbäuchigen Rezensenten zu entern, ganz einfach und doch so simpel: Sex. Auch hier geht es ja um Vereinigung. Hilltop Hoods veröffentlichten 2012 und 2014 ihre Alben "Drinking from the sun" und "Walking under stars". "Aus zwei mach eins" verfolgen die Australier auch mit "Drinking from the sun, Walking under stars (Restrung)" einer Kombination der beiden vielfach platinausgezeichneten Platten. Kein einfaches Best-of, sondern eine wirkliche Neuauflage einer Auswahl von Einzeltracks der beiden Vorgänger, gemeinsam auf einem Longplayer.

Geldmache oder progressive Auseinandersetzung mit dem Eigenwerk? Heraushörbar jedenfalls ist Zweiteres. Tatsächlich hat sich das Trio aus Adelaide die Mühe gemacht, die Feature-Titel jeweils gänzlich neu zu arrangieren. Mit dem Opener "The thirst pt. 6" und später "The thirst pt. 7" führen sie die Nummerierung von den Vorgängern fort und zeigen auch so an, dass hier keine Wiederholung, sondern eine Fortsetzung angestrebt wurde. Wie auf "Drinking from the sun" und "Walking under stars" setzt die Crew auf orchestrale Instrumentierungen, die freilich ein größeres Spektrum zulassen als eine Auswahl computererzeugter Standardbeats. Das war damals schon geil und setzt jetzt ein Ausrufezeichen hinter die Bandgeschichte der vergangenen vier Jahre.

"I love it" leitet mit einer Violinen-Linie ein, die wahrscheinlich nicht ganz zufällig an "Bittersweet symphony" erinnert, bevor der Beat bollernd einsetzt. Das Tempo ist gegenüber der Originalversion etwas angezogen, eine Querflöte mischt sich ins Geschehen und Sias Hookline burnt heftig wie die Sriracha-Soße mit der roten Kappe. "Speaking in tongues" verlässt die Lo-Fi-Ebene und kommt daher wie ein Hänfling nach der "Bosstransformation": mit neuen Muskeln und deutlich übermütig. Energiegeladen, mit Background-Chor, vibrierender Tuba und schallender Posaune lässt der Track trotz dunkel-mystischer Lyrics das Tanzbein schwingen, während Featuregast "Chali 2na" wie eine Art englischsprachiger Trooper Da Don deftigste Zeilen aus der Tiefe seiner Stimme empordrückt. Das folgende "Cosby sweater" wird von Xylophon, Fagott und Querflöte geführt und erscheint gegenüber dem Original spürbar runder. Und das Teil war 2014 schon ein Hit. Der trampelnde Chorus schreitet trotz oder eben wegen des Pulli-Fauxpas erhobenen Hauptes voran.

Weniger freudvoll, nicht aber weniger hoffnungsfroh präsentiert sich "Won't let you down", dessen Kehrzeile Maverick Sabre voller Pathos darbietet. Im Original noch mit galoppierendem Handclap-Rhythmus vorgestellt, übernimmt hier gänzlich und raumfüllend die Geige. Gebattelt wird in "Lights out", das hier mit neu eingespieltem Background-Wahwah, weiblichem Gesang und noch düstererem Piano tiefere Ebenen erschließt. Gebattelt? Gegen alles und jeden, gegen die Ungerechtigkeit im Allgemeinen! Die dissonanten E-Gitarren aus der Vorlage werden verbannt und der Track schlägt in aktueller Form noch direkter auf die Zwölf. "We have the thirst / We have the hunger" lässt "The thirst pt. 7" zum Abschluss anklingen und erklärt die Motivation des australischen Dreiers: Das nimmersatte Element ist es, welches die Musiker Selbsterschaffenes neuerfinden und andersdenken lässt. Womit wir am Ende doch wieder beim Essen wären, irgendwie.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Won't let you down (Restrung) (feat. Maverick Sabre)
  • Speaking in tongues (Restrung) (feat. Chali 2na)
  • Cosby sweater (Restrung)
  • Lights out (Restrung)

Tracklist

  1. The thirst pt. 6
  2. Drinking from the sun (Restrung)
  3. Higher (feat. James Chatburn)
  4. I love it (Restrung) (feat. Sia)
  5. Live & let go (Restrung) (feat. Maverick Sabre)
  6. Through the dark (Reprise)
  7. Won't let you down (Restrung) (feat. Maverick Sabre)
  8. Speaking in tongues (Restrung) (feat. Chali 2na)
  9. Cosby sweater (Restrung)
  10. 1955 (feat. Montaigne)
  11. Walking under stars (Restrung)
  12. Drinking from the sun reprise
  13. Lights out (Restrung)
  14. Rattling the keys to the kingdom (Restrung)
  15. Through the dark (Restrung)
  16. Shredding the balloon (Restrung)
  17. I'm a ghost (Restrung)
  18. The thirst pt. 7
  19. Higher (feat. James Chatburn) (Jayteehazard Remix)

Gesamtspielzeit: 71:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
nerv
2016-03-29 16:03:56 Uhr
Das ist so eine miese Rezi. Wer krampfhaft unterhaltsam sein will, ist es leider nicht immer. Außerdem sind hier mal wieder haufenweise blödsinnige Formulierungen drin. Mich ärgert sowas

dieDorit

Postings: 136

Registriert seit 30.11.2015

2016-03-24 02:51:37 Uhr
Wer hätte gedacht, das mir ein Hip-Hop-Album mal gefallen würde, aber das hier ist wirklich gut.

Armin

Postings: 15706

Registriert seit 08.01.2012

2016-03-23 20:41:27 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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