The Mission - Aural delight

The Mission- Aural delight

XIII Bis / Edel
VÖ: 02.12.2002

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mission impossible

Elefanten haben ein außerordentlich gutes Gedächtnis, besonders für negative Begebenheiten. Gab der eine Rüssel-Bulle dem anderen in paarungswilligen Zeiten mit seinen großen Stoßzähnen so richtig eins auf die Mütze, so hat der Unterlegene Täter, Ort und Schmerzen gleich in einer der vielen Tausend Gehirnwindungen als unvergeßlich abgelegt. Und geht dem Schläger konsequent aus dem Weg. Wenn nun der Vergleich der alten Waverock-Ikonen von The Mission mit solchen Dickhäutern gezogen wird, beschränkt sich die Gemeinsamkeit wohl nur auf das Verhalten in Fachgeschäften für Geschirrwaren.

Überraschend feierten The Mission mit Mastermind Wayne Hussey mit seiner Band vor genau einem Jahr mit dem Album "AurA" und einer recht gelungenen Rückkehr zum traditionellen Sound ihrer Glanzzeitihr Comeback. Was damals nach dem Meisterwerk "Carved in sand" folgte, hat Hussey scheinbar elefantenungleich und ersatzlos aus seinem Gehirn getilgt. Dem Ausstieg von Simon Hinkler und der Veröffentlichung der Outtakes-Kollektion "Grains of sand" folgte mehr als ein Jahrzehnt musikgeschmacklicher Irrungen und Wirrungen. Wer aber dachte, Hussey hätte aus der Geschichte gelernt, sieht sich getäuscht: Nach der Trennung von Craig Adams konserviert der Nachschlag "Aural delight" wie vor zwölf Jahren Liegengebliebenes.

Dies läßt sich zunächst angenehm an: Das Remake des Klassikers "Amelia" gelingt vortrefflich. Eröffnete der Song "Carved in sand" damals mit einem gigantischen Widerspruch - der bitterböse Text über Kindesmißhandlung aus der Ich-Perspektive des vergewaltigenden Vaters stand einer fröhlichen geschrammelten Akustik-Klampfe und einem gröhlbaren Refrain gegenüber. Die neue Version ist weitaus bedrückender - ein zähes Stück Rock mit schleppendem Schlagzeug und monotonem Baß-Sound. Mit jedem Ton quillt die Brutalität der Tat und das Leiden des kleinen Mädchens aus den Boxen. Ergreifend. Und einzigartig, weil dies die einzigen spannenden Minuten auf "Aural delight" sind.

Hussey versucht mit drei solcher Neuaufnahmen, den Fans sein persönliches Mission-Lieblings-Album anzudrehen. Doch wenn anstelle von Beats und orientalischen Instrumenten von "Masque" nun stumpfe Gitarren und lasches Schlagwerk dominieren, tritt ein Umstand deutlich zu Tage: Das Songmaterial war, ist und bleibt erschreckend lau. Bei den versammelten B-Seiten bedienen sich The Mish noch mehr als bisher ihrer heimlichen Vorbilder The Cure: "Melt" klingt wie ein Rückgriff auf die Robert Smiths "Wish"-Ära, ohne jedoch dessen melodiöse Kraft zu erreichen. Und mit den abgespeckten "Dragonfly" (am Piano) und "Mesmerised" dürfen zwei eigentlich bewährte Mission-Rocker selbst wohlmeinenden Hörern klarmachen, daß Husseys Stimme ihren Zenit lange überschritten hat.

Ach ja, dann gibt es noch die beiden Covers "Never let me down" (Depeche Mode) und "Can't help falling in love with you" (Elvis Presley) - aber dabei surrt im Kopf nur noch verstärkt eine kurze Frage herum, die sich seit Track zwei zum Kainsmal von "Aural delight" entwickelt hat: Wayne interessiert's?

(Daniel Löb)

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Highlights

  • Amelia

Tracklist

  1. Amelia
  2. Even you may shine
  3. Spider & the fly (in the ointment)
  4. Sorry...
  5. Anyone but you
  6. Never let me down
  7. Never agein
  8. Melt
  9. Mesmerised (Reprise)
  10. Swoon
  11. Dragonfly (Demo)
  12. Can't help falling in love

Gesamtspielzeit: 56:24 min.

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