Amon Amarth - Jomsviking

Amon Amarth- Jomsviking

Sony
VÖ: 25.03.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Konzeptioneller Abriss

Es gibt Kreise, in denen ist es schon lange verpönt, Fan von Amon Amarth zu sein. Und wenn man sich auf manchen Festivals so umsieht, dann werden Shirts mit den Konterfeis der Bandmitglieder oder Aufnäher mit dem Bandlogo oft und gerne von Personen getragen, die Death Metal ansonsten scheinbar für die Sprechprobe eines betrunkenen Wildschweins halten. Offensichtlich jedoch ist es für manche Zeitgenossen verwerflich, wenn es im Zeitalter von Metal-Events für den Kostenbeitrag eines gut ausgestatteten Kleinwagens manchen Bands gelingt, ihre Musik einer breiteren Fanbasis zugänglich zu machen. Ohne Airplay und TV-Präsenz, wohlgemerkt. Oder ist es doch nur das Mimimi derjenigen, die es nicht ausstehen können, ihre Fanzuneigung mit anderen teilen zu müssen? Sei es wie es sei – eine professionelle Band sollte dieses Getöse eigentlich kalt lassen. Doch wenn man den Schweden um den Fronthünen und Nachwuchsschauspieler Johan Hegg einen Vorwurf machen kann, dann ist es der, dass 2013 die ansonsten überaus großartige Platte "Deceiver of the gods" ein wenig zu oft in der Komfortzone des Midtempo herumlungerte.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. "The first man I killed was the earl's right-hand man / When he came to take her away", knurrt Hegg, und das Inferno bricht los. Können sich Fans der Schweden eine bessere Ouvertüre zu einer Platte wünschen als "First kill", dieser berserkernden Abrissbirne? Und die Schweden gehen noch vor dem ersten Riff das nächste Wagnis ein. Denn "Jomsviking" ist nicht etwa nur das zehnte Studioalbum der Death-Metal-Gruppe, sondern quasi zur Feier des Jubiläums das erste Konzeptalbum. Denn bei den Jomswikingern handelt es sich der – historisch allerdings unbestätigten – Sage nach um einen Söldnerbund, der mit hunderten von Schlachtschiffen von der versunkenen Stadt Vineta aus operiert haben soll. Hinaus aus Asgård also, das nun schon oft genug lyrische Basis war, und hinein in die vermeintliche Kernkompetenz.

Kernkompetenz von Amon Amarth allerdings sollte trotz erneut reichhaltigen Schlachtenlärms die Musik sein. Und die sucht im Genre erneut ihresgleichen. Denn das Gemetzel von "First kill" soll keine Eintagsfliege sein. Vielmehr kreist immer öfter als zuvor der Thorshammer, weicht hymnisches Stampfen garstig peitschenden Riffs, auch wenn mit "Raise your horns" natürlich noch eine fette Schunkel-Hymne für die Massen geliefert wird. So weit, so offensichtlich. Das wahre Experiment findet sich jedoch, wenn man ein wenig genauer unter die Haube des Bandsounds schaut. Denn so deutlich wie auf dieser Platte haben sich die Nordmannen noch nie zu ihren metallischen Wurzeln bekannt. Und die liegen nicht etwa im Death Metal, sondern im klassischen Metal, dessen Stil Judas Priest, Accept oder Iron Maiden so geprägt haben – wie geschaffen also für die eh als Filigrantechniker bekannten Gitarristen Olavi Mikkonen und Johan Söderberg, die ein so brachiales wie feingliedriges Twin-Lead nach dem anderen heraushauen.

Der Blick auf den weiteren Verlauf der Trackliste lässt die Skeptiker allerdings erschaudern. "Featuring Doro Pesch" steht da in großen Lettern hinter "A dream that cannot be". Doro, die Grande Dame des nicht eben niveauhöchsten Teutonenstahls, im Duett mit Johan Hegg? Das geht? Und wie das geht. Fernab von jeglichem "Grunzen trifft lieblichen Gesang"-Klischee zeigt sich Frau Pesch überaus kratzbürstig und kann als pampige Gesangspartnerin dem monströsen Frontmann hervorragend das Wasser reichen. Das nächste Meisterwerk im Katalog also? Nicht ganz. Denn gerade im Mittelteil der Platte fehlt vielleicht doch ein, zwei Mal die eine große Killer-Hook, die eine Platte zum Klassiker machen kann. Aber natürlich ist das Jammern auf Höchstniveau und ändert nichts am zu erwartenden Ergebnis: Erneut wäre alles andere als ein Charterfolg, zumal mit Major-Label im Rücken, eine faustdicke Überraschung. Zum Anderen können sich die größten Konzertveranstalter des Landes erneut auf Kohorten einfallender Wikinger gefasst machen. Denn bei aller Lästerei vermeintlicher Undergroundfreaks zeigen Amon Amarth mit "Jomsviking" erneut, wie Death Metal mit großem Produktionsbudget klingen kann. Death Metal for the masses, sozusagen, oder auch: beeindruckend unbeeindruckt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • First kill
  • Raise your horns
  • A dream that cannot be (feat. Doro Pesch)

Tracklist

  1. First kill
  2. Wanderer
  3. On a sea of blood
  4. One against all
  5. Raise your horns
  6. The way of Vikings
  7. At dawn's first light
  8. One thousand burning arrows
  9. Vengeance is my name
  10. A dream that cannot be (feat. Doro Pesch)
  11. Back on northern shores

Gesamtspielzeit: 52:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
wuaaarrrgh
2016-04-01 09:55:57 Uhr
warum nicht beides hören? warum muss immer etwas in den müll bzw nicht mehr gehört werden?
vielseitigkeit!!einself
@dann
2016-03-31 19:53:18 Uhr
VICTO-RIOUS MAAAAAAAAARCH!!!!!!!! *UH*
dann
2016-03-31 19:50:06 Uhr
aber auch ne rezi zu der neuen Moonsorrow und amon amarth in die mülltonne.
hrrr
2016-03-29 10:30:13 Uhr
und für eisenfresser und -pumper!

Neytiri

Postings: 215

Registriert seit 14.06.2013

2016-03-29 10:28:33 Uhr
Natürlich ist das alles wahnsinnig kommerziell und natürlich hat das mit Death Metal nicht mehr viel gemein, aber ein Album nach dem Anderen in dieser hohen Qualität haben selbst Bon Jovi von Mitte der 80er bis Mitte der 90er nicht hinbekommen.

Für einsame Wanderer gibt es keine bessere Mucke.
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