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Iggy Pop - Post pop depression

Iggy Pop- Post pop depression

Rekord / Caroline / Universal
VÖ: 18.03.2016

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Das letzte Einhorn

Iggy Pop ist der "last of the one and onlys". Das zumindest sagt Josh Homme. Und der muss es wissen. Schließlich nennt er Iggy und vor allem The Stooges als zwei seiner Haupteinflüsse. Eine Wertschätzung, die auf Gegenseitigkeit beruht. Für den inzwischen 68-jährigen Pop ist Homme wiederum der beste seiner Generation. Und so war die Sache schnell geritzt, als Iggy fragte, ob sie nicht gemeinsam ein paar Songs schreiben und aufnehmen wollten. Der Queens-Of-The-Stone-Age-Frontmann sagte nicht nur zu, sondern trommelte gleich eine Supergroup zusammen. Er holte Drummer Matt Helders von Arctic Monkeys sowie Dean Fertita (Queens Of The Stone Age, The Dead Weather) mit ins Boot, um "Post pop depression" in seinen Home Studios in Kalifornien adäquat einzuspielen.

Auch wenn diese Veröffentlichung als Soloplatte von Iggy Pop verkauft wird: Sie ist ein Teamwork. Die Handschrift von Homme ist omnipräsent – im Songwriting, in den Riffs und in der transparenten Produktion. Für Pop ist das ein Glücksfall. Wer nach den eher müden "Préliminaires" und "Après" schon ein Ausplätschern der einst so krachigen Karriere befürchtet hatte, wird eines Besseren belehrt. Und zwar gewaltig: "Post pop depression" ist die stärkste, mächtigste und wichtigste Iggy-Pop-Platte seit "The idiot".

Gleich die ersten Zeilen sind Versprechen wie Drohung zugleich: "I'm gonna break into your heart / I'm gonna crawl under your skin." Und sie sind der Auftakt zu einem fulminanten Roadtrip durch Iggys Endzeit-Universum. Jeder Track ist ein Treffer: Im eingänigen "Gardenia" klingt Iggy mehr denn je wie David Bowie. Das bedrohliche "American Valhalla" mit Fuzzbass und "China girl"-Reminiszenz jagt einem kalte Schauer über den Rücken. Überhaupt sind die gesamten rund 40 Minuten von einer markanten Düsternis durchweht, einem Cocktail aus Todesahnung und unverwüstlichem Trotz. Der Teufel steckt im Detail: Alle Songs sind vielschichtig, haben tückische Falltüren und doppelte Böden. Dies hier ist kein versöhnliches Alterswerk, sondern die Neuerfindung eines Getriebenen durch Berufung auf seine Stärken. Wie keine andere Platte zuvor vereint sie die unterschiedlichen Sounds seiner bisherigen Karrierestationen – die unkontrollierte Wut aus den ersten Tagen, die vernebelte Sinnsuche mittlerer Jahre, die Weisheit der späteren Tage.

Die ganz große Geste packen Pop & Co. im quirligen "Sunday" aus, das ein funky Gitarrenlick mit einem Frauenchor paart und in einer Art Mardi-Gras-Outro mit Blasinstrumenten und Streicherquartett mündet. "Paraguay" ist dann typisch Queens Of The Stone Age mit ausführlichem Gitarrensolo und einem fauchenden Iggy Pop, der seine Wut zunehmend unbeherrscht herausspuckt. Ganz am Schluss steht dann jene Songzeile, die unter Kritikern bereits für Diskussionen sorgt: "I'm gonna go heal myself now / Yeah!"

Schon machen Gerüchte die Runde, dass dies Iggys letzte Platte sein wird, sein Vermächtnis an die Welt. Genauso gut möglich ist, dass James Newell Osterberg, Jr. noch gar nicht richtig angefangen hat.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Gardenia
  • American Valhalla
  • Sunday

Tracklist

  1. Break into your heart
  2. Gardenia
  3. American Valhalla
  4. In the lobby
  5. Sunday
  6. Vulture
  7. German days
  8. Chocolate drops
  9. Paraguay

Gesamtspielzeit: 41:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Albin
2017-01-08 17:45:04 Uhr
Es ist das Rockalbum 2016. Allein Paraguay ist der beste Song des letzten Jahres.
töffi
2017-01-02 12:17:28 Uhr
Ich finde das Album nur gut, weil es überall so gehypt wurde un dich jedem Trend hinterherlaufe! UND QOSA-Fan bin!

Iggy Pop kannte ich zuvor nicht

qncy

Postings: 3

Registriert seit 02.01.2017

2017-01-02 10:40:18 Uhr
Ich höre es gerade wieder, da es auf meiner "2nd Chance 2016" Liste ist und mit dem Hintergedanken, dass Josh Homme beteiligt war, hört es sich irgendwie anders an, besser. Auf jeden fall stimme ich zu, dass man es stark raushört.

Komisch, aber somit könnte es noch auf meine "Best of 2016" Liste kommen.
Homme de Terre
2016-04-20 14:33:53 Uhr
So, ich hab mir das Album nach diesem Text hier gekauft und muss sagen es ist wirklich top.Danke für die Empfehlung

They are the eggman

Postings: 10

Registriert seit 06.04.2016

2016-04-07 20:00:38 Uhr
Bin großer quotsa fan, muss aber gestehen, ich von iggy bisher so gut wie nix kannte. Hatte daher auch keine Erwartungshaltung. Finde das Album sau stark. Schön abwechslungsreich und ohne wirkliche Schwächen. Josh's Handschrift ist deutlich erkennbar, dennoch klingt es eigenständig und nicht zu stark nach quotsa.
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