Mass Hysteria - Contraddiction

Mass Hysteria- Contraddiction

Sony France
VÖ: 06.12.1999

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Trendimperialismus im Hexagon

Energiegeladener New Metal bekommt aus Frankreich ein neues Gesicht verpaßt. Mass Hysteria führen nach ihren Kollegen von Out als zweite Band diese härtere Gangart, die dort landläufig als "Techno-Metal" bezeichnet wird, in die französische Musiklandschaft ein. Ihre ersten Gehversuche machten Mass Hysteria einst im Liberty Rock Studio in der Hauptstadt Paris, wo auch andere, national bekannte französische Bands wie Ancalagon, Necropsia, Al Capote ihre Karriere begannen.

Nach ihrem 94er Debüt "Le bien-être et la paix" haben sich Mass Hysteria mit vielen kleinen Konzerten ins Rampenlicht der französischen Musikszene gespielt. Besonders gefallen konnte die bis dato relativ ungewohnte Verschmelzung verschiedener Stile wie Hardcore, Fusion, Groove, Rock und Hip-Hop, womit die Band den Zeitgeist traf und den Trend erahnte.

Mass Hysteria komponierten ihre Riffs bei den Aufnahmen zum neuen Album deutlich differenzierter als bei ihrem Debüt. Die Texte sind reichhaltiger geworden, doch der Hauptfaktor für die Veränderungen war ein anderer: Produzent Colin Richardson, der sich schon Machine Head, Fear Factory, Carcass, Gorefest und Napalm Death annahm, sah Mass Hysteria auf einem Festival und willigte ein, ihr zweites Album zu produzieren. Die Coolness und die Unbefangenheit des Debüts "Le bien-etre et la paix" haben sich unter seiner Leitung einer Weiterentwicklung unterzogen. Die Gitarren klingen nicht mehr so schneidend, die Grooves scheinen größer, die Samples kommen deutlicher rüber und der Gesang Mouss' verleiht den Texten eine größere Fülle, als es beim Vorgänger der Fall war.

Den Hörer erwarten auf "Contraddiction" (ein Kompendium aus "contradiction" und "addiction"), sehr verschiedenartige Stücke, die von Richardson auf Erfolg getrimmt wurden. Dem ersten Song und zugleich Namensgeber "Contraddiction" ist eine starke Ähnlichkeit zu Such A Surge anzuhören. Krachende Gitarren in Verbindung mit Samples und aggressivem Gesang geben hier den Ton an. Eine Anleihe bei Machine Head und Fear Factory präsentieren "Zion", sowie "Aimable à souhait" und die metallische erste Single "Attracteurs étranges". Bei "P4" lassen die sechs Franzosen, so scheint es, allen Zorn und Haß aus sich heraus und würden sogar Korn auf die Plätze verweisen. Die in diesem Genre leider schon obligatorischen Hip-Hop und Techno- Elemente dürfen auch nicht fehlen. Abgerundet wird das Album durch das ruhige "Carazones Olividados", das von afrikanischen Stammesgesängen untermalt ist und möglicherweise eine Hommage an die Menschen der französischen Kolonien darstellen soll.

Der befürchtete Anfall von Langeweile kann bei "Contraddiction" auf keinen Fall auftreten. Die eindeutigen Déjà Vu-Erlebnisse halten sich in Grenzen, was der Band auf einem mit New Metal-Bands überschwemmten Markt zugute zu halten ist. Die besondere Würze und in Deutschland auch einen Exoten-Bonus verleihen dem Sound die durchweg französischen Texte. Diese dürften ein Übriges zum vorhersehbaren Aufstieg der Band in ihrem Mutterland leisten, da zwei Drittel der im Radio gespielten Songs französische Texte haben müssen. Mit dem Rückenwind des neuen Albums beginnt für die sechs Bandmitglieder sicherlich eine neue Ära, die unter Umständen auch internationalen Ruhm über den Status eines Insidertips hinaus mit sich bringen mag.

(Benjamin Bunte)

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Highlights

  • Zion
  • P4
  • le dernier tango

Tracklist

  1. Contraddiction
  2. Zion
  3. Aimable á souhait
  4. Attracteurs étranges
  5. Finistère amer
  6. P4
  7. Sur la brèche
  8. Furia
  9. La dernier tango
  10. Osmos’ 99
  11. Le plus juste effet (irie)
  12. Corazones olvidados (saetas dulces)

Gesamtspielzeit: 55:58 min.

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