Macklemore & Ryan Lewis - This unruly mess I've made

Macklemore & Ryan Lewis- This unruly mess I've made

Rykodisc / Warner
VÖ: 26.02.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Seine halben Sachen

Der Typ mit der rotblonden Haartolle nervt. Und nein, wir reden nicht von Donald Trump. Wir sprechen von Macklemore. Seit 2013 muss sich jeder, der nur einigermaßen häufig dancen geht mit seiner und Ryan Lewis' Second-Hand-Hymne "Thrift shop" herumschlagen – Opa soll seine Klamotten bitte behalten dürfen, lautet das Urteil nach drei Jahren Dauerbeschallung häufig. Dabei war und ist der Track ein Hit. Einfach wegen seines Machschemas: Man nehme ein populäres Thema – Macklemore hätte genauso gut über Gin rappen können – und addiere eine ohwürmelnde Hookline: Boom. Mit "Downtown" tat es das HipHop-Duo aus Seattle schon wieder. Thema: Mofafahren. Funk-Gitarren, Handclaps und prominente Unterstützung. Geiles Teil, aber mit absehbarer Halbwertszeit. Das zugehörige Album "This unruly mess I've made" erscheint jetzt.

Schon "Welcome to the heist" von 2013 stand irgendwie im Schatten des einen Hits. Und so ist es auch beim aktuellen Werk: Mit 13 Titeln, verteilt auf eine knappe Stunde, ist es zwar nicht sonderlich lang. Aber es hat durchaus seine Längen. Zudem haben Macklemore & Ryan Lewis ein kleines Who is who von Musikern zum Feature geladen: Melle Mel, Grandmaster Caz, Chance The Rapper und KRS-One als HipHop-Größen, Anderson Paak unter anderem aus dem R'n'B-/Soul-Sektor und, ja, Ed Sheeran. Ed Sheeran, verdammt. Und klar, als hätte man es geahnt, der vom hässlichsten Frauenschwarm aller Zeiten, dem britischen Rotschopf mit den krummen Augen, gefeaturete Track gerät zur Peinlichkeit der Platte: "Growing up" dreht sichs ums nicht endende Erwachsenwerden. Cheesyness-Faktor: 10/10. Song-Wertung 3/10.

Das Problem mit "This unruly mess I've made" ist genau das: So mancher Track möchte das Album nach unten ziehen, und lässt sich partout nicht überhören. Das völlig deplatzierte "Dance off" beispielsweise: "I challenge you to a dance off", spricht Schauspieler und Hobby-Musiker Idris Elba ins Dunkel. Mano-a-Mano mit Füßen quasi. Wenn andere Rapper übers Drive-by-Shooting philosophieren, will Macklemore bloß tanzen. Gesünder, aber auch langweiliger. Der zweite Feature-Gast, Anderson Paak, macht es auch nicht besser, der unverhältnismäßig überdramatische Titel ist der Tiefpunkt des Albums. Jetzt aber mal zu den positiven Erscheinungen: "Brad Pitt's cousin (feat. XP)" tut zwar nichts anderes, als Macklemore zum schönsten Typen des Universums zu deklarieren, doch Rap und Musik machen hier deutlich mehr Spaß, als sontswo – und der ironische Unterton ist auch nicht zu verkennen. "Buckshot" kommt angenehm oldschoolig daher, KRS-One nimmt freudig auf. Das wirre Sirren aus dem Hintergrund, die Piano-Samples und DJ Pemiers Scratchen, lassen Macklemores Rap unbekannte Gefilde entern. Auch "Need to know (feat. Chance The Rapper)" löst Positives aus: Fingerschnips, Trombone, Nachdenklichkeit versus Happiness. Ein Song mit Inhalt und Struktur.

In "White privilege II" wird es schließlich ganz und gar besinnlich, teilweise verstummt der Beat voll und ganz, um Macklemores Verse in ihrer Ernsthaftigkeit zu untermauern. Knapp neun Minuten nimmt sich der Rapper Zeit, um über Recht und Unrecht in der aktuellen Rassismus-Debatte zu reflektieren. Zwar ist freilich auch das, wenn man so möchte, gerade ein Trend-Thema, aber zweifelsohne das mit höchster und vor allem dauerhafter Aktualität. Das muss man erst mal so angehen, wie das rotblonde Weißbrot hier. Und da tut sich auch eben diese Lücke auf, die Macklemore & Ryan Lewis bis dato nicht zu füllen im Stande waren: Einerseits werden sie im Game für ihre oft belanglosen Themen belächelt, andererseits sagt man ihnen eine positive politische Einstellung nach. Ein Spagat, der allzu selten gut geht. So entstehen halbgeile Alben. Und um das mal HipHop-lyrisch auf den Punkt zu bringen: Ein halbhartes Teil macht jeden Fick zur Farce.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Downtown (feat. Melle Mel, Grandmaster Caz, Kool Moe Dee & Eric Nally)
  • White privilege II (feat. Jamila Woods)

Tracklist

  1. Light tunnels (feat. Mike Slap)
  2. Downtown (feat. Melle Mel, Grandmaster Caz, Kool Moe Dee & Eric Nally)
  3. Brad Pitt's cousin (feat. XP)
  4. Buckshot (feat. KRS-One & DJ Premier)
  5. Growing up (feat. Ed Sheeran)
  6. Kevin (feat. Leon Bridges)
  7. St. Ides
  8. Need to know (feat. Chance The Rapper)
  9. Dance off (feat. Idris Elba & Anderson Paak)
  10. Let's eat (feat. XP)
  11. Bolo tie (feat. YG)
  12. The train (feat. Carla Morrison)
  13. White privilege II (feat. Jamila Woods)

Gesamtspielzeit: 57:44 min.

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User Beitrag

Pascal

Postings: 395

Registriert seit 13.02.2013

2016-03-18 02:44:04 Uhr
Nun ja, der letzte Track hat schon mal allein
knapp 9 Minuten und im HipHop sind Tracklisten um die 20 Titel bei teilweise über 90 Minuten nicht unüblich...
Mazze
2016-03-12 16:34:49 Uhr
2. Zitate:

Gesamtspielzeit: 57:44 min

Mit 13 Titeln, verteilt auf eine knappe Stunde, ist es zwar nicht sonderlich lang

manukaefer

Postings: 208

Registriert seit 16.06.2013

2016-03-08 22:36:42 Uhr
Growing up und Dance Off sind ganz ok. Der Rest nicht so. Das ist meine Meinung.

Armin

Postings: 13817

Registriert seit 08.01.2012

2016-03-08 21:30:46 Uhr
Frisch rezensiert!

Meinungen?

Armin

Postings: 13817

Registriert seit 08.01.2012

2016-02-28 16:18:15 Uhr
Da sind einige wirklich starke Sachen drauf, aufs erste Ohr vor allem der Opener "Light tunnels".
Zum kompletten Thread

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