Wintersleep - The great detachment

Wintersleep- The great detachment

Caroline / Universal
VÖ: 18.03.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

An der Weggabelung

Drei divergierende Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in der Regel für eine Band. Erstens: Den Stil beibehalten, oder nur geringfügig weiterentwickeln von Album zu Album. Leider wird das schnell langweilig (siehe Mumford & Sons, The Kooks, Maximo Park). Zweite Möglichkeit: neue Platte, neue Richtung. Hier werden Fans häufig verprellt, welche dies mit nicht wieder wettzumachender Abscheu quittieren (siehe The Killers, Coldplay, aus dem Deutschsprachigen vielleicht Madsen). Schlägt eine Gruppe den dritten Weg ein und damit den Mittelweg der zuvor genannten, spricht man häufig davon, dass Gruppen erwachsen werden – dass Album B die logische Folge sei von Album A, und C wiederum von B. Das gilt als optimal. Wird aber trotzdem nicht immer gewürdigt.

Wintersleep landeten mit ihrem dritten Studioalbum "Welcome to the night sky" einen vollen Erfolg, der hier mit 8/10 als Meisterwerk gewürdigt wurde. Die beiden Folgealben "New inheritors" und "Hello hum" kamen bei Fans und Kritikern weniger gut weg. Jedoch lässt sich nicht nur innerhalb dieser Dreierabfolge, sondern schon vom Debüt an eine Evolution ablesen, die die verbreitete These vom One-Hitalbum-Wonder in Frage stellt. Mit ihrem aktuellen Werk "The great detachment" setzen die Kanadier ein Ausrufezeichen hinter ihre Entwicklung, denn kein anderes Album des Fünfers aus Halifax spielt so gekonnt mit Genres und Stilmitteln.

Während "Welcome to the night sky" noch zwischen "klassischem" Emorock und Indie hin- und herhüpfte, hat im Falle von "The great detachment" vor allen Dingen das Uptempo Einzug gehalten: Schnelle Songs, die sich etwas trauen, die auch einmal die Synthies anwerfen, Chöre einbinden und nicht weiter die Explosion scheuen, ohne dabei bekannte Machschemata zu ignorieren. Als würden Band Of Horses ein Feature mit Phoenix aufnehmen, um ein misslungenes Experiment von Noah And The Whale zu korrigieren. In "Love lies" kulminiert alldies, wenn ein dumpfer Beat den Track zunächst aufpumpt, damit dieser dann üppig und kraftvoll auftreten kann, ohne dabei Tiefe und Unnahbarkeit zu verlieren.

"Santa Fe" setzt ebenfalls zunächst auf Shoegaze-Gitarren, bevor es sie in den Hintergrund stellt und eine Roboterstimme übernehmen lässt, die einen Song einleitet, der klingt wie Jimmy Eat World in ihren besten Zeiten und zwischen Feier und Kater schließlich völlig außer Atem ins Koma fällt. Auch "Spirit" bedient sich elektronischer Anleihen, die dem Country-Sound des Stücks gut zu Gesicht stehen. Da ergibt sich ein Bild wie bei "Marshall Bravestar", der 90er-Zeichentrick-Serie mit dem Sheriff auf dem Roboter-Pferd. Doch der Refrain lässt den Country ruhen, setzt Chöre ein und tanzt quer durch die Prärie. Mehr Vielfalt geht nicht. Ja, so etwas geht meistens schief. Hier aber keinesfalls. Wintersleep haben sich für den richtigen der drei Wege entschieden.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Santa Fe
  • Spirit
  • Love lies

Tracklist

  1. Amerika
  2. Santa Fe
  3. Lifting cure
  4. More than
  5. Shadowless
  6. Metropolis
  7. Spirit
  8. Freak out
  9. Love lies
  10. Territory
  11. Who are you

Gesamtspielzeit: 45:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Tim L.
2019-05-16 01:19:58 Uhr
scheisse mann!!

höre grad zum 1.mal 2016 album the great...

alter ist das geil, erster eindruck 9-10/10

alter mann geil
:-)

S0mbrero

Postings: 58

Registriert seit 14.06.2013

2016-10-11 15:47:47 Uhr
Sieht nach einer ähnlichen Setlist aus wie beim Way Back When. Wenn man etwas kritisieren kann, dann dass Miasmal Smoke ein noch etwas besserer Abschluss wäre als Laser Beams (das aber auch großartig ist).

musie

Postings: 2429

Registriert seit 14.06.2013

2016-10-11 12:40:02 Uhr
Shadowless ist in der Tat super! Zusammen mit Metropolis mein Lieblingslied vom neuen Album, und live klangen beide noch besser.
Moni
2016-10-11 10:16:27 Uhr
Shadowless <3 da wär ich auch gern gewesen!

musie

Postings: 2429

Registriert seit 14.06.2013

2016-10-11 08:49:28 Uhr
So ein gutes Konzert gestern in Zürich.

Lifting
Santa Fe
Drunk
Oblivion
Wighty
Spirit
Shadowless
Archaelogists
Dead Letter
Freak Out
Metropolis
Lasers
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