Entombed A.D. - Dead dawn

Entombed A.D.- Dead dawn

Century Media / Sony
VÖ: 26.02.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der neue Elchtest

Donnerwetter, da ist mal jemandem höchst eindrucksvoll das Maul gestopft worden. Zumindest einmal scheint sich ein gewisser Alex Hellid in einigermaßen nachhaltiger Schockstarre zu befinden. Denn nachdem er bekanntermaßen in nicht eben feiner Manier aus seiner von ihm mitbegründeten Band Entombed geschasst worden war, ließ er beleidigt dem Rest der Truppe per Gericht das Namens-Anhängsel "A.D." verordnen – wir erinnern uns. Nur ließen die Ex-Kollegen sich davon null beeindrucken und stattdessen mit "Back to the front" ein gleichermaßen ruppiges wie in großen Teilen gelungenes, nun ja, Debüt folgen. Was Hellid fortan offenbar die Sprache verschlug, während seinem Widersacher, Frontmann Lars-Göran Petrov, bis heute die Sonne aus dem Allerwertesten scheint.

Nun ist positive Stimmung im Death Metal tendenziell eher ungern gesehen, will uns das Klischee des ewig Bösen weismachen. Fakt ist allerdings, dass der Schwede mit mazedonischen Wurzeln momentan vor Motivation nur so sprüht. Und so verordnet er als Songschreiber seinen Mitstreitern gleich zu Beginn von "Dead dawn", dem zweiten Album der "neuen" Entombed, den gnadenlosen Marsch nach vorne. Denn "Midas in reverse" läuft los wie ein Rennpferd nach dem Start, lässt entschlossen Nico Elgstrands Gitarrenriffs von der Kette, damit Petrovs gewohnt heiseres Organ sie niederbellen kann. Auf diese Art aufgepeitscht hat dann auch der Titeltrack leichtes Spiel beim sprichwörtlichen Erdeverbrennen. Das ist nicht nur klasse, sondern schlicht der berühmte Elchtod der Neunziger, dessen Vorreiter Entombed ohne A.D. waren und trotz des nervigen Wurmfortsatzes immer noch sind.

Bei aller Spielfreude (oder eher -wut?) sind die Schweden allerdings dann am besten, wenn sie zwischendurch das Tempo ein wenig variieren. Perfektes Beispiel dafür ist "Down to Mars ride", das mit einem fiesen Break im Mittelteil aufwartet und damit viel mehr Bosheit induziert, als es rüpelige Blastbeats je vermögen. Das mag vielleicht manchen Death-Fundamentalisten erzürnen, steht jedoch bei näherem Hinschauen eher in der Tradition der Erfinder des Death'n'Roll als bloßes Geknüppel. Gleiches gilt im übrigen für "Hubris fall", einen tonnenschweren Doom-Brocken, der keinen anderen Zweck erfüllt als bloße Ödnis und Verwüstung zu hinterlassen. Zumal dieser Song eh nur die Trümmer des mit räudigen Uffta-uffta-Riffs gespickten "Silent assassin" aufzuräumen hat.

Auf eine gewisse Weise sind Entombed A.D. also herrlich rückwärtsgewandt und im positiven Sinne altmodisch. Für Innovationen sind sicherlich andere Bands zuständig, erst recht nach dem eher infantilen Kampftrinker-Video zu "The winner has lost", das der famosen Mischung aus Hardrock-Riff und Death-Gebolze so gar nicht gerecht werden mag. Und auch die Schweden werden vermutlich für den Rest ihrer Karriere Meilensteinen hinterherlaufen, in diesem Fall den überragenden Platten "Left hand path", "Clandestine" und "Wolverine blues". Doch Petrov hat das noch bei "Back to the front" in schwerer See schlingernde Schiff wieder auf Kurs gebracht, indem der an Selbstbewusstsein nicht eben arme Frontmann die Spielfreude wiederentdeckt hat. Auch auf "Dead dawn" mag die Perfektion früherer Alben noch nicht vollständig erreicht werden – die Richtung stimmt jedoch allemal.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Dead dawn
  • Down to Mars ride
  • Hubris fall

Tracklist

  1. Midas in reverse
  2. Dead dawn
  3. Down to Mars ride
  4. As the world fell
  5. Total death
  6. The winner has lost
  7. Silent assassin
  8. Hubris fall
  9. Black survival
  10. Not what it seems

Gesamtspielzeit: 40:45 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-02-26 21:56:03 Uhr
Frisch rezensiert.

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