Holy Esque - At hope's ravine

Holy Esque- At hope's ravine

Believe / Soulfood
VÖ: 26.02.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Das hässliche Stimmlein

Es ist die ewige Geschichte vom hässlichen Entlein: Der eine Teenager denkt, er habe einen besenstielgroßen Zinken im Gesicht stecken, dem anderen stehen seine Ohren zu weit ab. Bei Pat Hynes war das nicht anders. Als er seine Stimme zum ersten Mal auf Band hörte, hätte exakt in diesem Moment die noch nicht existente Karriere seiner Band Holy Esque schon zu Ende sein können. Ja, beinahe hätte Hynes den Fisher-Price-Rekorder mit abgerundeten Stoßschutzecken samt Kassette in die nächstgrößere Mülltonne an einer Straßenecke irgendwo in der Glasgower Betonwüste von East Kilbride geschmissen und sich auf dem Weg gemacht, sein Leben auf stumme Schwarzmalerei auszurichten.

Was der Welt dann nur entgangen – und den Fans der ersten Stunde erspart geblieben wäre. Denn bis "At hope's ravine" in gut sortierten Plattenläden nun endlich im Regal steht, sind unerbittliche fünf Jahre seit Gründung ins Land gegangen. Deshalb unerbittlich, weil die Band schon 2012 eine derart wegweisende, selbstbetitelte Vier-Song-EP vorgelegt haben, dass versammelter Indie-Rock-Gemeinde die Segelohren schlackerten. Es folgten mit "Sovereign" und "Fade" zwei Singles, mit "Submission" die nächste, nüchternere EP. Doch wer einmal von "Rose" angefixt wurde, konnte nicht anders, als jeden verstreichenden Monat alle Götter dieser Welt zu beschwören: Das Album! Jetzt! Bitte!

"Rose" ist glücklicherweise nun auch mit auf dem Langspieler gelandet, sogar neu abgemischt, mit weicheren Gitarren und sondierter Stimme. Der Song bleibt trotz abgelegter Garage-Allüren eine Offenbarung. Ein Geheimnis hingegen ist weiterhin, welche Argumente jener Tremolo-Tänzer Hynes einst gegen seine Stimme ins Feld führte. Während ihn schottische Feuilletons und britische Musikmagazine mit Tom Waits, Rod Stewart und Kurt Cobain vergleichen, wurde sein Blutsbruder im Gesang leidlich übergangen: James Ellery Roberts. Jener Roberts, der als Frontmann von Wu Lyf ganze Berge mit seiner Reibeisenstimme zu Aschehaufen zerkrümelte.

Der Witz an der Geschichte vom hässlichen Schwanenjungen ist bekanntlich jener, dass es am Ende schöner und erhabener ist, als jedes einzelne der eingebildeten Entenküken. Nicht anders beim Schotten: Hynes Stimme trägt das Album mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass schon der Opener am Wahrheitsgehalt seiner kindlichen Leidensgeschichte zweifeln lässt. "Prism" beginnt düster, auf halber Strecke zwischen Post-Punk und Shoegaze. Kratzig, rauh, ein Prolog, der erahnen lässt, dass Holy Esques Jungfernfahrt in einem Liebesrausch endet . Die Gitarren sind klar und durchdringend, die Gesten groß und knapp unterhalb der Grenze des pathetischen Wahnsinns. Es ist ein Leichtes sich mit "Hexx" und "Covenant" durch den dichten Fluss aus sphärischen Saitenklängen treiben zu lassen. Auch "Silences" ist alles andere als ein stiller Zeuge des Talents des Frontmanns und seiner drei Mitstreiter. Auch das Stück wächst, je öfter es läuft.

Wahre Größe erreicht "At hope's ravine", wenn Hynes die Songs zum Höhepunkt peitscht. Immer dann, wenn die Stimme zittert, wenn er aus dem Text ausbricht und statt der schnodderigen Zeilen nur noch den Urschrei "Cry, cry, cry" wie in "Doll house" herausbringt. Oder sobald er im vergleichsweise sanften "Strange" zu beben beginnt. Der Sänger spielt mit emotionalen Ausbrüchen, das verleiht der Platte Bandbreite. Im rockigen "Tear", Interpol lässt grüßen, kommt Hynes ohne Umwege genau dort an, wo er hin will, in "At hope's ravine" hält er sich dagegen bis zum großen Finale zurück. Ob nun die Schwanenbrut hässlich und Entenküken arrogant, aber süß sind, sei dahingestellt. Sicher ist dagegen: Auch das Märchen vom hässlichen Stimmlein geht gut aus.

(Bastian Sünkel)

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Highlights

  • Prism
  • Rose
  • Tear

Tracklist

  1. Prism
  2. Rose
  3. Hexx
  4. Covenant
  5. Silences
  6. Doll house
  7. Strange
  8. Tear
  9. My wilderness
  10. St.
  11. At hope's ravine

Gesamtspielzeit: 45:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Shakinstevie
2016-02-26 21:11:25 Uhr
Was soll ich sagen: Ich mag das Songwriting, den Gitarrensound, die Arrangements, die Produktion, aber die Stimme nervt. Dieses zittrige Feargal Sharkey Gekrächze (wem der noch was sagt) macht es mir echt schwer, am Ball zu bleiben...

Armin

Postings: 10586

Registriert seit 08.01.2012

2016-02-26 17:53:45 Uhr
HOLY ESQUE PRÄSENTIEREN NEUES VIDEO PÜNKTLICH ZUR VERÖFFENTLICHUNG VON "AT HOPE'S RAVINE"

Holy Esque aus Glasgow liefern die Blaupause für die nahezu perfekte Symbiose aus Shoegaze und Postpunk. INTRO

“Glasgow’s most exciting and inventive new band” NME

“A ferocious brand of post-punk” KEXP

“There's a dark magic about their sound. The rasping, quivering vocals calls to mind Clap Your Hands Say Yeah, while the squalls of guitar elicit comparisons with Joy Division or Glasvegas” The Guardian

“Scorching enough to set an entire mountain range aflame” Q Magazine



“At Hope's Ravine” ist des Titel des Debütalbums der Glasgower Band Holy Esque. Muskulös, ursprünglich, sehr direkt und emotional, ist das Album das Follow-Up ihrer gefeierten „Submissions“-EP, die ihnen über die Grenzen Ihrer Heimat hinweg einige Aufmerksamkeit bescherte und auch in Deutschland beginnt einiges an Aufmerksamkeit zu erregen!

Auf dem Album des Quartetts werden vor allem Themen wie Trauer, Flucht und Sehnsucht groß geschrieben. Mit ihrem Sound erinnern Holy Esque etwa an die frühen Simple Minds, aber auch Bands wie U2, Echo & The Bunnymen, Interpol und The National sind entfernte Nachbarn.

Zum Song Tear gibt es jetzt, pünktlich zur heutigen VÖ ein neues Video:

http://www.vevo.com/watch/GB45A1600299

Der Film spricht die Depressionen und Einsamkeit an, ein Problem das drastisch gestiegen ist seit Sparmaßnahmen die Londoner Jugendkultur getroffen haben und es härter als jemals zuvor gemacht haben in einer Stadt zu überleben, in der die Kosten weiter steigen.

"Der Film handelt von einer jungen einsamen Frau die die Eigenschaft verliert zu träumen, die Probleme hat über die Runden zu kommen, gefangen in einer Routine und von den Menschen um sie herum abgeschnitten. Sie findet einen Weg, durch eine fleischige, Blutegelähnliche Kreatur die sie unter Ihrem Bett hält, der Realität zu entfliehen. Sie wird abhängig obwohl sie weiß, dass diese parasitäre Kreatur langsam ihren Verstand und ihren Körper übernimmt."erklärt William Kennedy. "Die Geschichte ist zyklisch. Es gibt kein Ende. Keine Lösung. Es gibt nur Routine und ein verzweifeltes Verlangen zu entkommen."

Diese Thematik ist relevanter Bestandteil in der DNA von Holy Esque's Debüt "At Hopes Ravine".
Johnny Drama
2016-02-24 12:44:41 Uhr
Gefällt mir nach dem ersten Hören super! Ähnlich pathetisch wie Augustines, die fehlen auch in den Referenzen.

musie

Postings: 2020

Registriert seit 14.06.2013

2016-02-19 21:14:39 Uhr
JJ72 für mich sogar eindeutig erste Referenz. der gute alte October Swimmer...

musie

Postings: 2020

Registriert seit 14.06.2013

2016-02-19 16:08:46 Uhr
auf dieses Album freu ich mich seit fast zwei Jahren… bitte JJ72 in die Referenzen.
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