Say Anything - I don't think it is

Say Anything- I don't think it is

Equal Vision
VÖ: 05.02.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

The life of Bemis

Viele Dinge erscheinen unmöglich: Kanye West zu ignorieren, James Blunt ernst zu nehmen, die Komödie im Film "The Martian" zu finden. Oder auch gleichgültig gegenüber Say Anything zu sein. Die einen preisen Max Bemis dafür, einem Genre Relevanz zu verleihen, in dem sich viel Fragwürdiges wie Fall Out Boy oder My Chemical Romance tummelt. Mit unermüdlichen Verweisen auf Pop, Rock und HipHop, viel Witz und dem Mut, dringliche Themen anzusprechen, die viele scheuen (psychologische Krankheiten, Gesellschaftskritik). Die anderen finden nichts in den verrückten und oft chaotischen Songs der Kalifornier mit ihren zig popkulturellen Referenzen und Bemis' manischem Geschrei. So unerwartet "I don't think it is" ohne Ankündigung veröffentlicht wurde, so wenig überrascht, dass das Album keine neuen Fans umgarnt.

Bemis und Kollegen gingen planlos ins Studio. Sie improvisierten, was zu schroffen und lauten Songs wie "Give a damn" und "#Blessed" führte. In "Rum" gibt sich Bemis nicht nur dem HipHop hin, den er seit jeher verehrt, indem er zig Spuren sampelt. Er spielt auch einen der schmissigsten Refrains der eigenen Schaffenszeit, umgarnt von virtuosen E-Gitarren. "Jiminy" ähnelt dem, auch "Goshua" ist mehr Rap als Rock, doch die zusammengepuzzelten Parts haben wenig gemein. Kanye West wurde das Album vorgespielt. Den Kontakt vermittelten Freunde. Dem gefiel laut Bemis das Gehörte. West präsentierte im Gegenzug Rohfassungen aus "The life of Pablo". Und man kann sich schön vorstellen, wie da beide im Studio hocken und sich begeistert von den eigenen Spinnereien gegenseitig hochschaukeln.

Dem Sound von Say Anything fügt "I don't think it is" nichts Neues hinzu. Mal wird er brachialer wie in "So numb", mal melancholisch in der eleganten, akustischen Ballade "The Bret Easton Ellis School of witchcraft and wizardry", in der Cremes gegen Akne und Katie-Holmes-Poster gegen die Einsamkeit kämpfen. Gemäß dem Schirmherrn der Schule eine pure Oberflächlichkeit. Bemis blickt auf seinie Jugendzeit zurück, singt vom geklauten Geld für Pausenbrote, Drogenexzessen und wird leider pseudo-philosophisch: "I remember when we were pubeless / I remember we knew nothing of hubris" heißt es in "Goshua" oder "Want you to feel finally fearless / Want y'all to come when you hear this" in "Rum". Die Bilder, die Say Anything auf vorigen Alben kreierten, waren ausdrucksstark. Hier nähert sich die Band dem Klamauk an. In "Attaboy" spuckt Bemis auf Batman. In "Princess" meint er sich verteidigen zu müssen, weil seine Tochter den Disney-Streifen "Frozen" liebt. Und Disney doch kapitalistisches Gedankengut transportiere, zumindest laut altklugen linken Kritikern.

Mit Bemis ist etwas geschehen. Er ist glücklich geworden, fand eine Liebe, die nicht bloßer Rausch ist. Bekam Nachwuchs. Er ist weniger von sich selbst zermürbt als jemals zuvor. Was wunderbar ist. Es erschwert ihm aber seine Rolle des rotzigen Hitzkopfs. Er sollte sich eine neue suchen, die nicht nur dem eigenen, veralteten Zynismus nacheifert. Hardcore-Fans wird das nicht stören. Bemis noch weniger. Dem ist sein versöhnlichstes Album gelungen. Und irgendwie möchte man ihm dazu auch gratulieren.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Rum
  • The Bret Easton Ellis school of witchcraft and wizardry

Tracklist

  1. Give a damn
  2. 17 coked up speeding
  3. Rum
  4. So numb
  5. Goshua
  6. Jiminy
  7. Princess
  8. The Bret Easton Ellis school of witchcraft and wizardry
  9. #Blessed
  10. Wire mom
  11. Attaboy
  12. Varicose visage

Gesamtspielzeit: 42:38 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 13815

Registriert seit 08.01.2012

2016-02-18 22:55:20 Uhr
Frisch rezensiert!

Meinungen?

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-02-04 19:13:45 Uhr
Neues Album. Erscheint morgen. In voller Länge bei YouTube
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