Wolfmother - Victorious

Wolfmother- Victorious

Wolfmother / Universal
VÖ: 19.02.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Vergnügender, liebender Isegrim

Andrew Stockdale ist wohl kein einfacher Charakter. Zwar wird er biertrinkend mit Dave Grohl gesehen oder ausgelassen an der Seite von Slash – doch ekelt er kontinuierlich andere aus seiner Band an. Wolfmother haben sich, wie vor jeder Veröffentlichung bisher, auch für "Victorious" neu formiert. Drum sollte wohl weniger von einer Band, mehr von einem Projekt oder gar einer Idee die Rede sein. Auch wenn diese Idee nicht sonderlich reich an Einfällen ist. Dafür arbeitet Stockdale recht stur seinen guten Geschmack der Rockmusik aus den Siebzigern ab. Er ist The Darkness minus Glam plus Blues und Hammond-Orgel. Das spaßbefreite, weniger flippige Pendant. Ein Wolf ziert das Artwork zu "Victorious", der Isegrim aus Tierfabeln. Dort ist er ein raffgieriges, grimmiges, perfides Wesen; kein einfacher Charakter. Der gelegentlich tölpelt, was Wolfmothers letztes Album "New crown" beschreibt, das etwas zu viel Lustloses und Halbgares sammelte.

Schon der illustre Isegrim passt weit besser in die Diskographie aus Seenymphe und kosmischem Ei. Denn Wolfmother finden sich wieder. Im Opener knödeln die Gitarren, das Schlagzeug stampft. Die nötige Wucht produzierte Brendon O'Brien mit seinem "To-get-in"-Verfahren, für das er auch von Pearl Jam oder Bruce Springsteen geschätzt wird. "Victorious" klingt darum so direkt und unkaschiert. Die Drums schallen schärfer und wuchtiger, gerade im Titeltrack mit wunderbar stumpfem Riff. "Baroness" verlangsamt in einem harrenden Chorus, in dem Stockdale die Freiherrin anhimmelt, die ihm in einem nächtlichem Techtelmechtel doch bitte die Freiheit schenken soll. "Happe face" schmückt eine sprenkelnde E-Orgel und "Best of a bad situation" ist Slade-Kitsch in Falsett. "Victorious" kann als Wolfmothers Liebesalbum verstanden werden. Bevor man sich jedoch näher mit diesem Gedanken befasst, blökt Stockdale seine typischen, affigen Texte: "I see the gypsy caravan arrive / I wonder where it's gonna go" und "See the magic shining in your eyes / And that you're looking for tonight."

"Pretty peggy" albert weiter mit einem Refrain, der von einem "Oh-Oh"-Chor geschleppt wird. Für einen kurzen Moment scheint der Wolf genervt, domestiziert, gerade wenn Stockdale die Melodie pfeift. Es gibt einfach keinen guten Song, in dem gepfiffen wird. Weil sich Musiker damit selbst karikieren. "Gypsy caravan" und "Simple life" vertrösten dann wieder mit dem unbekümmerten, harten Geradeaus-Rock der Verwilderung. Dem Debüt am nächsten steht "Eye of the beholder", wegen der mystischen Unverständlichkeit und dank eines prächtigen Black-Sabbath-Haudraufs in der zweiten Hälfte. Wolfmother mag man nicht wegen ihrer lyrischen Poesie oder ausgefallenen Songstrukturen. Man mag sie wegen dieser einen Retro-Idee im Sound, als ehrenhafte Traditionshalter. Dabei imponiert ihr vertrauter, unglaublich unterhaltsamer Sound. "Victorious" stiehlt dem Vorgänger eindeutig den Kopfschmuck.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Baroness
  • Eye of the beholder

Tracklist

  1. The love that you give
  2. Victorious
  3. Baroness
  4. Pretty Peggy
  5. City lights
  6. The simple life
  7. Best of a bad situation
  8. Gypsy caravan
  9. Happy face
  10. Eye of the beholder

Gesamtspielzeit: 35:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Anne
2016-02-25 01:08:59 Uhr
Was bedeutet "get in Verfahren"?

Mister X

Postings: 2223

Registriert seit 30.10.2013

2016-02-24 23:01:32 Uhr
far away ! ( ja. nicht woman) war fuer mich einer der ganz großen songs der 00er. danach ist die band iwie aus dem radar verschwunden. die letzte scheibe die ganz ohne promo und co erschien hab ich dann auch schon gar nicht mehr gehoert
Rusty Busty
2016-02-24 21:46:23 Uhr
Was steht da in der Rezension?!? Es gebe keinen guten Song, in dem gepfiffen wird. Wenn das Monty Python hören :)

embele

Postings: 357

Registriert seit 14.06.2013

2016-02-20 09:27:20 Uhr
Also vorab:
ich habe bei "Victorious" keine großartige Innovation erwartet, eigentlich bin ich ohne irgendeine Erwartungshaltung an das Album herangegangen.
Ich habe mir seinerzeit "Cosmic Egg" gekauft und es auch für ziemlich gut befunden. Auch das Debut fand darüber hinaus dann irgendwann den Weg in meine CD Sammlung.
Beide Alben sind sehr gut, erfanden aber das Rad bei weitem nicht neu und waren auch keine Offenbarung für mich. Sie rocken gut und "Cosmic Egg" schielte das ein aufs andere Mal gerne zu den Hippies herüber, was mir auch sehr gut gefiel.
"New Crown" kenne ich gar nicht daher kann ich natürlich auch nichts dazu sagen...nun "Victorious"
Dieses Album ist von der Spieldauer und der Songanlage eher ein klassisches Rockalbum, mit jeweils fünf Songs pro Seite. Auch hier ist, wie bei dem Zweitlingswerk, ein kleiner hippie-esker Ausflug zwischengeschoben, was dem Fluß des Albums gut tut und es ein bisschen auflockert. Die rockigen Songs sind pointiert und haben für meine Begriffe genau den richtigen Drive !
Auch hier kann Stockdale nicht darüber hinwegtäuschen, das im Rock'nRoll so ziemlich alles schon gesagt ist, aber er verfügt über das Talent, diese Sprache wie seine Muttersprache zu beherrschen und kommt damit definitiv in die Nähe der Poolposition.
Mir gefällt das Album. Eine Wertung gebe ich aber erst ab, wenn ich es noch öfter gehört habe.
tjo...jooo
2016-02-15 18:39:33 Uhr
Und wir wissen immer noch nicht, was es mit dem "To-get-in"-Verfahren auf sich hat.
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