Kids Of Adelaide - Black hat and feather

Kids Of Adelaide- Black hat and feather

Green Elephant / Soulfood
VÖ: 22.01.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Alter Hut

Aus Stuttgart kommen auch manchmal gute Nachrichten: Das Sorgenkind VfB hat sich zu Beginn der Rückrunde 2015/2016 endgültig gefangen, zeitgleich erlebt die Musikszene dank der umtriebigen Künstler am Nordbahnhof eine Renaissance sondersgleichen. Und auch die Bands, die nun nicht offensiv von Feuilletons beweihräuchert werden, hängen ihre Gitarre nicht aus Verzweiflung an den Nagel. Kids Of Adelaide zum Beispiel. Das Duo ist nun nicht die Band, die man automatisch mit der jüngsten Revolution der Indieszene verbindet. Ihr neuestes Werk "Black hat and feather" ist alles andere als experimentierfreudige Avantgardkunst. Es ist Straßenfolk, konstant, unaufgeregt, mit vielen "Uh"s und "Ah"s, mit Gitarren und Mundharmonika.

Freilich kann auch ein alter Hut bezaubern. Benjamin Nolle und Severin Specht machen keinen Hehl daraus, dass sich ihre Band weiterhin genau in der Mitte der doch etwas ausgelatschten Straße des Folkpops bewegt. Von Vorteil: Ihre Songs ziehen schnell in ihren Bann. Von Nachteil: Am Ende bleibt leider nicht viel hängen. Die Lieder erzählen wie immer von Liebe, Missverständnissen, Selbstfindung und Träumereien, die Gitarren spielen die altbekannten Akkorde und der Takt schunkelt vor sich hin.

Tatsächlich zieht der Opener und gleichzeitig die erste Singleauskopplung "Jinx" ohne Umwege ins Album. Klavierklimpern, Gitarre, "Give me what I never had / Before my love is dead" und "Uhuhu"-Vokalsingsang. Erinnerungen an die Bowerbirds werden wach, von Tiergeschichten aus dem Wald, von "In our talons". Die Kids von damals, die mit ihrem dritten Album bereits Endzwanziger sind, träumen eben immer noch von Adelaide und berufen sich auf ihre Anfänge als Straßenmusiker. Auch bei "Heart in your glass" geht das Konzept noch auf. Mit einem unkomplizierten, zielstrebigen Refrain fordert der Song zum Tanz auf. Gelingt, aber erschöpft sich auch mit der Zeit. Ein ähnlich kurzes Verfallsdatum tragen die ruhigeren Songs mit sich herum: Beim ersten Hördurchgang überzeugt fast jeder einzelne. Doch das Interesse nimmt in gleichem Maße ab, wie die Platte vor sich hin rotiert.

"Sweet blithe" drosselt das Tempo und tut sich schwer, anschließend wieder in die Gänge zu kommen. Zweifellos sind auch die Balladen und langsameren Popsongs alles andere als überflüssig. Aber dennoch bleibt nach dem dritten Hören der fade Beigeschmack eines Albums, das besser nachgewirkt hätte, wenn es hin und wieder aus dem Schema F ausgebrochen wäre. So wie der Schlussakt: In "While a man loves a woman" gibt es diese eine Stelle, die sich genau das traut. Der längste Song des Albums baut sich mehrmals neu auf. Und auch, wenn der Titel bis zum bitteren Ende wiederholt wird, feiert "Black hat and feather" damit seine Auferstehung. Die kommt nur leider etwas spät.

(Bastian Sünkel)

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Highlights

  • Jinx
  • Heart in your glass
  • While a man loves a woman

Tracklist

  1. Jinx
  2. Heart in your glass
  3. Sweet blithe
  4. Tried & trusted
  5. Black hat
  6. White in black
  7. Yearning
  8. You ain't going nowhere
  9. One more dance
  10. In a song
  11. While a man loves a woman

Gesamtspielzeit: 43:36 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-02-10 22:24:10 Uhr
Frisch rezensiert!

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