Azad - Leben 2

Azad- Leben 2

Bozz / Groove Attack
VÖ: 15.01.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Hin zur Sonne

Die Finsternis hält Azad nicht, auch wenn sie ihn nicht loslässt. Er ist seine eigene Sonne, und 15 Jahre nachdem er mit "Leben" einen Klassiker der deutschen Rapgeschichte geschrieben hat, geht er wieder in der Untergrund, geht er wieder in den bewaffneten Kampf gegen den Rap der anderen, gegen die Mittelmäßigkeit der Scheinriesen, gegen die Krisen im eigenen Kopf, gegen das Weltgeschehen.

Auf dem Cover von "Leben 2" schläft ein Kind in der Mitte schwarzer Schlagen. Die Gefahr scheint es nicht aus der Ruhe zu bringen, vielmehr gewinnt das junge Geschöpf seine Ruhe aus ihr, als Vertreter des Rappers höchstselbst schöpft es Kraft. "Dieses Album ist das Größte, was ich je gemacht hab'" beginnt Azad das Intro. Azad droht dem Gottkomplex zu verfallen, doch erklärt dann: "nach meinem Kind" – immerhin. Das kennt man, er nannte sich schon mal den "Goethe der Straße". Es folgen zwei der Tracks von Azads eigenem, ganz und gar flächendeckenden "Zerfickungsprogramm" mit kalten Raps und Napalmbeats. Die Cuts in "T-Rex" erscheinen schon wie auf "Leben" aus dem Jahre 2000 im New-York-Style. So zitieren die Beats von "Rap" Nas’ "If I ruled the world" und den goldenen New-York-HipHop der Neunzigerjahre, der das Genre einst neu erfand. In diese Ära möchte er sich einreihen, da sieht er sich selbst. In den ersten sieben Tracks fordert Azad seinen Platz ein. Jeder dieser Tracks ist voller Irrsinn, jeden Schmock will er im "Beatrausch" brennen lassen.

Doch dann Risse, Melancholie, Klagelieder – so leitet Hälfte Zwo von "Leben 2" ein. Azad präsentiert sich als jemand, der nichts verstecken möchte sich nicht schämen mag, der nicht mehr unter Sturmhauben auftreten mag, der die Welt sieht, der Kobanê sieht und darüber verzweifelt ist. Jemand der, wie er in "Nicht wie Ihr" sagt, darauf hofft, dass "alle erkennen, nicht, dass ich der beste Rapper bin / Sondern ein anderer Mensch". Ein Mann, der von der Frankfurter Nordweststadt mehr gelernt hat als Härte, als die harte Pose. Allen anderen verweigert er den Respekt und versucht dabei "den Blick zu wahren für das Gute." Anders als noch zu Zeiten von "Leben" und "Der Boss" verzichtet Azad auf seiner neuen Platte außerdem auf sexistische Äußerungen und erklärt weiter: "Ich hab' vor Frauen Respekt und schreib' nicht sexistische Texte / Sohn einer Frauenrechtlerin, erzogen mit diesem Denken / Bin nicht wie Ihr."

Jäh unterbrochen wird diese Song-Reihe von "Kaiserrap", Azad ist wieder für "Peace, aber ready for war." Dieser Track und der nächste, "Manifest", sind es, die am meisten an "Leben" erinnern, doch sind sie – wie das gesamte Album – völlig unabhängig davon. Das hier ist keine Fortsetzung. Ähnlichkeiten gibt es sicher. Minimalistische Beats, die Mischung aus Offensive und Selbstverteidigung, diese Schläge aus der Tiefe, die Dramatik, diese Betonpoesie. Azad schafft mit Ansage sein vielleicht bestes Album.

(Philipp Sommer)

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Highlights

  • T-Rex
  • Rap
  • Nicht wie Ihr
  • Kaiserrap

Tracklist

  1. Intro
  2. Dreh ab
  3. T-Rex
  4. Brenn
  5. Rap
  6. 187
  7. Werte
  8. Blind
  9. Narben & Tränen
  10. Phoenix II
  11. Veritas (Skit)
  12. Nicht wie Ihr
  13. Kaiserrap
  14. Manifest
  15. Weltbild
  16. Who the Bozz?

Gesamtspielzeit: 48:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Profi
2016-02-20 21:09:59 Uhr
Dass Azad mit seinem Heliotropismus (hochintelligente Rezi) 7, jawohl sieben! Punkte kricht, während Audio88 mit seinem Soloalbum nur 6, jawohl sechs! Punkte haben darf, dann ist die Frage nach dem letzten Idioten endgültig geklärt.

edegeiler

Postings: 1519

Registriert seit 02.04.2014

2016-02-11 23:23:54 Uhr
Braucht kein Mensch.
Putin (mit freiem Oberkörper)
2016-02-10 20:36:46 Uhr
Baschar macht jetzt auch Musik? Is ja doll!
Leeel
2016-02-10 19:57:41 Uhr
Wer braucht den eigentlih noch?

MAXIMAN

Postings: 195

Registriert seit 24.11.2013

2016-02-05 10:57:29 Uhr
Whack
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