Robbie Williams - Escapology

Robbie Williams- Escapology

Chrysalis / EMI
VÖ: 18.11.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

The great escape

Warum eigentlich? Warum besitzt ausgerechnet der Lausbub, den sie bei Take That immer als Sorgenkind mit durchfüttern mußten, heute das Patent auf den schmissigen Titel des größten lebendigen Popstars? Weil er Spitzensongs schreibt? Nö. Oder singt wie ein junger Pavarotti? Vielleicht im nächsten Leben. Robbie Williams hat andere Stärken: Den Griesgram, der seinem "Nackte Kanone"-Charme nicht erliegt, möchte man zum Beispiel mal gezeigt bekommen. Oder vielleicht doch besser nicht. Und für seine unerwartet stilvolle Sinatra-Verbeugung letztes Jahr zu Weihnachten sollte man ihm sowieso die lebenslange Ehrenmitgliedschaft in sämtlichen Swinger-Clubs der Welt zusprechen. Er ist eben der Größte, unser Robbie. Ganz einfach.

Nicht ganz so einfach verhält es sich mit der anderen Seite von Robbie Williams. Jener Seite, die auch schon mal sternhagelvoll unter dem Tresen einer verdreckten Spelunke endet. Die neben ihrer Schwäche für ein kühles Blondes auch zu hübschen Blondchen selten nein sagt. Und die sich mit ihrem Muhammad Ali-Großmaul irgendwann noch um Kopf und Kragen reden wird. Daß Robbie sich für seine spitze Zunge noch kein Jacko-Näschen eingefangen hat, dürfte er jedenfalls einzig und allein der Apathie seiner beiden Todfeinde aus Manchester verdanken.

So kann er eben auch sein, unser Robbie. Nun, pünktlich zum Fest und zur Veröffentlichung seines fünften Solo-Albums "Escapology" tritt aber endlich wieder der Super-Rob aus Absatz eins auf den Plan. Und der weiß ganz genau, was die Leute von ihm wollen. Mit lässigem Hüftschwung croont er sich durch die brave erste Single "Feel" und serviert mit dem oberamtlich krachenden "Song 3" eine mehr als würdige Fortsetzung zu "Let me entertain you". Wenn sich dann auch noch der "Handsome man" nach plattem Beginn zu einem famosen Kick Ass-Refrain hinreißen läßt und Robbie kräftig zwinkert, scheint die Sache bereits in trockenen Tüchern. "I'm still the boy next door / That's if you're Lord Lichfield and Roger Moore".

Leider schaffen Robbie und sein Edeljoker Guy Chambers es nicht, den Schlendrian in Mr. Williams auf volle Distanz auszusperren. "Handsome man" ist beileibe nicht der einzige Song, der sich von einem mitreißenden Refrain ans rettende Ufer spülen lassen muß. Wer bei Lahmärschen wie "Sexed up" oder der überlangen "Revolution" auf den Titel vertraut, befindet sich jedenfalls auf einem morschen Holzweg. Daran ändert auch nichts, daß Meister Chambers seinem Boß ein paar gut geölte Bläser- und Streicherarrangements auf den Leib gepinselt hat. Die Paillette mit der Aufschrift "großes Entertainment" baumelt bisweilen an einem bedrohlich dünnen seidenen Faden.

Trotzdem ist "Escapology" zeitweise spannend. Nämlich erstaunlicherweise dann, wenn Robbie sich zu musikalischen Abenteuern hinreißen läßt. Man hätte wirklich gut damit leben können, öfter ein verrücktes Experiment wie das siebenminütige "Me and my monkey" samt Fast-schon-Rap und Tequila-Bläsern aufgetischt zu bekommen. Schade auch, daß ein LoFi-Frechdachs wie das herrliche "How peculiar" sich als Einzelkind durch die Welt schlagen muß. All das ändert natürlich nichts daran, dass Robbie am Mikro noch immer unschlagbar ist. "Where has Gary Barlow gone / And why is Christmas day so long?" singt er im Hidden Track und grinst mit Millionen Zuhörern um die Wette. Und die sind sich natürlich einig: Auch "Escapology" ist wieder eine gute Pop-Platte. Man hatte sich diesmal nur fast getraut, ein kleines bißchen mehr zu erwarten.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • How peculiar
  • Me and my monkey
  • Song 3

Tracklist

  1. How peculiar
  2. Feel
  3. Something beautiful
  4. Monsoon
  5. Sexed up
  6. Love somebody
  7. Revolution
  8. Handsome man
  9. Come undone
  10. Me and my monkey
  11. Song 3
  12. Hot fudge
  13. Cursed
  14. Nan's song

Gesamtspielzeit: 73:55 min.

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