Panic! At The Disco - Death of a bachelor

Panic! At The Disco- Death of a bachelor

Atlantic / Warner
VÖ: 15.01.2016

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Stomp when you're winning

Ist sicher auch kein leichter Job in der Marketingabteilung einer großen Plattenfirma zu sitzen. Tag für Tag muss man sich überdurchschnittlich interessante Geschichten zu unterdurchschnittlich interessanten Alben aus den Fingern saugen und der potenziellen Käuferschaft glaubhaft verargumentieren, warum das letzte Album jedes unter Vertag stehenden Künstlers auch gleichzeitig immer sein bestes ist. Besonders heikel wird das Ganze im Falle von Bands wie Panic! At The Disco, die sich mindestens seit ihrem letzten Album "Too weird to live, too rare to die!" auf einem kreativen Sinkflug befinden, der seinesgleichen sucht. Die hieraus abgeleitete Kommunikationsstrategie für LP Nummer fünf lautete nun sinngemäß zusammengefasst: Das momentan einzige Mitglied der Band, Brendon Urie, schmeißt den Laden diesmal alleine und hat sich für seine am Piano komponierten Lieder besonders von Frank Sinatra inspirieren lassen. Soso. Gegen einen Alleingang von Urie sprechen allerdings die Songwriter-Credits.

Nimmt man nur die ersten drei Lieder von "Death of a bachelor", lesen sich diese wie folgt: Alexander DeLeon, Rivers Cuomo, Morgan Kibby, Jake Sinclair, Mike Viola, CJ Baran, Teal Douville, Kate Pierson, Cindy Wilson, Keith Strickland, Ricky Wilson, Fred Schneider, Amir Salem, Jerker Hansson, Carl Lehman, Aron Wright, Imad-Roy El-Amie und Robert Lamm. Noch mal, es geht hier um die ersten drei Songs! Das klingt eher nach heiterem Gemeinschaftspuzzle als nach dem Output eines einsamen Wolfes. Und dass diese mit eimerweise Synthie-Zuckerguss verklebten Möchtegern-Hymnen ihren Ursprung am Klavier fanden, ist ebenso schwer vorstellbar wie die Angabe, dass Frank Sinatra hier als Hauptinspirations-Quelle herangezogen wurde. Schließlich steckt in "Death of a bachelor" genauso viel musikalische Sinatra-DNA wie im neuen Album von Pur. Oder im neuen Album der Techno-Schlümpfe. Oder, oder, oder.

Es gleicht wirklich einem Trauerspiel mit anhören zu müssen, wie eine Band, die einst Beatles-esque schimmernde Indie-Perlen wie "Nine in the afternoon" oder "Northern downpour" über den Äther schickte, nun Gefallen an Abzählreim-Stampfern wie "Victorious" oder dem auf Hit getrimmten "Hallelujah" mit seinen unsäglichen Konserventrompeten gefunden zu haben scheint. Mit "Emperor's new clothes" oder "LA Devotee" hat das Album auch Songs zu bieten, die genauso gut auf "American beauty / American psycho" von Fall Out Boy ihren Platz gefunden hätten. Generell überkommt den Hörer das Gefühl, hier wird danach musiziert, wozu hippe Teenies in der Dorfdisco die Fäuse in die Luft recken können. Nachdem der Titeltrack, in dem Urie wenigstens mal wieder unter Beweis stellt, dass er singen kann, mit seinem spannenden Aufbau einen ersten Lichtblick darstellt, geht die substanzlose Kirmesgrütze danach ohne Umschweife in die nächste Runde und lässt dabei einige Fragen offen. Hieß "Golden days" nicht eben noch "Don't threaten me with good times" oder sind das tatsächlich zwei verschiedene Lieder? Sind das noch die "Wohohos" von "The good, the bad and the dirty" oder schon die aus dem folgenden "House of memories"? Und wann kommt endlich das Pitbull-Feature, das hier quasi in jeden Song passen würde?

Neidlos muss man allerdings anerkennen, dass zumindest der Erfolg Urie in seiner momentanen Marschrichtung bestätigt. Die bisher ausgekoppelten Singles waren allesamt erfolgreich und in den USA steht man kurz davor, mit dem hier besprochenen Werk die erste Nummer-1-Platzierung in der Bandhistorie zu verbuchen. So wird der Ritt auf der Trendwelle für den alleinigen Projektleiter, der bereits in mehreren Interviews zukünftige Kollaborationen mit den früheren Bandmitgliedern ausgeschlossen hat, sicher noch ein Weilchen andauern. Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass sich der momentane Sound von Panic! At The Disco im Nachhinein doch nur als Phase herausstellen wird. Schließlich hat man sich auch in der Vergangenheit durchaus wandlungsfähig gezeigt. Der Belanglose-Alben-Hattrick ist schließlich nicht zwangsläufig nötig, sonst muss sich die Marketingabteilung am Ende nur wieder hanebüchene Verkaufsgeschichten ausdenken. Und Frankie Boy könnte endlich die Grabrotation einstellen.

(Marco Cianci)

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Highlights

  • Death of a bachelor

Tracklist

  1. Victorious
  2. Don't threaten me with good times
  3. Hallelujah
  4. Emporor's new clothes
  5. Death of a bachelor
  6. Crazy=Genius
  7. LA devotee
  8. Golden days
  9. The good, the bad and the dirty
  10. House of memories
  11. Impossible year

Gesamtspielzeit: 36:09 min.

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Affengitarre

Postings: 4159

Registriert seit 23.07.2014

2018-04-09 10:55:09 Uhr
Also "Emperor's New Clothes" mag ich gerade sehr. Auch nette Idee mit der foranschreitenden Geschichte in den Musikvideos.

Hollowman

Postings: 146

Registriert seit 14.06.2013

2016-02-06 10:13:06 Uhr
Nachdem ich diese Woche nach längerer Zeit mal wieder das großartige "A fever you can't sweat out" gehört hatte, dachte ich mir, versuche ich's doch mal mit dem neuen Werk. Musste aber nach dem ersten Song abbrechen...sind die grausam schlecht geworden!
ZSSnake
2016-01-30 14:29:14 Uhr
Bisher konnte ich mit jedem der Alben von Panic! at the Disco was anfangen. Wobei mir das hier als erstes seit Pretty/Odd wieder richtig gut gefiel. Die dazwischen waren auch nicht schlecht, aber eben nicht mehr auf einem Level mit den ersten beiden. Das hier gefällt mir jetzt wieder ausnehmend gut, jeder einzelne Song geht ins Ohr und ich höre das Album seit dem Release in Dauerschleife und summe den ganzen Tag Melodien oder Refrains aus dem Album vor mich hin.

Ob das dann dem kreativen Vollorgasmus namens "A Fever you cant sweat out" das Wasser reichen kann? Vielleicht nicht...aber damals ging es mir genauso und ich bekam das Album nicht aus dem Kopf. Und heute ist es wieder so. Und dafür höre ich Panic! at the Disco doch - ein spaßiger, tanzbarer Fundus aus Ohrwurmtracks. Ich will dem Rezensenten nichts Böses unterstellen und konstruktive Kritik ist ja immer gut - aber vielleicht sollte man sich einfach mal auf die Prämisse eines Albums einlassen und Richtungswechsel auch mal weniger harsch verurteilen. Mir ist es letztlich egal wie jemand anderem die Scheibe gefällt, denn auch das letzte von Fall Out Boy gefiel mir echt gut.

Allerdings höre ich seit jeher Musik um mich in meinen Stimmungen und Launen zu unterstützen - und Fall Out Boy und Panic! machen mir einfach gute Laune - eben genau wegen der ohrwurmigen Tanzbarkeit die ich ansprach. Aber wenn Massentauglichkeit und eingängige Melodien ne 2/10 verdienen, dann sollte man vielleicht ne Scheibe mehr als einmal hören bevor man sie be- oder verurteilt...weil schlecht klingt anders.

qwertz

Postings: 401

Registriert seit 15.05.2013

2016-01-27 23:06:57 Uhr
Was mich wundert:

Death of a Bachelor debuted at number one on the US Billboard 200, with 190,000 album units, earning the band its best sales week and first number one album.

Woher kommt die plötzliche Aufmerksamkeit und anscheinende Begeisterung für die Band in den USA?

Kacke

Postings: 714

Registriert seit 13.06.2013

2016-01-27 22:16:24 Uhr
Das neue Zeug interessiert mich nicht mehr.
Höre mittlerweile hauptsächliche Tech House, außer ein paar überragenden Sachen wie zum Beispiel Tame Impala, Django Django letztes Jahr.

Aber unvergessen sind de ersten beiden Alben (vor allem das Erste). Songs wie "The Only Difference Between Martyrdom and Suicide is Press Coverage" oder "Time to Dance" fand ich damals toll. War so ziemlich das beste der damaligen "Emo"-Welle. Aber wie gesagt, heutzutage höre ich das nicht mehr.
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