David Gray - A new day at midnight

David Gray- A new day at midnight

IHT / Eastwest
VÖ: 28.10.2002

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nachtschattengewäsch

Die Platte danach ist immer die Schwerste. Ein engagierter Künstler hat gerade nach dem x-ten Anlauf einen Hit gelandet, dabei auch noch die Kritiker begeistert und nun schaut die ganze Welt auf ihn, während er den Nachfolger einspielt. Daran sind schon große Namen wie Oasis, Embrace, die Wallflowers oder Air gescheitert und so - das sei gleich vorweg gesagt - reiht sich David Gray in eine recht illustre Runde ein. Denn "A new day at midnight", das fünfte reguläre Album des Briten, erreicht die Klasse von "White ladder" nicht einmal ansatzweise.

Während sich dort nämlich radiotaugliche Ohrwürmer und herzzerreißende Balladen aneinanderreihten, hat es Gray diesmal nur auf Durchschnittsware im Dutzend gebracht. Wenn er sich zwischen Melancholie und Hoffnung windet, gelingen ihm zwar immer wieder ein paar nette Ansätze. Die aber werden unentwegt von einem gnadenlosen Drumcomputer der billigsten Sorte überrollt wie ein Gänseblümchen von einem Schützenpanzer im Morgengrauen. An allen Ecken und Enden zirpt und pluckert es, und spätestens nach der Hälfte der Platte geht einem dies nur noch furchtbar auf den Senkel. Aber selbst wenn man von dem unentwegten Geschepper absieht, können es die meisten Komposition nicht mit denen des Vorgängers aufnehmen. Gray kommt zu häufig nicht aus dem Quark und beginnt stattdessen, eigene Ideen zu recyceln.

In den seltenen guten Momenten kommen Poesie und Pathos verschüchtert wieder zum Vorschein. Man kann sich durchaus vorstellen, Worte wie "The rainy shiny night or day / What's the difference anyway / Baby, till your heart belongs to me" seiner Angebeteten bei Mondenschein auf den Anrufbeantworter zu sprechen. Allerdings besteht die Gefahr, dies am nächsten Morgen ebenso zu bereuen, wie man den Kauf von "A new day at midnight" bereuen kann, wenn es wieder anfängt, im Karton zu rappeln. Wie gerne würde man sich auf Zeilen wie "Sing me the truth sweet bird of youth" einlassen und sich einfach in die Lieder fallen lassen, aber Gray scheint dies seinen Zuhörern nicht zu gönnen. So scheitert "A new day at midnight" wie der Versuch, autogenes Training auf einem Fließband in der Autofabrik abzuhalten. Für viele Musiker stellt sich irgendwann die Frage, ob sie Singer/Songwriter oder Popmusiker sein wollen - David Gray läuft gerade Gefahr, den falschen Weg zu gehen.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Be mine
  • The other side

Tracklist

  1. Dead in the water
  2. Caroline
  3. Long distance call
  4. Freedom
  5. Kangaroo
  6. Last boat to America
  7. Real love
  8. Knowhere
  9. December
  10. Be mine
  11. Easy way to cry
  12. The other side

Gesamtspielzeit: 50:31 min.

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