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Bloc Party - Hymns

Bloc Party- Hymns

Infectious / BMG / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 29.01.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Formen und Farben

Vorbehaltlos ein Album dieser einstigen Helden rezensieren? Vergesst es. Zu groß und mächtig sind die Erinnerungen, die man mit Bloc Party verbindet. Mit ihrem Debüt "Silent alarm" und dem meisterhaften Nachfolger "A weekend in the city" schufen Kele Okereke und seine Mitstreiter zwei Platten, die in Sound und Stil prägend für die 2000er waren. Bloc Party haben die Latte sehr früh sehr hoch gelegt und selbst in neuer Besetzung, mit frischen Kräften und neuen Einflüssen also, scheint das Vergangene in unerreichbare Ferne gerückt. Zweifelsohne werden die neuen Singles mit den alten verglichen und da kann sich dann durchaus einmal Ernüchterung breitmachen. Statt flirrendem Post-Punk und zarter Melancholie gibt es nun wahlweise Kirmes-Techno, zu hören auf der ersten Single "The love within", oder Westerngitarren, die betrunken durch "The good news" taumeln wie Steppenläufer durch die verlassene Prärie. Klingt fast ein wenig gruselig.

"Hymns" ist, und das kann man wohl gewiss so in den Raum werfen, kein schlechtes Album, aber sicherlich das schwächste einer Band, die merklich auf der Suche nach einem neuen Sound ist. Waren die ersten drei Alben in Klang und Lyrik noch homogen und stimmig, bröckelte bereits auf dem noch gelungenen "Four" die Fassade. "Hymns" hingegen wirkt in seiner Stilvielfalt oftmals beliebig und orientierungslos, lediglich Keles Stimme hält die Stücke irgendwie zusammen und bildet das Fundament der elf neuen Songs. Doch freilich birgt eine solche Phase der Neuausrichtung und Feinjustierung auch neue Möglichkeiten. Blendet man die nicht sehr gelungenen Vorab-Singles aus, so bleiben doch auch variantenreiche Tracks, die in ihrer Differenziertheit zwar oft eher einen Mixtape-Charakter heraufbeschwören, dennoch aber aufzeigen, in welche Richtungen sich die Band nach dem Abgang von Bassist Gordon Moakes und Drummer Matt Tong entwickeln könnte.

Bloc Partys neue Hymnen sind in Form und Farbe also recht unterschiedlich, viele funktionieren für sich genommen aber doch ganz gut. "Fortress" zum Beispiel ist sehnsuchtsvoller, intimer Soul-Pop, der in seiner Wärme und Luftigkeit auch einem ausgewiesenen Experten wie Jamie Woon gut zu Gesicht gestanden hätte. "Different drugs" stellt dank nervöser Rhythmusspielereien und düsterer Keyboardflächen im Hintergrund der Konterpart dar, der sich gegen Ende aufbäumt und im beinahe bedrohlichen Synthie-Nebel beschwipst nach Hause torkelt. Und "Into the Earth" drängt sich mit seinen virilen Stop-and-Go-Gitarren als wohl offensichtlichster Ohrwurm der neuen Bloc Party auf. Hier verschmelzen die vier Musiker Melancholie und Hochgefühl gekonnt zu einem hochmelodiösen Vierminüter.

Immer wieder fällt auf "Hymns" die starke Präsenz der Synthies auf, die den Songs möglicherweise ein wenig die Luft zum Atmen nimmt, sie ein wenig schwerfälliger, unbeweglicher macht. Waren die meisten Stücke auf "Silent alarm" noch asketische Athleten, gerät das Gros der "Hymns"-Nummern leichter aus der Puste, die Zigaretten, die Drinks, Ihr wisst schon. Auf dem Dancefloor dürften sie dennoch eine gute Figur machen: "Only he can heal me" trippelt sich beispielsweise in stille Ekstase und das dynamische "So real" wäre als Single sicherlich die bessere Wahl gewesen, da es den Sound der neuen Platte eher repräsentiert als "The love within", das ohne die irritierenden Techno-Einschübe vielleicht wirklich einen tollen Opener abgegeben hätte. Hätte, hätte, Holzpalette: Bloc Party scheinen in erster Linie nach neuen Ausdrucksmitteln zu suchen. Wie lange man sie als Hörer dabei noch begleiten möchte, ist mehr als nur eine Frage der Geduld.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Only he can heal me
  • So real
  • Fortress

Tracklist

  1. The love within
  2. Only he can heal me
  3. So real
  4. The good news
  5. Fortress
  6. Different drugs
  7. Into the Earth
  8. My true name
  9. Virtue
  10. Exes
  11. Living lux

Gesamtspielzeit: 49:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 7633

Registriert seit 26.02.2016

2021-08-08 13:44:50 Uhr
Kennt jemand das Solozeug von Kele? Das geht doch auch in so eine ruhigere, elektronische Richtung, oder?

Die ersten beiden sind die besten, sind auch mehr die clubbigere Richtung. "Fatherland" war akustisch, fand ich lahm und "2042" richtig öde.

jo

Postings: 3323

Registriert seit 13.06.2013

2021-08-08 13:16:49 Uhr
Klar ihr schwächstes und ja vorerst scheinbar auch das letzte. Ist vielleicht auch besser so, kann mir aktuell nicht vorstellen, dass da nochmal was (Spannendes) kommt.

Sollte doch eigentlich 2020 schon was Neues kommen. Angeblich wegen der Pandemie verschoben. Insofern denke ich erst mal nicht, dass es das letzte Album war.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 9412

Registriert seit 23.07.2014

2021-08-08 13:09:07 Uhr
Würde mich jedenfalls freuen, wenn du die Threads wieder belebst. Sind ja inzwischen 7 Alben, die der Kerl veröffentlicht hat.

Croefield

Postings: 1625

Registriert seit 13.01.2014

2021-08-08 13:07:05 Uhr
Ja, ich hab das damals schon gehört, aber die Qualität lässt sicherlich streiten. Ich kann mal dazu was in die entsprechenden Threads schreiben, aber grundsätzlich würde ich sagen: Licht und Schatten. Manchmal klingen die Sachen richtig gut, manchmal richtig billig... Aber mir gefällt das grundsätzlich, wobei die letzten 2 Solo-Alben habe ich jetzt auch nicht mehr so verfolgt...

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 9412

Registriert seit 23.07.2014

2021-08-08 12:59:43 Uhr
Und qualitativ? Wie findest du die so? Hast du da Empfehlungen?
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