Shearwater - Jet plane and oxbow

Shearwater- Jet plane and oxbow

Sub Pop / Cargo
VÖ: 22.01.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Summe der Teile

Eine über die Jahre flexibles Kollektiv aus tollen Musikern wie Shearwater zu großen Anteilen auf ihren Sänger zu reduzieren, ist sicher nicht immer fair – aber logisch. Der zugleich herzerwärmende und doch intensive Sound Shearwaters ist sicher auch die Summe aller Teile, und doch atmen sie quasi durch ihren Kreativkopf, den amerikanischen Autor und Musiker Jonathan Meiburg, der die Band einst mit Okkervil-River-Kollege Will Sheff als Nebenprojekt gründete. Seine Leidenschaft zur Initiative, seine Hingabe für jede sich eröffnende Inspirationsquelle, sei sie noch so abwegig, bringt immer wieder außergewöhnliche Ideen hervor wie das Kollabo-Projekt "Fellow travellers". Müßig zu erwähnen, dass Tausendsassa Meiburg zu jener Zeit bereits an Songideen für das neue Studiowerk werkelte.

Nach gut zwei Jahren intensiver Arbeit ist es soweit, und – so viel sei vorweg genommen –, "Jet plane and oxbow" ist nicht nur eine weitere, sondern eine weitere bemerkenswerte Shearwater-Platte geworden. Fans freuen sich über vertraut Melancholisches wie "Only child" oder die euphorische Hymne "Pale kings". Die beiden Songs stehen im gold eingefärbten Abendrot eines Tages, der zunächst auch ungewöhnliches Wetter zu bieten hatte. Denn zuvor hört man "Jet plane and oxbow", dem zweiten Shearwater-Release auf Sub Pop, durchaus Neuerungen an: "Prime" überrascht zum Auftakt mit prominenten Synthies und kühler 80s-Atmosphäre, die die vorzügliche Single "Quiet Americans" im Anschluss gerne aufnimmt und mit einem pulsierenden Beat und großem Refrain verfeinert. Mit subtil verpackter Kritik an Zustand und zerbeultem Selbstverständnis der amerikanischen Gesellschaft, gibt das Stück die Richtung dieser auch textlich starken Platte vor.

Den druckvollen Ansatz, wie er sich in vom Basslauf angepeitschten "Filaments" und dem intensiven, auch an frühe Arcade Fire erinnernden "A long time away" offenbart, verdankt das Album der Zusammenarbeit Meiburgs mit Brian Reitzell: Der Percussionist komponierte unter anderem Sequenzen der Filmmusik für die Streifen "The virgin suicides" und "Lost in translation" und ist bekannt für außergewöhnliche Rhythmus-Rezepturen und Klangelemente. Sein Detailreichtum verleiht Meiburgs Kompositionen zusehends Leben, macht die Stücke auf diesem Album besonders organisch und lebendig.

"Jet plane and oxbow" ist nicht nur Shearwaters rhythmischstes, sondern wohl auch lautestes Album geworden. Ob es an den Monaten lag, die Meiburg im Jahr 2015 in der Wildnis Südafrikas verbrachte? Die entflammte Liebe zum Achtziger-Sound jedenfalls versucht sich in manchen Momenten auch an ruppigeren Vorbildern: "Radio silence" ist ein Kandidat, der zum Auftakt loswummert, als wäre Meiburg einem Wegweiser zu den Spuren Joy Divisions gefolgt. Welchen Zauber dagegen ein ruhiger Song entfachen kann, zeigen das zarte, luftige "Backchannels" und das von Pianoklängen getragene "Glass bones". Dieser stimmigen, äußerst homogenen Platte fehlen zunächst offensichtliche Hits wie "Animal life" vom tollen Vorgänger "Animal joy", doch sie wird nach und nach immer stärker, weil zunächst Unscheinbares hell zu strahlen beginnt. Wohl aber eine logische Konsequenz, wenn die Summe der Teile so groß ist wie bei Shearwater.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Quiet Americans
  • A long time away
  • Backchannels
  • Pale kings

Tracklist

  1. Prime
  2. Quiet Americans
  3. A long time away
  4. Backchannels
  5. Filaments
  6. Pale kings
  7. Only child
  8. Glass bones
  9. Wild life in America
  10. Radio silence
  11. Stray light at clouds hill

Gesamtspielzeit: 44:42 min.

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User Beitrag

Lichtgestalt

Postings: 4751

Registriert seit 02.07.2013

2016-09-04 07:04:31 Uhr
Shearwater covern das Album "Lodger" von David Bowie: {a href="https://www.youtube.com/watch?v=95NkKCT2jGI
" target="_blank"}Live: The A.V. Club

The MACHINA of God

Postings: 13048

Registriert seit 07.06.2013

2016-09-02 14:56:57 Uhr
Hatte ich wohl beim letzten mal vergessen. Jetzt aber wirklich.

Dielemma

Postings: 448

Registriert seit 15.06.2013

2016-02-01 22:31:12 Uhr
bei mir hat's auch noch nicht nachgelassen, tolles Album, Pitchfork Rezi trifft's auch ganz gut.
Schnibrö auf der Suche nach seinem Login
2016-01-31 18:49:50 Uhr
Ich hab mich ja inzwischen ziemlich in die Platte verliebt. Der erste Eindruck war schon gut, aber das Ding wächst und wächst bei mir immer noch weiter. Durchhänger kann ich auch nach vielen Durchläufen nicht ausmachen und Ermüdungserscheinungen ob der Eingängigkeit gibt's bisher auch nicht, vermutlich auch dank der detailverliebten Produktion. Da passt so ziemlich alles und ich finde fast bei jedem Durchlauf nen anderen Lieblingssong - für mich toppt sie inzwischen auch die "Animal Life".

Bisher meine Platte des Jahres.

qwertz

Postings: 393

Registriert seit 15.05.2013

2016-01-25 12:14:00 Uhr
Aufs erste Hören so unverschämt eingängig und großartig, dass es vermutlich zu Lasten der Halbwertszeit geht. Irgendwas muss da doch faul sein...
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