Tricky - Skilled mechanics

Tricky- Skilled mechanics

False Idols / Indigo
VÖ: 22.01.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Jugend verpflichtet

Public Enemy; XTC; Nirvana; Kylie Minogue; The Antlers; The Cure; Patti Smith; Depeche Mode. Nein, das sind nicht etwa die Referenzen in der Rezension zu einer Band, die Plattentests.de gerade frisch als eierlegende Wollmilchsau identifiziert hat. Oder sieht jemand irgendwo Radiohead? Na bitte. Es handelt sich vielmehr um einen Auszug aus der Liste von Künstlern, die Adrian Thaws alias Tricky in seiner über 20-jährigen Karriere bereits gecovert hat. Und auch diesmal kann er es nicht lassen. Aber dazu später mehr. Zunächst muss geklärt werden, mit was für einer Veröffentlichung wir es hier zu tun haben. "Skilled mechanics" ist nämlich nicht nur eine CIA-interne Bezeichnung für besonders zielsichere Killer, sondern auch der Start einer Reihe gleichen Titels, für die sich Thaws illustre Gäste ins Studio lädt. Wie, nun ja, sonst auch.

Alles beim Alten also? In einer Hinsicht auf jeden Fall: Bei fünf Stücken gastiert Milo Johnson, der den Jungen mit dem Spitznamen Tricky Kid einst in die Musikszene Bristols einführte – beide waren später außerdem Mitglieder des Kollektivs The Wild Bunch, aus dem schließlich Massive Attack hervorgingen. Dass die zwei nun wiedervereint sind, schlägt sich vor allem im Monstertrack "Boy" nieder, der elektronisch-gallig Jugenderinnerungen durchhechelt: eine Tante als Ersatz für die früh verstorbene Mutter, ein Vater, den Thaws mit zwölf Jahren im Telefonbuch aufspürte und der sich dann nicht einmal seinen Namen merken konnte, wüste Partys, dicke Beatboxen, erste Freundin und geklaute Autos. Johnson baut dazu einen tighten HipHop-Groove und hat hörbar Vergnügen daran, zurück in der alten Schule zu sein.

Überhaupt ist "Skilled mechanics" zuweilen eine ähnliche Reise in die Vergangenheit wie der Vorgänger "Adrian Thaws": Der rollende Upbeat-Track "Hero" verweist auf Thaws' Anfänge als MC, "How's your life" und "Necessary" rekapitulieren den TripHop aus "Maxinquaye"-Zeiten, wobei sich in letzteres Stück kurz der "Adrian Thaws"-Song "Silly games" verirrt, als kleines Update quasi. Der gereizte Opener "I'm not going" mit der Schwedin Oh Land am Mikro hingegen macht mit einem rhythmischen Gitarrenlick der Frühphase des Post-Punk seine Aufwartung, während die chinesische Rapperin Ivy zu den staubtrockenen Breakbeats von "Beijing to Berlin" vorlaute Punchlines spuckt. Und "Here my dear" ist als pumpender House-Track die größtmögliche Antithese zu Marvin Gayes gleichnamigem Scheidungsalbum. Und wohlgemerkt keine der oben angedrohten Coverversionen.

Im Gegensatz zu "Diving away", einer verspielt durchklöppelten Lounge-Fassung von Porno For Pyros' "Porpoise head", bei der sich Drummer Luke Harris genauso ans Mikro bemüht wie für "Bother" vom Slipknot-Ableger Stone Sour. Und Maskenmann Corey Taylor hätte sich vermutlich nicht träumen lassen, dass jemand die geknickte Ballade einmal zu einer so hypnotischen Piano-Miniatur umarbeiten würde. Große Klasse. Was für vieles, aber nicht alles auf diesem Album gilt, bei dem man sich gelegentlich wie in einer Nummernrevue vorkommt – Glückssache, ob man während der schwächeren Programmpunkte gerade zum Rauchen vor der Tür weilt oder nicht. Vielleicht nannte Thaws darum ja unlängst einen Track "Nicotine love"? Gern haben darf man ihn nach "Skilled mechanics" jedenfalls weiterhin. Es muss ja nicht uneingeschränkt sein. Wie, nun ja, sonst auch.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • I'm not going
  • Hero
  • Boy
  • Bother

Tracklist

  1. I'm not going
  2. Hero
  3. Don't go
  4. Beijing to Berlin
  5. Diving away
  6. Boy
  7. Bother
  8. How's your life
  9. Here my dear
  10. We begin
  11. Well
  12. Necessary
  13. Unreal

Gesamtspielzeit: 34:19 min.

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