Dota - Keine Gefahr

Dota- Keine Gefahr

Kleingeldprinzessin / Broken Silence
VÖ: 15.01.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Grenzenlos

Wenn es ein Wort gibt, mit dem man die Liedermacherin Dorothea Kehr am ehesten in Verbindung bringen kann, dann wäre das wohl "Freiheit". Die gute Frau weigert sich schließlich nicht nur seit ihrem 2003er Debütalbum "Die Kleingeldprinzessin" konsequent, einen Plattenvertrag abzuschließen, sondern hat neben ihrer Musikkarriere auch ein Medizinstudium absolviert, in Brasilien gelebt und ist Mutter von zwei Kindern. Das Streben nach Freiheit ist dabei auch immer ein zentrales Thema ihres musikalischen Schaffens gewesen, das sie seit einigen Jahren mitsamt Band unter dem Namen Dota zusammenfasst.

Da war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis es auch von Ihrer Seite einen songgewordenen Kommentar zur Flüchtlingsthematik zu hören gibt, den sie passenderweise "Grenzen" genannt hat und der sich auf erfrischende Art und Weise mit dem Sinn und Unsinn selbiger aueinandersetzt. "Wer ist drinnen, wer ist draußen? / Ich mal eine Linie, Du darfst nicht vorbei / Da trifft Luft auf Luft, da trifft Land auf Land / Da trifft Haut auf Blei", singt die Berlinerin zu beschwingter Gitarre, um dann zu resümieren: "Könnten Sie diese Antwort bitte sinngemäß richtig ergänzen / Was liegt möglicherweise im Kern des Problems? / Es gibt Grenzen!" Auch die anderen Songs auf Dotas bereits achten Album nehmen sich viele Freiheiten und fügen mit elektronischen Elementen auch gleich eine neue Facette in den Bandsound ein, der bisher vor allem als Mix aus Folk, Bossa Nova und Jazz zu gefallen wusste.

Natürlich vertont die ehemalige Straßenmusikerin auf "Keine Gefahr" auch weiterhin Geschichten voller Tagträumereien, Alltagsbeobachtungen und Gesellschaftskritik, wie nur sie es kann. Durch die Hinzunahme von Keyboards, verzerrten Gitarren und Orgeln wirken Songs wie "Mantel" oder "Die Diebe" aber um einiges intensiver und dringlicher als gewohnt. Mit der zweiten Single "Vergiftet" spinnt sie den Faden des gleichnamigen Jan-Delay-Gassenhauers auf poppige Weise weiter und auch das humorvolle "Rennrad" beweist mit Handclaps und unwiderstehlichem Refrain, dass Dota trotz aller Verweigerung auch radiotauglich sein können. Das Liebeslied "Stille Wasser" geht mit der herrlich unprätentiösen Erkenntnis "Vielleicht sind stille Wasser gar nicht tief, sondern einfach nur still" mitten ins Herz. Nicht der einzige Song, bei dem man sich wünscht, dass er noch ein Weilchen länger dauert.

In der zweiten Hälfte des Albums wird die Experimentierfreude sogar noch weiter vorangetrieben. Da gibt es mit dem leichtfüßigen Titelstück so etwas wie die Dota-Version eines Disco-Songs und auch das entrückte "Nah" sticht angenehm durch elektronische Spielereien aus der Tracklist heraus. Die augenzwinkernde These "Man braucht keine neuen Lieder mehr / Funny hat alle geschrieben" aus dem sympathisch-schlurfigen "Spiegel der Zeit" widerlegen Kehr und ihre Mitstreiter mit dieser Songsammlung auf eindrucksvolle Weise. Das Kollektiv hat es mit diesem Album geschafft, seinen Sound so zu perfektionieren, dass man sich während der erhabenen Trompeten des Abschlusstracks "Floß" unweigerlich fragt, wie sie da noch einen draufsetzen wollen. Doch das ist Schnee von übermorgen. Ab jetzt ist alles möglich und wenn Dota so frei sind, sind wir von Plattentests.de es natürlich auch und zücken freudig die 8/10.

(Marco Cianci)

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Highlights

  • Mantel
  • Grenzen
  • Stille Wasser

Tracklist

  1. Mantel
  2. Grenzen
  3. Vergiftet
  4. Stille Wasser
  5. Rennrad
  6. Weit, weit, weit
  7. Die Diebe
  8. Unter einem Jahr
  9. Keine Gefahr
  10. Nah
  11. Spiegel der Zeit
  12. Floß

Gesamtspielzeit: 49:51 min.

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User Beitrag

Autotomate

Postings: 954

Registriert seit 25.10.2014

2016-01-14 10:43:23 Uhr
Nachdem ich das letzte Album gehört hatte, war ich kurz davor mich für einen sozialwissenschaftlichen Studiengang einzuschreiben, weil ich 2 oder 3 von den Songs echt nicht widerstehen konnte (insbesondere "Hoch oben" und "Das Wesen der Glut"). Was ich bislang vom neuen Album gehört habe, gefällt mir allerdings gar nicht. Wirds wohl doch bei BWL bleiben...

Armin

Postings: 14282

Registriert seit 08.01.2012

2016-01-12 21:45:03 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Mr Oh so

Postings: 1208

Registriert seit 13.06.2013

2015-11-19 20:42:19 Uhr
puuh, das ist doch eher was für matetee-trinkende soziologie-studentinnen..

Haha, so isses.
naja
2015-11-19 20:00:23 Uhr
die verkopfte variante von judith yolofernes!

Armin

Postings: 14282

Registriert seit 08.01.2012

2015-11-19 17:54:41 Uhr
DOTA geht in die nächste Runde! Gestern startete die Tour der Berliner Popband zu ihrem neuen Album KEINE GEFAHR, welches am 15. Januar 2016 erscheint.

Der Vorbote daraus ist der Song "Vergiftet", der sehr gut in die aktuelle Zeit und deren Geschehnisse passt. "Vergiftet" lässt einen misstrauischen Blick durch die Umwelt,
schweifen, samt ihrer unzähligen, artifiziellen Einflüsse, ihrer echten und scheinbaren Bedrohung. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Paranoia und Gefahr.

„da ist ein Piepsen und ein Ticken und ein Deut in ihren Blicken, die mich rügen. Falsche Farben, schau, sie lügen. Alles schmeckt so nach Betrug. Oh lasst es sein, es ist genug.“
Vergiftet auf Soundcloud: https://soundcloud.com/user-777000094/03-vergiftet

Dies spiegelt sich mit viel Witz und Ironie in dem Video zu "Vergiftet" wieder.
Ich darf Euch heute das neue Video von DOTA präsentieren. Hier kommt VERGIFTET

https://youtu.be/v4HaYwe7f1I


Es ist zeigt, wie schrill, bunt aber auch verstört, falsch und verlogen die Menschen in ihrer Welt seien können. Die großartigen Komparsen in dem Video wurden über DOTAs Fan- und Hörergemeinschaft über Facebook rekrutiert.

Produktion: 'n film | filmproduktion berlin // nfilm.de
Regie: Jeanette Karstaedt
Büroangestellter: Christian "Chrispy" Rodenberg
tanzender Chef: Gerard Thomas-Dlugay
Diskobüro Mitarbeiter: Madame Kothe, Katrin Leisch, Tobe, Doctore Lex Müller, Dani Rodriguez, Sido de Brie


Die Berliner Band DOTA hat sich in den letzten Jahren ein großes Publikum erspielt und ihren eigenen Platz in der deutschsprachigen Popmusik gefunden. Auch in Brasilien hat Dota Kehr zwei Alben aufgenommen und sich mit zahlreichen Konzerten einen Namen gemacht. 2014 wurde sie für ihre Songtexte mit dem Fred-Jay-Preis ausgezeichnet.
Auf dem neuen Album „Keine Gefahr“ verleiht sie ihren Songs einen unerwarteten elektronischen Klang. Auch 90er-Jahre Equipment wie ein Finger-Drum-Pad oder Synthesizer kamen im Studio zum Einsatz. Mit treibenden Beats, explosiven Harmonien und artifiziellen Klängen erzeugt DOTA eine zeitgemäße, stellenweise avantgardistische Intensität.

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