Björk - Greatest hits

Björk- Greatest hits

Wellhart / One Little Indian / Polydor / Universal
VÖ: 04.11.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gletscherspalten

Als sie Anfang der Neunziger wie eine verwirrte Elfe herangeschwebt kam, mit ungekannter Stimmbandakrobatik die gute Seite des Dancefloors unsicher machte und ein "Debut" vorlegte, das mit allen Schmelzwassern Islands gewaschen war, standen reihenweise Münder offen. Mitte der Achtziger hatten die Sugarcubes, beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit, mit ihrem ungewöhnlichen Indiepop schon eine angenehme Skurrilität angedeutet. Deren ehemalige Stimme führte diese schließlich auf dem schillernden "Post", dem merkwürdig unterkühlten "Homogenic" und dem erstaunlichen Soundtrack "Selma songs" in immer verwunderlichere Gegenden. Björks unnachahmliches Kieksen und die unterkühlten Beats, die sich Björk von Leuten wie Nellee Hooper (Soul II Soul), Graham Massey (808 State), Guy Sigsworth (Bomb The Bass, Seal) oder Mark Bell (LFO, Depeche Mode) auf ihren nordischen Leib schneidern ließ, faszinierten sogar gestandene Rocker. Dank der hinreiße nden Exzentrik von Frau Guðmundsdóttir beförderte so mancher seine Hemmungen vor elektronischer Musik in den Papierkorb. Björk ist eben anders. Ganz anders.

Nur einmal schwächelte der Wirbelwind. Den leichten Schönheitsfleck jedoch, den das ziellose "Vespertine" auf dem weißen Schwanenkleid der Isländerin hinterlassen hatte, können die hier versammelten "Greatest hits" mit Leichtigkeit wegwischen. Von ihren Fans treffsicher ausgesucht setzt es hier fünfzehn Mal verschleppte, dezent spinnerte und doch immer liebenswerte Nicht-Ohrwürmer. Vom flatternden "Human behaviour" bis zum Knirschen im Gebälk von "Jóga", von der verstörenden Süße von "All is full of love" bis zum sich zierenden Kleinmädchengetänzel in "Possibly maybe", vom grimmigen Scheppern der "Army of me" bis zum baßbrummelnden Klingeling von "Pagan poetry" - Björks Händchen für abseitige Melodien sorgt auch im Rückblick für erstaunlich zeitlose Momente.

Dort, wo andere mit dem Charme des Versicherungsvertreters fremde Ideen recycleten, machte sich Björk schon immer auf die Suche nach dem Besonderen. Sie ließ ihr Herz für derlei zischelnde Rhythmusversatzstücke pochen, verführte Streicher und Flötisten zu überdrehten Schwingungen und schlug mitsamt ihren Arrangements einen Purzelbaum nach dem anderen. Und so klingen selbst beinahe zehn Jahre alte Tracks wie "Play dead" weiterhin knackfrisch, so wissen Songs wie "Hyperballad" oder "Bachelorette" noch immer mit verspielten Wendungen zu überraschen. Selbst wenn man durchaus den überdrehten Swing von "It's oh so quiet", die ungestüme Sehnsucht von "Violently happy" oder "I've seen it all", das oscarnominierte Duett mit Radiokopf Thom Yorke, vermissen mag, kann Björks kleine Werkschau auf ganzer Länge überzeugen. Mit "It's in our hands" gibt's immerhin einen neuen Song, und Komplettisten holen sich eh die volle sechs CDs umfassende Box "Family tree".

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Human behaviour
  • Jóga
  • Army of me
  • Play dead

Tracklist

  1. All is full of love (Video edit)
  2. Hyperballad
  3. Human bahaviour
  4. Jóga
  5. Bachelorette
  6. Army of me
  7. Pagan poetry
  8. Big time sensuality (The Fluke minimix)
  9. Venus as a boy
  10. Hunter
  11. Hidden place
  12. Isobel
  13. Possibly maybe
  14. Play dead
  15. It's in our hands

Gesamtspielzeit: 72:20 min.

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