Jennylee - Right on!

Jennylee- Right on!

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 11.12.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schutzwall der Lachtränen

Die Träne unter ihrem rechten Auge ist starr, steht da wie irgendetwas, das man wegwischen möchte, das sich nur nicht wegwischen lässt, ist sie doch dorthin tätowiert. Die könnte ebensogut im Lachen wie im Gram oder sonstigen entstanden sein. Und während Jennifer Lee Lindberg eigentlich den Viersaiter bei Warpaint zupft, einer Band, deren verblichene Buntheit schon manchmal zum Losprusten ist, hat sie die Leichtigkeit aus ihrem Solo-Debüt "Right on!" verbannt. Was sie sofort im hoffnungsfreien "Blind" deutlich macht, mit "I got no sun / I got no view" über einem langsam dahindümpelnden Bass. Sie ist überhaupt nicht guter Dinge, und ein Weitblick scheint für Lindberg nicht in Sicht zu sein.

Dafür knarzt, poltert, pocht und wummert der Bass in diesem knapp vierzigminütigen Album, dass es nur so eine Freude ist. Natürlich ist das nahe den Idolen, am nächsten noch denen des britischen Post-Punks. Diese Rhythmussektion von "Never" könnten Peter Hook und Stephen Morris abnicken. Man fragt sich, ob sich Jennylee vor The Cure oder Bauhaus tiefer verneigt. Dass das alles so wirkt, hat viel mit der Co-Produktion von Norm Block zu tun, einstmals Drummer bei Plexi, einer Goth-Rock-Noise-Mischung aus L.A.. Der hat, wie Jennylee die Leerstelle zwischen ihren Vornamen, alle möglichen Lücken in der Atmosphäre des Albums gestrichen. Möglichst dicht werden dann die Skizzen in den Songs gestrickt. Beispielhaft im klagenden, nicht stringent geschriebenen "White devil". Diese Verdichtung gleicht einem Schutzwall, hinter dem sich die Interpretin aufbäumt, nur um noch offenherziger, rauer und verträumter zu sein, als sie es mit ihrer Hauptband sein kann.

Als verletzlich hat Jennylee "Right on!" beschrieben, darum geht es auch um Mobbing, Alleinsein und wie sie sich selbst als "Freak" sieht. Der Albumtitel hat hingegen eher etwas von einem rebellischen Kampfschrei. Und wenn sie über die Düsterheit von "Boom boom" von einer dysphorisch kranken Gesellschaft haucht und im gitarrenakustischen, verhallenden "Real life" konsequenterweise meint, dass es eben das wohl nicht gibt, dann ist das eine Art Rebellion. Gegen schrecklich stumpfsinnigen Schwachsinn. Und gerade in der vertrackten Ballade "He fresh", mit rhythmisch undurchschaubaren E-Drums, kryptischem Songtext und minimierter Melodie, lässt sich dieser Witz erkennen. Einer, der alles und jeden viel zu ernst nimmt und deshalb so unverständlich wird, dass sich Jennylee wohl immer noch vor Lachen auf dem Boden wälzt.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Blind
  • Never
  • He fresh

Tracklist

  1. Blind
  2. Boom boom
  3. Never
  4. Long lonely winter
  5. Bully
  6. Riot
  7. He fresh
  8. Offerings
  9. White devil
  10. Real life

Gesamtspielzeit: 41:02 min.

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User Beitrag

Herr

Postings: 779

Registriert seit 17.08.2013

2015-12-28 21:17:12 Uhr
Sehr schöner Sound, aber merklich zu viel Gehirnschmalz in den Versuch gesteckt, die Vocals und Melodien (wenn davon sprechen kann) möglichst dann doch wieder mal so ganz anders(herum) laufen zu lassen.
So wie damals bei den drei Damen der Kombo Haim, wo bei jedem Liveaufzritt das "uhh ... ah" immer schhön antrainiert millisekundengenau an derselben Stelle kam.
Einfach mal singen!

The MACHINA of God

Postings: 13088

Registriert seit 07.06.2013

2015-12-27 12:46:00 Uhr
" einer Band, deren verblichene Buntheit schon manchmal zum Losprusten ist" (bezogen auf Warpaint)

????

The MACHINA of God

Postings: 13088

Registriert seit 07.06.2013

2015-12-27 12:42:20 Uhr
Ich liebe diese Frau ja spätestens seit dem Warpaint-Liveauftritt. :)

Den Vorabsong fand ich aber eher mäßig. Mal ins Album reinhören.
Gutes Album am Ende dieses Mistjahres
2015-12-27 12:28:03 Uhr
Besser als dieser aktuelle Listen-Scheiß von Grimes, Lamar, Holter, Furman, Jamie xyz bis zur Harfen-Trulla allemal...
oh
2015-12-27 12:04:43 Uhr
hui
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