Bob Dylan - The cutting edge 1965-1966: The bootleg series, Vol. 12

Bob Dylan- The cutting edge 1965-1966: The bootleg series, Vol. 12

Sony
VÖ: 13.11.2015

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Countdown zur Explosion

Bob Dylan brauchte 14 Monate, um die Rockmusik zu revolutionieren. Zwischen Januar 1965 und März 1966 schrieb er die Songs, die auf "Bringing it all back home", "Highway 61 revisited" und "Blonde on blonde" erschienen. Diese Alben markierten die Transformation vom akustischen Folk zum elektrischen Rock 'n' Roll, vom sozialkritischen Liedermacher zum ketterauchenden Dandy, dem die grandiosen Formulierungen und metaphorischen Texte nur so aus dem Mund tropften.

Auf "The cutting edge 1965-1966: The bootleg series, Vol.12" kann man nun den Countdown zu dieser Explosion nachverfolgen. Die 36 Outtakes, Skizzen und Alternate Takes dokumentieren den großen Coup in Dylans Entwicklung. Und sie zeigen, dass vieles anfangs ganz anders gedacht war, als es später passierte. Unwiderstehlich ist die Energie dieser Aufnahmen. Dylan sprüht nur so vor Lässigkeit, Spielfreude und Einfallsreichtum. Er schraubt an Formulierungen, Versmaßen und Tempi, testet verschiedene Instrumentierungen und Stilistiken, verwirft, verändert, schreibt Stück für Stück Musikgeschichte. In Konversationsschnipseln mit Produzent Tom Wilson, die zwischen den Songs zu hören sind, erfindet Dylan Namen für seine Songs und ist dabei hinreißend charmant.

Die Band, die er um sich scharte, passte perfekt zu seinem hyperkreativen Mitteilungs- und Ausprobierdrang. Sie verstand sich aufs Improvisieren, war zeitgleich virtuos und unaufdringlich, spielte songdienlich und hatte diesen unverschämten Groove. Vor allem Gitarrist Robbie Robertson und Bassist Rick Danko, die ihm anschließend auch auf eine legendäre Tour folgten und später mit The Band selbst zu Legenden wurden, tun sich immer wieder hervor.

Besonders spannend ist es, später verworfene Ideen zu hören. Einige Songs, die auf den Alben in ruhiger und gedrosselter Version veröffentlicht wurden, liegen hier noch in anderen Versionen vor: "Just like a woman" kann man hier mit einer funky Gitarre hören, "Visions of Johanna" mit treibendem Beat oder "Mr. Tambourine Man" mit voller Bandbegleitung. Den entgegengesetzten Weg sind "Stuck inside of Mobile with the Memphis blues again" oder "She's your lover now" gegangen, die hier deutlich entschlackter und langsamer gespielt werden als auf den offiziellen Releases. Ganz verworfen wurde "Lunatic princess", das mit seinem Flow ein großer Wurf hätte werden können. Auch "California" und "Medicine Sunday" sind nur hier zu hören.

Der Übersong "Like a rolling stone" ist gleich zweimal vertreten. Bei Take elf ist Dylan schon nah an der finalen Version; bei Take fünf aber ist der Song als Dreivierteltakt noch ein vergleichsweise zahnloser Walzer ohne Orgel und ohne Sprengstoff. Auf der Deluxe Edition des zwölften Teils der Bootleg-Series ist sogar eine ganze CD nur den verschiedenen Takes dieses einen Songs gewidmet. Auf 17 weiteren Discs kann die Entwicklung des größten Album-Hattricks der Musikgeschichte beinahe lückenlos nachempfunden werden. Doch auch wer sich "nur" für die Doppel-CD entscheidet, kommt auf seine Kosten: Nichts und niemand war Mitte der 1960er Jahre aufregender als dieser Mann und seine musikalische Visionen. "The cutting edge 1965-1966: The bootleg series, Vol.12" fängt dies hervorragend ein. Es ist Musikgeschichte im Zeitraffer.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Lunatic princess (Take 1)
  • Stuck inside of Mobile with the Memphis blues again (Take 13, alternate take)
  • Just like a woman (Take 4, alternate take)

Tracklist

  • CD 1
    1. Love minus zero / No limit (Take 2, acoustic)
    2. I'll keep it with me (Take 1, Piano demo)
    3. Bob Dylan's 115th dream (Take 1&2, solo acoustic)
    4. She belongs to me (Take 1, solo acoustic)
    5. Subterranean homesick blues (Take 1, alternate take)
    6. Outlaw blues (Take 2, alternate take)
    7. On the road again (Take 2, alternate take)
    8. Farewell, Angelina (Take 1, solo acoustic)
    9. If you gotta go, go now (Take 2, alternate take)
    10. You don't have to do that (Take 1, solo acoustic)
    11. California (Take 1, solo acoustic)
    12. Mr. Tambourine Man (Take 3 with band, incomplete)
    13. It takes a lot to laugh, it takes a train to cry (Take 8, alternate take)
    14. Like a rolling stone (Take 5, rehearsal) (Short version)
    15. Like a rolling stone (Take 11, alternate take)
    16. Sitting on a barbed wire fence (Take 2)
    17. Medicine Sunday (Take 1)
    18. Desolation row (Take 2, piano demo)
    19. Desolation row (Take 1, alternate take)
  • CD 2
    1. Tombstone blues (Take 1, alternate take)
    2. Positively 4th street (Take 5, alternate take)
    3. Can you please crawl out your window (Take 1, alternate take)
    4. Just like Tom Thumb's blues (Take 3, rehearsal)
    5. Highway 61 revisited (Take 3, alternate take)
    6. Queen Jane approximately (Take 5, alternate take)
    7. Visions of Johanna (Take 5, rehearsal)
    8. She's your lover now (Take 6, rehearsal)
    9. Lunatic princess (Take 1)
    10. Leopard-skin pill-box hat (Take 8, alternate take)
    11. One of us must know (sooner or later) (Take 19, alternate take)
    12. Stuck inside of Mobile with the Memphis blues again (Take 13, alternate take)
    13. Absolutely sweet Marie (Take 1, alternate take)
    14. Just like a woman (Take 4, alternate take)
    15. Pledging my time (Take 1, alternate take)
    16. I want you (Take 4, alternate take)
    17. Highway 61 revisited (Take 7, false start)

Gesamtspielzeit: 145:21 min.

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User Beitrag

Christopher

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Registriert seit 12.12.2013

2015-12-23 12:39:26 Uhr
Ha.
Der Witz des Tages
2015-12-23 11:14:40 Uhr
Wie nennt man es, wenn man Jimi Hendrix mit Schweineohren füttert?

Pig-mentieren!

Rote Arme Fraktion

Postings: 2606

Registriert seit 13.06.2013

2015-12-23 06:27:19 Uhr
@Desare
Frohes Fest und guten Rutsch!

Rote Arme Fraktion

Postings: 2606

Registriert seit 13.06.2013

2015-12-23 06:26:38 Uhr
Aber war Hendrix nicht Maximal-Pigmentiert?
Desare Nezitic (Kind)
2015-12-23 01:55:21 Uhr
Dylan ist sowas wie der abgestorbene Fetus eines Hendrix, der sowieso schon nur das schlechteste Erbmaterial in sich hatte.
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