Traams - Modern dancing

Traams- Modern dancing

Fat Cat / Al!ve
VÖ: 27.11.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Für immer

Man war kein bisschen darauf vorbereitet, als einen Traams vor ziemlich genau zwei Jahren aus dem Nichts mit ins Dunkel nahmen. Mit dem unvermutet umwerfenden Debüt "Grin", das wie geschaffen war und ist, sich die Nächte an Orten um die Ohren zu schlagen, die bei Lichte betrachtet vermutlich wenig einladenden Charme versprühen würden. Das beinahe ein Exklusivrecht auf bestimmte Stimmungslagen für sich beanspruchen konnte. Womit auch die Hypothek benannt wäre, mit der sich der Zweitling "Modern dancing" herumschlagen muss. Die Nische, die sich "Grin" erspielt hat, ist besetzt.

Glücklicherweise versuchen Traams erst gar nicht, ihr Debüt ein zweites Mal zu schreiben, sondern beschreiten mit "Modern dancing" sanft erneuerte und breitere Wege. Ohne sich aber allzu weit vom etablierten Klangbild zu entfernen. War "Grin" also ein Album für gewisse nächtliche Stunden, holen einen die neuen Songs im Morgengrauen ab und deuten dann und wann sogar die Perspektive an, irgendwann mal einen sonnigen Tag miteinander zu erleben. Zum Beispiel, wenn der Schlusstrack "Bite mark" die versöhnlichsten Gitarrenfiguren durch die Gegend purzeln lässt, die man bislang von dieser Band vernehmen konnte. Und im Anschluss sicherheitshalber doch in ein noisiges Finale mitsamt aufgekratztem Geschrei von Sänger Stuart Hopkins mündet. Man will es ja nicht übertreiben mit den hellen Klangfarben, hat man doch zur Mitte des Albums mit "Sister" schon einen fast astreinen Indierock-Hit, den man The Strokes inzwischen kaum noch zutrauen würde, platziert und sich kurz vor Schluss zu allem Überfluss mit "Car song" auch noch an einer Ballade versucht.

Doch keine Sorge, Traams sind weiterhin alles außer gewöhnlich. "Car song" ist letztendlich mehr ein sympathisch-windschiefes Zwischenspiel als eine wirkliche Ballade und "Sister" mit genügend versteckten Feedbacks und anderweitigen Fallstricken versehen, um nicht allzu leicht ausrechenbar zu werden. Außerdem gibt es noch genügend Songmaterial, das auch hervorragend auf "Grin" gepasst hätte. Das nervös durch die Nacht flackernde "Succulent thunder anthem", das gleichsam schroff und anziehend wirkt. Oder das lärmige "Gimme gimme gimme gimme (love)", das ewig nach vorne rumpeln würde, würde man es nur lassen. Und doch haben Traams ihren Sound allenthalben weiterentwickelt und so ein Album geschaffen, das für weit mehr als nur gewisse Stunden taugt. Weil schon der Opener "Costner" klar macht, dass die wichtigsten Ingredenzien wieder zugegen sind, aber eben noch eine Spur pointierter eingesetzt werden. Weil Hopkins sein Organ inzwischen besser unter Kontrolle hat und manchmal sogar richtig singt.

Vor allem aber, weil man Songs wie "AnB", "Sister" oder "Neckbrace" im Gepäck hat. Songs, denen man sich unmöglich entziehen kann. Die sich bis in die hinterste Hirnwindung fräsen, um dort für längere Zeit zu verweilen. Das klingt vielleicht etwas unangenehm, ist aber doch Quell höchster Freude. So glänzt "Modern dancing" mit neuer Fokussiertheit und nachhaltig wirkender Songorientiertheit. Und wirkt so nicht nur von spät bis früh, sondern immer.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • AnB
  • Succulent thunder anthem
  • Sister
  • Neckbrace
  • Bite Mark

Tracklist

  1. Costner
  2. AnB
  3. Succulent thunder anthem
  4. Sister
  5. Silver lining
  6. Modern dancing
  7. Neckbrace
  8. Gimme gimme gimme gimme (love)
  9. Two sides
  10. Car song
  11. Bite mark

Gesamtspielzeit: 38:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Jackengott
2015-12-12 22:46:06 Uhr
Was für ein geiles Brett!

Armin

Postings: 9489

Registriert seit 08.01.2012

2015-12-11 17:57:58 Uhr
Weil Fehler, danke.
Bärti Voochts
2015-12-10 23:09:35 Uhr
Wieso steht New Order zweimal in den Referenzen?

Armin

Postings: 9489

Registriert seit 08.01.2012

2015-12-10 21:14:59 Uhr
Frisch rezensiert!

Meinungen?

MartinS

Postings: 362

Registriert seit 31.10.2013

2015-12-05 10:17:59 Uhr
Ich mache mich gerade daran, deiner Bitte nachzukommen.
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