Soundtrack - Amy

Soundtrack- Amy

Island / Universal
VÖ: 30.10.2015

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

All und Rauch

Das Mädchen hinter dem Namen, das wollte der Film "Amy" von Regisseur Asif Kapadian zeigen. Ein großes Versprechen für einen kleinen Film über eine noch größere Künstlerin. Denn nachdem Amy Winehouse im Juli 2011 gestorben war, rollten bereits die üblichen Mechanismen des Geschäfts an: Zahlreiche Veröffentlichungen, egal ob Alben, Bücher, Filme, hatten sich genau das gleiche Ziel gesetzt – und scheiterten mehr oder weniger. Auch der Soundtrack zu "Amy" kommt ihr nicht näher. Winehouse hat zu ihren Lebzeiten gerade einmal zwei Alben veröffentlicht, trotzdem ist ihr Werk so lebensgroß, so unbeschreiblich, so wahr, dass fast alles, was sich daneben stellt, kümmerlich scheint. Denn auch wenn der brasilianische Komponist Antonio Pinto hier passable Stücke abliefert, fügt sich der Soundtrack zu keinem stimmigen Bild, zu nichts, das irgendwie ein großes Ganzes ergibt.

Da wäre etwa "Poetic finale", das ein paar Streicher zusammenlaufen lässt, ein wenig Unheil ankündigt, mehr aber auch nicht. Diese Stücke haben so eine künstliche Stimmung, passen so überhaupt nicht zum warmen Sound der Songs von Winehouse. Was brauche ich die Gitarre in "Kidnapping Amy"? Was den Pathos von "Walk"? Klar, ein Film und der dazugehörige Soundtrack fiktionalisieren, auch bei einer Dokumentation gibt es nur eine Version der Wahrheit, weswegen übrigens auch ihr Vater Mitchell Winehouse nicht gerade glücklich über seine Rolle in "Amy" war. Doch irgendwie bleibt das Gefühl, dass Pinto eine Atmosphäre schaffen wollte, die nicht zu Winehouse passt. Das mag im Film funktionieren, hier zertrümmert jeder Moment, in dem die Stimme von Winehouse einsetzt, jede Stimmung, die vorher herrschte. Alleine "Rehab" in der Version vom Auftritt bei Jools Holland strahlt von alleine so sehr, dass Pintos Stücke für den Rest des Albums vollkommen überflüssig sind.

Dabei gehören die eingestreuten Demos und Live-Versionen nicht einmal zu den stärksten Songs, die es im posthumen Katalog von Winehouse gibt. Und während "Amy forever" ein bisschen peinlich beschämt ein paar Klaviertöne in die Weite pustet, darf immerhin Winehouse selbst mit "Valerie" diesen Soundtrack beschließen, und das ist vielleicht die einzige absolut richtige Wahl. Denn ansonsten bleibt "Amy" als Soundtrack vollkommen verzichtbar, denn nur auf ein paar Stücken gibt es Winehouse. Der Rest sind nur Versionen von anderen Leuten, von Ideen, wie sie Winehouse gesehen haben. Mit dem verklärten Blick auf das vergangene Leben einer großen Künstlerin neigt man dazu, sich seine eigene Geschichte von ihr zu erzählen. Doch dieses ganze Pathos passt nicht, diese aufgetragene Befindlichkeit, die es hier in den instrumentalen Stücken gibt. Das Mädchen hinter dem Namen Amy Winehouse? Das hat ihre eigenen Stücke gesungen. Und die sprechen für sich.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Stronger than me (Amy Winehouse)
  • What is it about men (Amy Winehouse, live at North Sea Jazz Festival)
  • Tears dry on their own (Amy Winehouse)

Tracklist

  1. Opening (Antonio Pinto)
  2. Stronger than me (Amy Winehouse)
  3. Poetic finale (Antonio Pinto)
  4. What is it about men (Amy Winehouse, live at North Sea Jazz Festival)
  5. Walk (Antonio Pinto)
  6. Some unholy war [Downtempo version] (Amy Winehouse)
  7. Holiday texts (Antonio Pinto)
  8. Kidnapping Amy (Antonio Pinto)
  9. Like smoke [Demo] (Amy Winehouse)
  10. Tears dry on their own (Amy Winehouse)
  11. Seperacao fotos (Antonio Pinto)
  12. The name of the wave (Strange Cargo)
  13. Back to black [Acapella / Album Medley] (Amy Winehouse)
  14. Cynthia (Antonio Pinto)
  15. Rehab (Amy Winehouse, live at Jools Holland)
  16. In the studio (Antonio Pinto)
  17. Love is a losing game (Amy Winehouse, live at Mercury Awards)
  18. Arrested (Antonio Pinto)
  19. Body and soul (Amy Winehouse & Tony Bennett)
  20. Amy forever (Antonio Pinto)
  21. Valerie (Amy Winehouse, live at BBC)

Gesamtspielzeit: 59:52 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 16029

Registriert seit 08.01.2012

2015-12-10 21:18:11 Uhr
Frisch rezensiert!

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