Wrekmeister Harmonies - Night of your ascension

Wrekmeister Harmonies- Night of your ascension

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 13.11.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schock! Schwere Not

Einem Mann aus Chicago soll es gelungen sein, eine Horde von exzentrischen Grenzgängern davon zu überzeugen, sich seiner noch ausufernderen musikalischen Grenzeneinreißerei unterzuordnen? J.R. Robinson, Kopf hinter Wrekmeister Harmonies, hat für dieses Projekt 30 MusikerInnen gewonnen. Im Rahmen dieser Exzellenzinitiative hat Robinson "Night of your ascension" zu einem Gradmesser dafür gemacht, wie gegensätzliche bis unversöhnliche Klänge sich in einer nahezu selbstverständlichen Kohäsion auflösen können. Auf der Platte fügen sich mythischer Folk, verfremdete Drones, sanfte Choräle, bedrückende Geigenarrangements, scharfkantiger Noise und Schwergewichtsmetal zu einer unverrückbaren Einheit stilistischer Vielfalt. Dass bei allen Unterschieden der Mitwirkenden keine losen Enden aus dem jeweiligen musikalischen Randgebiet entstehen, sondern man einer sorgsamen Anordnung beiwohnt, ist so raffiniert ausgestaltet, dass es nur in Ansätzen zu durchblicken ist.

Die karge Instrumentierung, mit der das 32-minütige Titelstück eröffnet, rückt die Stimme von Marissa Nadler, der anmutigen Singer-Songfolkerin, in eine Schutzlosigkeit, die dergestalt auch von Grouper zentral in Szene gesetzt worden wäre. Anschließend formen sich einige Streichinstrumente zu einem kantatenartigen Arrangement. Selbst nachdem der darin sich entfaltende, schwermütige Chor verstummt ist, liefert Wrekmeister Harmonies kein einziges Indiz für die weitere Entwicklung des Stücks. Und auch der erstmalige Einsatz der Gitarre (nach einer vollen Viertelstunde!) lässt nur erahnen, zu welchem Inferno sich "Night of your ascension" noch erheben wird. Zunächst dimmt eine zähe, an Neurosis erinnernde Einstimmung das Licht. Das Wehgeschrei, das aus den Untiefen dringt, kann noch einem menschlichen Ursprung zugeordnet werden, bis sich der Gesang in ein verzerrtes, entsetzliches Kreischen der Marke Burning Witch verwandelt. Auf instrumentaler Ebene steigern sich Wrekmeister Harmonies derweil in eine unbezähmbare Kakophonie aus Sludge der rituellen und psychedelischen Sorte, die in ihren eindringlichsten Phasen atmosphärischer, nebulöser und existenzieller als der Wahnsinn der Belgier Amenra anmutet; ein perfekt kanalisierter Gewaltausbruch.

Dem Ruf von Wrekmeister Harmonies ist nicht nur erneut der Toningenieur Sanford Parker gefolgt, sondern unter anderem Alexander Hacke von Einstürzende Neubauten, Mitglieder von Disappears, Anatomy Of Habit, Yakuza und Indian. Die Zusammenarbeit mit dem Avantgarde-Metal-Duo The Body, die "Run priest run" mit einer exzessiven Lärmorgie überladt, ist allerdings die vielleicht folgerichtigste, zwingendste. Im zweiten Stück schält sich nach fünfeinhalb Minuten ein herrischer Basslauf aus dem elektronischen Gewummer, das für sich schon wie nix Gutes klingt. Denn Robinsons Drones bilden die allgemeine Stimmungslage zunächst prominent in voluminöser Vielschichtigkeit ab. Der Bass gibt den Entfesselungskünstler, der die unnahbaren Vocals, die Riffandeutungen der Gitarre und die zermarternde Wucht der Becken freigibt. Die derart akzentuierte Negativität verhilft auch dem zweiten Stück zu erdrückender, tonaler Bildgewalt.

Das Album "Night of your ascension" ist mitunter ein Nacheinander der Genres, klar. Aber gerade "Run priest run" verhandelt ein über alle Maßen geschicktes Ineinandergreifen der verschiedenen Stilrichtungen, inklusive wechselseitiger Überlagerungen. Die Drone-Texturen und der geisterhafte Gesang wirken auch dann noch nach, wenn die Metal-Breitseite und zerschossenes Geschrei sich dem Treiben längst übergeordnet haben. Genauso wie Wrekmeister Harmonies' "Night of your ascension" auch dann noch nachwirkt, wenn die vorsichtigen Geigen, die das Album beenden, schon längst verklungen sind.

(Henrik Beeke)

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Highlights

  • Night of your ascension

Tracklist

  1. Night of your ascension
  2. Run priest run

Gesamtspielzeit: 48:48 min.

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MasterOfDisaster69

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Registriert seit 19.05.2014

2015-12-07 11:29:43 Uhr
Mir wurde hier schon geantwortet, dass 7/10 für "Gut" steht. Evtl. ist der Rezensent kein Fan oder gerade nicht in der Stimmung, wir stehen ja kurz vor Weihnachten, solch eine deftige Materie wirklich Toll zu finden. Die Rezension selber finde ich gar nicht schlecht und recht kompetent.

7.5/10
...
2015-12-02 22:03:45 Uhr
Warum nur 7/10? Das ist wieder so typisch. Der Rezensent ist mit Sicherheit komplett überfordert, findet es deswegen scheiße, aber sowas darf man ja nicht verreißen. Wenn man aber dann für sowas 'ne 7 raushaut ist das eigentlich dasselbe wie gar keine Wertung zu vergeben. Komplett nichtssagende Rezension also.

Armin

Postings: 14508

Registriert seit 08.01.2012

2015-11-30 23:29:48 Uhr
Frisch rezensiert!

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