Ben Kweller - Sha sha

Ben Kweller- Sha sha

Ato / BMG
VÖ: 04.11.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Radieschens Rückkehr

Kappe, die zweite. Während in Großbritannien ein gewisser Damon Gough neben den ungewaschenen Haaren auch einen mit jeder Menge skurriler Popmelodien gefüllten Kopf unter einer Strickmütze versteckt, sitzt auf der anderen Seite des großen Teichs ein Ungetüm mit eingebautem Ohrenwärmer auf einem schielenden Schädel. Und das ist gut so, denn so richtig trocken hinter seinen Ohren ist Ben Kweller noch nicht. Gerade mal einundzwanzig Jahre ist der Bursche aus Greenville, Texas alt und hat schon eine Karriere als Vorsteher der Nachwuchs-Grunger Radish hinter sich.

Obwohl er dem Rotzlöffeltum kaum entwachsen ist, hat Kwellers Majordebüt aber mit den berufsjugendlichen Zoten der Sum 182-Fraktion glücklicherweise nichts zu tun. Im Gegenteil: "Sha sha" ist bis obenhin mit leckeren Melodien, breiten Grinsern und grotesken Geschichten vollgestopft. "Sex reminds her of eating spaghetti." Und statt sich mit verkopften Arrangements ein Bein zu stellen, zeigt Kweller mit dem flockigen Meisterwerk "Wasted & ready" der Oberhornbrille Rivers Cuomo mal eben, wie man Songs schreibt, die nicht zwischen den Zähnen kleben. Wo gerade noch die Akustische schrammelte, steht plötzlich der Fuß auf der Verzerrer, und alles hüpft feixend durch die Gegend.

Neben folkigem Gesäusel und wonnigen Beatlesken fummelt Kweller immer wieder am Song, zupft dabei Kleinode wie das klavierselige "In other words" oder das rumpelnde "No reason" hervor und verbuddelt ein paar sarkastische Zweizeiler zwischen den Ooohs und Aaahs. "Sometimes I wonder if you're still here / Looking out for anything that could fall and hit your head", heißt es in "Walk on me". Schüchterne Gedanken übers Anmachen. Da darf sich auch die Stimme schon mal überschlagen.

Trotz Zeilen wie "I don't stand a chance / In this fucked up world" sucht man spätpubertäre Sinnkrisen des überzeugten Slackers vergebens. Zwar vernimmt man in Kwellers klarer Stimme gelegentlich einen Hauch von Schluchzen, doch plötzlich tirilieren wieder die Chöre, und ein schelmischer Jungspund feuert das heranbrausende Rotzgitarrensolo an. Auch wenn mancher Spaß ein wenig zu albern wirkt, könnte man bei dem offensichtlichen Vergnügen, das die Aufnahmen gemacht haben müssen, glatt neidisch werden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • How it should be (Sha sha)
  • Wasted & ready
  • In other words
  • No reason

Tracklist

  1. How it should be (Sha sha)
  2. Wasted & ready
  3. Family tree
  4. Commerce, TX
  5. In other words
  6. Walk on me
  7. Make it up
  8. No reason
  9. Lizzy
  10. Harriet's got a song
  11. Falling

Gesamtspielzeit: 43:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Florian
2004-04-03 21:30:55 Uhr
oohja, das album ist sowas von großartig, 9/10 von mir...
Leider ist der NAchfolger ja jetzt nimmer so gut, finde ich :-(
Informatic
2004-04-03 20:44:45 Uhr
Hab' ja nicht geschimpft Oli, ich war nur irritiert, dass hierbei nicht die Bestnote gezogen wurde. Aber ist halt Geschmacksache.

No reason, Falling sind ebenfalls großartig.
Mit 20 Lenzen solche Musik zu machen ist genial!
Kann mir gar nicht vorstellen, dass das noch mit dem neuen Album zu toppen wäre. Lass ich mich mal überraschen!
Oliver Ding
2004-04-03 18:10:18 Uhr
Herr Oliver Ding soll sich schämen!

Kein Bedarf. Auch wenn die Platte damals durchaus die 8/10 gestreift hat. Nicht nur "Wasted & ready" ist einfach großartig.
Informatic
2004-04-03 14:20:30 Uhr
Herr Oliver Ding soll sich schämen! Für dieses Meisterwerk nur 7 von 10 Punkten zu rezensieren. Das ist glatter Betrug! 10 von 10 ist musikalisch gehört richtig!
Dän
2003-10-24 16:42:54 Uhr
Wenn in "Falling" die "Bababa"-Stelle kommt, könnte ich den Kweller jedes Mal knutschen, so toll ist das. Und der Rest ist kaum schlechter.
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