Butterfly Child - Futures

Butterfly Child- Futures

Dell'Orso / Hoanzl
VÖ: 27.11.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Forever young

Schaumbedeckte Wellen brechen sich an den Pfeilern des Piers wie das Licht der untergehenden Sonne in der Kamera, Zypressenbäume säumen die sanften Hügel und schöne Menschen sagen bedeutungsschwere Dinge, während im Hintergrund Ryan Adams, Nada Surf und Trespassers William für Gänsehautfeeling sorgen. Wie kaum eine andere Serie hat "O.C., California" das süß-melancholische Gefühl des Jungseins in ikonischen Bildern und einem phänomenalen Indie-Soundtrack für immer konserviert. Auf jenem Soundtrack würden sich auch Butterfly Child gut machen, die Band, die inzwischen nur noch aus dem Nordiren und Wahl-Kalifornier Joe Cassidy besteht, der mit seinem vierten Album "Futures" – dem ersten seit 17 Jahren – den Pazifik mitten ins Wohnzimmer holt.

Ozeanisch, atmosphärisch, übermütig und zerbrechlich zugleich kommen die Songs daher, schon der Opener "Blind me so I may see" weckt angenehme Assoziationen an Death Cab For Cutie oder Turin Brakes, wenn flirrende Synthies und Cassidys Stimme über eine dichte Gitarrendecke hüpfen. Bei "Playfair steps" muss man an Youth Groups episches Alphaville-Cover von "Forever young" denken, der Lautstärkeregler dreht sich förmlich von selbst nach oben und bleibt bis zum Interlude "Sheets of whitewashed sun" konstant ebendort. Die Texte schwanken zwischen jugendlichem Übermut wie im emanzipatorischen "No longer living in your shadows" und wehmütiger Vergänglichkeit wie in der Pianonummer "Night music": "Time stands still / Like a perfect day / In your life / No one feels the same" – sicher, ein bisschen mehr lyrische Rafinesse hätte an manchen Stellen nicht geschadet, aber das sei ob der schönen Atmosphäre und makellosen Produktion mal verziehen.

Verzeihen kann man auch, dass man beim Intro von "Holding on" kurz schmunzeln muss, erinnert es doch ein wenig an die Top-Gun-Schnulzhymne "Take my breath away", biegt dann allerdings zum Glück in Richtung Greenhornes und Camera Obscura ab. Apropos Achtzigerjahre, die haben in "The only sound" ihren großen Moment, wenn Dark-Wave-Drums auf Post-Punk-Gitarren treffen und man unweigerlich mit gesenktem Kopf mitschunkeln möchte. Das leiseste Stück ist der melancholische Titeltrack "Futures" in welchem Cassidy zukunftsvergessen über das reduzierte Keyboard die Zeilen "Only left with the next day / There's nothing left to say" konstatiert.

Darauf folgt ein ergreifendes Crescendo mit dem hymnisch-düsteren "Lost in these machines", bei dem man an Electric President denken muss und das man sich anstelle von "Beauty #2", dem im Vergleich schwächsten Song der Platte, als Abschluss gewünscht hätte. Aber ebendieses fällt dank des Bonus-Tracks, dem verspielten Pink-Floyd-mäßigen "You are not a lonely place", ziemlich gelungen aus. Während die Synthies langsam leiser werden, kann man förmlich die Sonne im Meer versinken sehen und sich noch einmal nach Orange County und in den Zustand der ewigen Jugend träumen, wo es kein Morgen gibt, nur das Hier und Jetzt. Für immer.

(Martina Bähring)

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Highlights

  • Still learning to crawl
  • The only sound
  • Lost in these machines

Tracklist

  1. Blind me so I may see
  2. Still learning to crawl
  3. Playfair steps
  4. Our delays
  5. No longer living in your shadow
  6. Sheets of whitewashed sun
  7. A shot in the dark
  8. Night music
  9. Holding on
  10. The only sound
  11. Futures
  12. Lost in these machines
  13. Beauty #2
  14. You are not a lonely place (Bonus-Track)

Gesamtspielzeit: 50:10 min.

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User Beitrag

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2015-11-24 21:12:29 Uhr
Frisch rezensiert!

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