The Wainwright Sisters - Songs in the dark

The Wainwright Sisters- Songs in the dark

Maple / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 13.11.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zum Einschlafen

Schlaf- und Wiegenlieder also. Was Lucy Wainwright Roche und ihre Halbschwester Martha Wainwright als gemeinsames Projekt vorlegen, könnte man durchaus psychoanalytisch divers diskutieren. Es ist zwar auch eigenes Material dabei, doch ein Großteil stammt von anderen, etwa von Loudon Wainwright III, dem Vater, den sie mit Rufus teilen. Der hatte beiden solche Lieder zum Einschlafen vorgespielt, als sie noch Kinder waren. Nun sind sie wiedervereint beim Vater. Wahrscheinlich wird in mehreren Jahrzehnten eine an "Die Tudors" angelehnte TV-Serie über diese Familie so versierter Künstler entstehen, mit der auch Leonard Cohen verbandelt ist, da dessen Tochter Lorca Rufus' Kind austrug – alle potenziellen Konflikte inklusive. Das passt insoweit, als dass "Songs in the dark", dem thematischen Überbau geschuldet, ein etwas kitschiges Album geworden ist.

Nur die letzten sechs Lieder stammen von den Wainwright Sisters selbst und sind lediglich wenig interessant. Ihre Version des durch ein Cover von Simon & Garfunkel berühmt gewordenen "El condor pasa" ist traumwandlerischer und mystischer als die Eigenkompositionen, weil die Damenstimmen so wunderbar kontrastieren. Martha hat eine mädchenhafte, verschüchterte, die jedoch an dezidierten Stellen auch kraftvoll hervortreten kann. Lucy singt hingegen weit klarer und präziser. Abwechslungsreich ist dieses Stimmspiel auf Dauer jedoch nicht. In "Our mother the mountain", im Original von Townes Van Zandt, wirkt es matt, zumal die meisten Lieder nur von Gesang und kargem akustischen Gitarrenspiel getragen werden. In "Lullaby" kommen zwar noch analoge Synthies und etwas Mundharmonika hinzu, im instrumentalen "Russian lullaby" ein Piano – doch da endet die Variation bereits.

Und gerade das muss man bei "Songs in the dark" beachten. Dieses Album will kein abwechslungsreiches sein, kein übermäßig interessantes, sondern ein heimeliges, idealerweise auch für Kinder geeignet, die nicht einschlafen können. Darum gibt es atmosphärisch knisterndes Feuer im Hintergrund von "Do you love an apple" und Harmonien en masse. Selbst das eigentlich düstere "Baby rocking medley" von Rosalie Sorrels, in dem sich alles um schauerlichen Umgang mit Babys dreht, wirkt bei den Wainwright Sisters idyllisch. "Songs in the dark" ist so schön wie langweilig und so harmlos, wie es in dieser Harmlosigkeit charmant ist. Auch wenn "Long lankin" eine traditionell britische A-cappella-Mörderballade ist, die von Elend, Frust und Tod erzählt, lässt es sich zu diesem Stück friedlich wegschlummern. Ein gutes Album zum Einschlafen – doch immerhin ist das bei den Wainwright Sisters Kalkül und nicht wie bei den meisten anderen ungewollter Nebeneffekt.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • El condor pasa
  • Baby rocking medley
  • Long lankin

Tracklist

  1. Prairie lullaby
  2. Hobo's lullaby
  3. El condor pasa
  4. Lullaby
  5. Lullaby for a doll
  6. Runs in the family
  7. Baby rocking medley
  8. Screaming issue
  9. Long lankin
  10. Our mother the mountain
  11. End of the rainbow
  12. Dusty skies
  13. All the pretty horses
  14. Russian lullaby
  15. Do you love an apple
  16. Go tell aunt Rhody

Gesamtspielzeit: 49:15 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2015-11-17 21:26:11 Uhr
Frisch rezensiert.

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