Jeff Lynne's ELO - Alone in the universe

Jeff Lynne's ELO- Alone in the universe

Columbia / Sony
VÖ: 13.11.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Träume unterm Kopfkissen

Der Einfluss von Jeff Lynne auf die Rock- und Popmusik ist kaum zu ermessen. Als Produzent hat er die Karrieren von Roy Orbison, Tom Petty und George Harrison gerettet. Als Kopf des Electric Light Orchestras schuf er eine lange Reihe großer Hits. Sein Gespür für Melodien ist legendär. In den letzten Jahren aber war es ruhig um ihn geworden. Beinahe war man geneigt, einen Haken hinter seine Karriere zu setzen. Mit einem fulminanten Konzert im Londoner Hyde Park im letzten Sommer aber hat Lynne sich wieder ins Gedächtnis gerufen. "Alone in the universe" ist nun das dazugehörige Comeback-Album. Und Lynne haut nochmal so richtig einen raus.

Der inzwischen 67-Jährige bleibt auch auf Studio-Album Nr. 13 seiner gewohnten Vorliebe treu: Bombast-Pop trifft klassische Elemente und moderne Soundeffekte. In Lynnes Texte ist Nostalgie und Weisheit eingezogen. Gleich im wunderschönen Eröffnungstrack "When I was a boy" beschäftigt er sich mit der Vergangen- und Vergänglichkeit. Der Sänger schaut zurück auf seine Kindheit und erinnert sich an die Nächte, in denen er unterm Kopfkissen die Musik seiner Idole hörte und von einem Leben als Musiker träumte. Verpackt hat Lynne, dessen Stimme keinerlei Spuren von Alterung aufweist, das Ganze in eine der stärksten Melodien des Albums. Es ist ein grandioser Auftakt zu einem ebenso grandiosen Album. ELO-typisch geht es weiter mit "Love and rain" und "Dirty to the bone", die beide durchaus auch auf "Discovery" oder "Out of the blue" gepasst hätten.

In der von Offbeat-Gitarre geprägten Pop-Perle "When the night comes" kommt dann auch der bandtypische Vocoder wieder zum Einsatz. Spätestens beim Gitarren-Solo muss man lächeln ob all der fantasievollen Finessen, die Lynne hier anwendet. Herausragend stark ist "The sun will shine on you". Lynne schlüpft hier in die Rolle des Ratgebers und Ermutigers, teilt mit dem Hörer seine gewonnenen Lebenserkenntnisse. Die Komposition kommt meisterhaft vielschichtig und ausgetüftelt daher. Allein dieser Track ist den Kauf des gesamten Albums wert, eine Lehrstunde in Sachen Songwriting und ein Song, der mit jedem weiteren Durchlauf neue Feinheiten offenbart. Stark auch das Ende dieses Albums: "All my life" ist wundervoll sentimentaler Pop mit tollen Streicher-Arrangements. Der pompöse Titeltrack rundet die offizielle Tracklist gelungen ab, bevor mit "Fault line" und "Blue" noch zwei Extra-Schmankerl der Deluxe-Edition warten.

Es ist schon überraschend, wie stark sich Lynne zurückmeldet. Es ist diese Widmung, mit der er seine Musik detailverliebt ausstaffiert. Wie er die Geschichte seiner Vision vom perfekten Pop weiterschreibt. Und wie er damit voll ins Schwarze trifft. Es gibt nicht viele, die scheinbar ein Leben lang Songs in dieser Qualität schreiben können. Insofern ist Lynne in der Tat beinahe "Alone in the universe". Hoffentlich sitzt irgendwo auf dieser Welt ein kleiner Jung unterm Kopfkissen und beginnt das Träumen.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • When I was a boy
  • The sun will shine on you

Tracklist

  1. When I was a boy
  2. Love and rain
  3. Dirty to the bone
  4. When the night comes
  5. The sun will shine on you
  6. Ain't it a drag
  7. All my life
  8. I'm leaving you
  9. One step at a time
  10. Alone in the universe
  11. Fault line
  12. Blue

Gesamtspielzeit: 55:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Flashback
2016-02-28 02:21:20 Uhr
Yep in Oberhausen Block 112, die Vorfreude steigt!
Eldorado
2015-12-19 02:28:56 Uhr
Alone in the universe ist das grandiose Alterswerk eines völlig unterbewerteten Künstlers, dessen Virtuosität schon Alleinstellungsmerkmal im heutigen Musikgeschäft besitzt.
Meine persönlichen Favoriten: Alone in the universe, When the night comes, One step in a time und Love and rain.
Leider müssen wir Resonatoren immer jahrelang warten, bis der Maestro wieder etwas veröffentlicht.

Hey Boy Blue is back.
Hey Boy Blue is back.
Hey Boy Blue is back.
Wir sehen uns in Oberhausen, Block 112.
summersurfer
2015-12-18 17:29:10 Uhr
Ein tolles, rundes Album. Einziger Kritikpunkt ist die kurze Laufzeit! Nebenbei: DAS ist das Cover des Jahres 2015!!!
Albi
2015-12-18 16:53:13 Uhr
Jeff at Hits best.....10/10

lynnejim

Postings: 1

Registriert seit 18.12.2015

2015-12-18 15:00:36 Uhr
Zunächst einmal grüße ich alle Musikbegeisterten hier.
Ich höre AITU auch auf Dauerschleife. Für mich das Album des Jahres. Freue mich, dass JL zumindest in UK großen Erfolg hat (dort seit 5 Wochen in den Top-Ten). Ich bin natürlich vorbelastet, da ELO schon immer meine Lieblingsband war. Das neue Album entfaltet für mich eine Sogwirkung, sprich: es wird gefühlt mit jedem Hören besser und macht süchtig. Besonders klasse empfinde ich den Hörgenuss am späten Abend. Es ist irgendwie ein Nachtalbum, nicht nur wegen des Songs When The Night Comes. Einzig auf den Song faultline hätte ich verzichten können, da er klar das schwächste Stück ist und nicht in den Album flow passt.

@fräger: Ich würde Shangri-La mit dem berühmten 2 Minuten-Outro empfehlen. Dies ist der letzte Track auf dem Album A New World Record (1976). Oder Tightrope vom selben Album. Oft übersehen: Eldorado plus Eldorado finale am Ende des gleichnamigen Albms von 1974.

P.S.: Kürzlich gab es wieder Sonderlob von Kollegen für das neue ELO-Album, und zwar von David Gilmour (BBC Interview) und Elton John.
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