Razz - With your hands we'll conquer

Razz- With your hands we'll conquer

Long Branch / SPV
VÖ: 30.10.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ganz und gar nicht blass

Das stereotype Leben mit 18, 19, 20: Man macht sein Abitur oder schließt seine Ausbildung ab, lässt es beim Feiern ordentlich krachen und sauft und kifft vielleicht ein bisschen zu viel. Auch in einem Kaff namens Schöninghsdorf im Emsland dürften etliche Heranwachsende in diesen Jahren der frühen Adoleszenz die üblichen Dinge getan haben, die man in diesem Alter eben so macht. Nicht so die vier Milchgesichter von Razz, die sich 2011 im Alter von 15 und 16 Jahren dazu entschlossen den Indie-Rock mal eben vor der drohenden Belanglosigkeit zu retten. Festzuhalten, dass ihre Musik so ein wenig nach 2007 oder 2009 klingt, wäre schamlos untertrieben, aber das ist andererseits auch gar nicht schlimm oder wild – wenn man derart feine Songs in petto hat.

Wenn man dann auch noch, ähnlich wie die Senkrechtstarter AnnenMayKantereit in Henning May, einen Sänger wie Niklas Keiser in seinen Reihen hält, der den hörbaren musikalischen Ambitionen die feine und besondere Note anhaftet, passt schon sehr Vieles. Ähnlich wie bei May, fragt man sich auch bei Keiser zuallererst: Wie kommt so ein blass und schüchtern anmutender junger Mann zu einem solchen Gesangsorgan? Keiser singt erstaunlich gefühlvoll und kann, wenn immer nötig, den Blues aus den Tiefen seiner Stimme holen, die solch düstere Tanzflächen-Feuerwerke wie den Opener "Black feathers" wunderbar zu tragen vermag. 2013 gewannen Razz sämtliche Nachwuchswettbewerbe der Radiostationen, veröffentlichten mit "Turning shadows" bald ihre erste Single, und begeisterten auf den großen Sommerfestivals 2014 eine mehr als beachtliche Fanschar – für eine Band ganz ohne Platte, wohlbemerkt.

Mit "With your hands will conquer" erscheint nun endlich ihr Album, das auch alle bisher bekannten Tracks des Vierers aus dem Emsland versammelt und die lange Wartezeit für die treue Fanschar beendet. Ein Debüt, das sich musikalisch und atmosphärisch irgendwo zwischen Bloc Partys intensivster Platte "A weekend in the city", zeitgemäß-bluesigem Pop-Rock der Marke Kings Of Leon bewegt, in den besten Momenten die Tanzschuhe von Two Door Cinema Club anzieht und mit der Frische aus Mando Diaos guten, alten Tagen daherkommt. Wer nicht viel Zeit hat, dem serviert die Auskopplung "Youth & enjoyment" einen ziemlich passgenauen Eindruck der grundsätzlich überraschend erwachsenen DNA dieser jungen Truppe. Entscheidend für die Qualität der Platte jedoch sind nicht zuallererst die Referenzen. Bemerkenswert sind die musikalischen Fertigkeiten von Razz. Mit punktgenauem, beinahe perfektioniertem Beat überzeugt nicht nur das hittige "1953-Hillary", die ohrwurmigen "Broken gold" und "I'll be your ghost", sondern beinahe alle Stücke.

Auch "Turning shadows" und "Rising tide" kombinieren Tanzbeat, flirrende Indie-Gitarren und Refrains, die in ihrer Melodieseligkeit und Penetranz zunächst zu nerven scheinen, aber neben der angenehmen Gesamtstimmung wohl der Grund sind, warum man mit beinahe jedem Song gut Kirschen essen kann. "With your hands we'll conquer" ist ein Album, randvoll mit potentiellen Singles und Hits – jeder einzelne könnte den großen Durchbruch bringen. Tatsächlich hatten Razz auch die Geduld, an ihren Kompositionen zu schrauben, bis diese wirklich rund waren. Der schöne "Wake up little boy / You've run too fast"-Part zum Schluss von "Gigantic windows" etwa, oder das Finale von "Rising tide", bei dem Gitarren und Schlagtakt die vier Buchstaben "Rock" groß aufleuchten lassen. Oder der Blues-Rock-Stampfer "Postlude", der in nicht mal drei Minuten auf gekonntem Riffing und wild gewordenen Drums alle Zweifel in Sachen Grünschnabeligkeit beiseite fegt: Ganz und gar nicht blass, diese Jungs.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Black feathers
  • Turning shadows
  • Rising tide
  • Postlude

Tracklist

  1. Black feathers
  2. 1953-Hillary
  3. I'll be your ghost
  4. Blink of an eye
  5. Turning shadows
  6. Gigantic windows
  7. Rising tide
  8. Ember & dust
  9. Youth & enjoyment
  10. Broken gold
  11. Postlude
  12. The blood engine

Gesamtspielzeit: 43:02 min.

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Armin

Postings: 14239

Registriert seit 08.01.2012

2015-11-12 22:36:11 Uhr
Nicht mehr, danke.

Hier stand Ihre Werbung

Postings: 78

Registriert seit 25.09.2014

2015-11-12 09:43:53 Uhr
Und der "frisch rezensiert"-Link führt auch noch zum falschen Album...

eric

Postings: 1995

Registriert seit 14.06.2013

2015-11-12 09:25:28 Uhr
Doch. Natürlich. Tragen wir nach, muss sich aus der Tracklist geschlichen haben. Danke!
Helmut
2015-11-12 07:56:05 Uhr
Ist youth and enjoyment nicht auf dem Album?

Armin

Postings: 14239

Registriert seit 08.01.2012

2015-11-11 21:10:04 Uhr
Frisch rezensiert!

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