Mike Krol - Turkey

Mike Krol- Turkey

Merge / Cargo
VÖ: 04.09.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Scheiße wie geil

Das vielleicht hässlichste und dämlichste Cover des Jahres. Ein Albumtitel, der zwar an ein Tier oder ein Land erinnert, aber eigentlich eine Bowling-Hommage ist. Neun Songs, von denen der längste gerade so die Drei-Minuten-Marke erreicht. Ein Album, das man in nicht sonderlich viel mehr als einer Viertelstunde durch hat. Das wohl käsigste "Oh yeah" der Musikgeschichte, das zudem auch noch, wie sollte es anders sein, den Opener einleitet. Sechzigerjahre-Schrammelrock mit hochgezogener Oberlippe, hingerotzte Lausbuben-Attitüde, zum Schluss eine Pianoballade. Mike Krol hat Humor.

Das alles ist irgendwie so scheiße, dass es schon wieder geil ist. Irgendwie. Tatsache: "Turkey" ist Krols drittes Album. Der Mann aus Wisconsin hat vorher zwei Werke in Eigenproduktion veröffentlicht, die kaum mehr als 500 Exemplare verkauft haben, jetzt ist er beim Indie-Label Merge unter Vertrag und macht trotzdem, was er will. Viel Zeit braucht man dafür nicht. Hat heutzutage ja eh niemand mehr. Will man für Krol ganz ehrlich auch nicht aufbringen. Der will das wahrscheinlich nicht mal selbst. "Suburban wasteland", jener Opener mit dem käsigsten "Oh yeah" der Musikgeschichte, streckt dem Hörer zum Aufwärmen bereits in den ersten eineinhalb Minuten beide Mittelfinger ins Gesicht und grinst dabei auch noch frech. Und danach? Ist das Stück vorbei. Zack, zack, nächster, ohne freundliche Bitte.

"La la la" hält, was der Titel verspricht. Mit entsprechendem Refrain, begleitet von einem astreinen, fantastisch-hypnotischen Beat, wird Mutti auch gleich noch beruhigt: "Oh mama / I'm not depressed / Just had a few things / To get off my chest", alles wird gut. Trotzdem fühlt es sich irgendwie mies an, selbst in einer Szene voller Außenseiter ein noch größerer Außenseiter zu sein, wie Krol im stürmischen "Left out (Attn: SoCal garage rockers)" zugibt. Dann macht er eben sein eigenes Ding, hat bisher ja auch gut geklappt. Im elektrifizierten Pop-Punk "Less than together", mit drei Minuten das mit Abstand (!) längste Stück des Albums, muss er dafür nicht mal einen einzigen Ton treffen. Und zum Schluss? Da klimpert sich Krol einen. Kein Scherz. In "Piano shit" ertönt für genau eine Minute und 18 Sekunden die womöglich schönste Klaviermelodie, die je auf einem Garage-Rock-Album gespielt wurde. Dann hört Krol mit den Worten "I didn't sign up for this shit" auf. Wir auch nicht. Aber geil ist der Scheiß trotzdem.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Suburban wasteland
  • La la la
  • Less than together

Tracklist

  1. Suburban wasteland
  2. Neighborhood watch
  3. Left out (Attn: SoCal garage rockers)
  4. Save the date
  5. This is the news
  6. La la la
  7. Cactuses
  8. Less than together
  9. Piano shit

Gesamtspielzeit: 18:34 min.

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