Martin Courtney - Many moons

Martin Courtney- Many moons

Domino / GoodToGo
VÖ: 30.10.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Hinter der Horizontalen

Da weiß man, was man hat: Wenn Musiker in mehreren Bands mitmischen, klingen die meistens recht ähnlich. Ist ja auch gar nicht schlimm. Üble Überraschungen bleiben somit glücklicherweise oft aus und man kann schon irgendwie erahnen, was einen bei bestimmten Songs oder Alben erwartet. Das ist bei den Surf-Poppern von Real Estate aus New Jersey nicht anders. Deren Gitarrist Matt Mondanile war drei Jahre vorher schon mit Ducktails unterwegs und entfernte sich dabei nicht unbedingt weit von seinen bereits gewohnten Gewässern. Bassist Alex Bleeker lässt es mit The Freaks vielleicht etwas ruhiger angehen, die Parallelen sind aber deutlich hörbar. Nun könnte man darüber streiten, ob Martin Courtney als Leadsänger eher einen Vorteil oder Nachteil gegenüber den Kollegen hat, da man die Stimme so oder so immer auch mit Real Estate in Verbindung bringen wird.

Es ist aber viel mehr als nur das. Wie bei Real Estate tanzt Courtney auf seinem Solodebüt "Many moons" zwischen federleichten Melodien und bleischwerer Melancholie. Dass die Veröffentlichung in genau jenem Jahr stattfindet, in dem sich auch die beiden Kollegen wieder den Nebenprojekten gewidmet haben, mag Zufall sein, Courtneys Alleingang dürfte das imaginäre Rennen um die Gunst der Real-Estate-Fans aber nicht nur dank der Stimme gewinnen. Allein das wunderbar verschlafene "Asleep" mit seinem Orgel-Einsatz und der Unterstützung von Lo-Fi-Künstler Julian Lynch lädt zum gemeinsamen Träumen ein. Auch der wehmütige Finaltrack "Airport bar" spielt mit dem Traum-Element, offenbart aber zwischen den Zeilen auch die vermeintliche Einsamkeit des Tourlebens. Der sich ständig auf Reisen befindende Familienmensch lässt hier tief blicken: "I got in too deep when I was asleep / I thought I had made it / Life in that dream was just what it seemed / If I knew then what I know now / I would not have stayed", singt er hier und fleht anschließend: "Please don't go forgetting about me."

Nicht alles auf "Many moons" findet in der Horizontalen statt, wenngleich eine ebensolche Position beim Hören sicher nicht schadet. Das von Streichern getragene "Before we begin" weckt Erinnerungen an Real Estates "Atlas", "Little blue" hingegen an einen Roadtrip mit der merkwürdigen Entspanntheit durch das Wissen, endlich mal nicht für jeden erreichbar zu sein – oder sein zu müssen. Überhaupt teilt Courtney gern seine Gedanken über Vergangenes mit, verzichtet dabei aber glücklicherweise fast gänzlich auf das übertrieben warme Leuchten, welches das Gedächtnis so oft um alte Bilder zeichnet: In liebevoll und vor allem üppig instrumentierten "Vestiges" etwa erinnert er sich an verschimmelte Keller und eingezäunte Gärten. Einen großen Schritt nach vorne in die Zukunft macht hingegen "Northern highway", in dem Courtney schon mal wage über den Ruhestand nachdenkt. Und wieder ist sie da, diese Melancholie, die man schon von Real Estate kennt. Und von Ducktails. Und von Alex Bleeker And The Freaks. Und nun – zum Glück, möchte man sagen – auch von Martin Courtney persönlich.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Vestiges
  • Northern highway
  • Asleep

Tracklist

  1. Awake
  2. Foto
  3. Vestiges
  4. Before we begin
  5. Northern highway
  6. Many moons
  7. Asleep
  8. Little blue
  9. Focus
  10. Airport bar

Gesamtspielzeit: 37:23 min.

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qwertz

Postings: 403

Registriert seit 15.05.2013

2015-11-11 23:00:43 Uhr
Gutes Album! Highlights sind für mich der zuckersüße Titeltrack und "Airport Bar". Mit einer handvoll weiteren Songs plus ein paar von Ducktails "St. Catherine" ergibt das schon ein konkurrenzfähiges Real Estate-Album.

Armin

Postings: 14507

Registriert seit 08.01.2012

2015-11-11 21:06:09 Uhr
Frisch rezensiert!

Meinungen?

Gordon Fraser

Postings: 1192

Registriert seit 14.06.2013

2015-10-30 19:38:00 Uhr
Soweit ich weiß ist Courtney seit 2012 mit 'ner Frau verheiratet. Insofern, wahrscheinlich ja.
@Gordon
2015-10-30 17:33:40 Uhr
Hetero?

Gordon Fraser

Postings: 1192

Registriert seit 14.06.2013

2015-10-30 16:39:08 Uhr
Also mich interessiert's. Ist halt ein klassisches Soloalbum, das genauso klingt wie die Hauptband. Was in diesem Fall natürlich nur Gutes verheißt und auch umsetzt.
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