IAMX - Metanoia

IAMX- Metanoia

Metropolis / Caroline / Universal
VÖ: 13.11.2015

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zu viel Lidschatten macht blind

Dick auftragen kann Chris Corner wie kaum ein zweiter: ob Lidschatten oder bei der Selbstinszenierung als musikalischer Edward mit den Scherenhänden. Gerade mit seinem pathosreichen Düsterpop inklusive Elektro-Industrial-Schwurbeleien stiert er nahezu konkurrenzlos aus einer Musikwelt hervor, der er eigentlich sowieso den Rücken zugewandt hat. Die Fanbase, besonders groß in Deutschland, goutiert sein Schaffen mit kollektiv gesammelten Produktionsgeldern. Nichts stand der völligen kreativen Hingabe am sechsten Album "Metanoia" im Weg. Auch hat der bleiche Londoner, der zwischenzeitlich in Berlin lebte, das Album im Wüstenumfeld seiner neuen Wahlheimat Los Angeles aufgenommen.

Immer wieder möchte Corner seinem Idol Trent Reznor nacheifern. Doch dieser hat sich in den Morast der eigenen Schandtaten und -gedanken gewälzt, die Gottesverlassenheit festgestellt und ist nur tiefer im Sumpf untergegangen. Corner macht das weit grobschlächtiger, buddelt hier, dann dort und kommt weder voran, noch tiefer. All seine Hoffnungen im nett beginnenden "Happiness" und die Wehklagen über die eigene Schwermut aus "Say hello melancholia" wirken wie misslungenes Method Acting. Statt ein Thema zu finden, reiht Corner Albtraumszenarien aneinander: Schlaflosigkeit, Zombies, allgemeine Unzufriedenheit, you name it. Wenig förderlich sind dann die läppischen Reime, wie "citizen" auf "children" und "life" auf "wife" in "The background noise", der auch einen unpassenden Kinderchor bemüht. "Metanoia" verträgt diesen vielen Glam nicht, die tänzelnden Beats, die schrill herein grätschenden Synthies – hier ist alles Effekt im Affekt und darum: wirkungslos.

Mit IAMX hat Corner bereits manch düster ziselierte Ballade dargeboten, auf IAMX6 – wie er die eigenen Werke durchnummeriert – wird eine solche kaputt gesungen. In "Surrender" akzentuiert er die Silben so übertrieben wie ein Martin L. Gore, dabei möchte er sowohl an die großen Gesten von Matthew Bellamy erinnern, wie an die Schockeffekte eines Marilyn Mansons andocken. Als ein solch eingespielter Schock ist auch "Aphrodisiac" zu verstehen mit grellem Falsett und unstetem Synthie-Beat-Mix. Der Hörer soll perplex gemacht werden, in dieser unbegrenzten Offenheit, in der Corner über seine psychischen Traumata singt. Als Ganzes ist das wohlfeil, musikalisch wie textlich.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

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Tracklist

  1. No maker made me
  2. Happiness
  3. North star
  4. Say hello melancholia
  5. The background noise
  6. Insomnia
  7. Look outside
  8. Oh cruel darkness embrace me
  9. Aphrodisiac
  10. Surrender
  11. Wildest wind

Gesamtspielzeit: 43:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
trveart
2016-02-21 11:49:35 Uhr
klasse video für northstar

https://www.youtube.com/watch?v=FLmC2hSRwKM
Revenga
2015-11-21 18:18:10 Uhr
Meine Bewertung 6/10 (Unified Field 9/10) Ich würde das Album auch nicht so schlecht bewerten (finde die Rezension auch unmöglich geschrieben), dennoch finde ich es schwächer als die vorigen und verstehe die brillianten Rezensionen als "Bestes" Werk überhaupt nicht.

Beste Songs meiner Meinung nach:
North Star/Background Noise/Look Outside/Wildest Wind
Diese finde ich so verzaubernd, emotional berührend, kreativ und intelligent geschrieben wie ich es von iamx so schätze.

Mediocre: Insomnia/Happiness

Auch nach etlichen Durchgängen finde ich den Rest leider plätschernd, musikalisch zu uninspiriert und inhaltlich zu flach. Denn mich faszinieren gerade die vielen Facetten in denen Chris Melancholie ausdrücken kann ohne in unerträglichen Gruft Kitsch zu verfallen. Eben nicht "Hello Melancholia" oder oh ich hab noch nicht erwähnt, dass ich Atheist bin also "No maker made me" oder oh ich brauche den Quoten Hedonismus Song "I will love you like I've never loved before
You're my hardcore obsession, only you can make me whole" mit 0815 Gothic Industrial Hintergrundgedudel.

Inhaltlich ist grade Surrender sicher einer der berührendsten Songs, weil er so unfassbar offen und persönlich ist und sicher deshalb musikalisch auf dem absoluten Minimum gehalten wurde, wie der Rest der Songs (außer meine 4 Ausnahmen) aber es geht eben um Musik. Das will keiner hören aber meiner Meinung nach kann man die paar Sythie Spuren auch hinter eine 08/15 Mainstream Vögelchen Ballade klatschen und keiner merkt den Unterschied. Hier fehlt so jegliche Inspiration, da rettet auch der Text nicht.

Würde das Album gerne weiter kontrovers diskutieren. Jemand einen Hinweis auf eine gute Plattform dafür? ;)
mercury666
2015-11-07 14:59:35 Uhr
3/10 ist ne Frechheit, wenn man den Vorgänger "The Unified Field" mit 8/10 bewertet hat. "Metanoia" ist um Längen besser, ein richtig geiles Album. Eher wäre das davor bei 5 bis 6/10 und das neue ne 8/10.
Aber es ist immer wieder lustig hier Verrisse von Alben zu lesen, die eigentlich ziemlich gut sind. Gibt's fast nur hier. Ach ja...
@thinkman
2015-11-06 12:56:47 Uhr
Kann ich nur zustimmen!
Klasse album...besonders wenn man nachempfinden kann worüber er singt.
Die rezi kann ich auch nicht ernst nehmen!
Thinkman
2015-11-06 10:37:11 Uhr
3 Punkte? Soll das ein Witz sein?

Die Scheibe ist deutlich besser als die letzten beiden und die waren auch schon ziemlich gut (nix kommt an Kingdom of Welcome Addiction ran). Hab sie die Woche live gesehen und das war auch wieder genial.

Dass Chris hier seine schlimmer Krankheit in fast allen Songs verarbeitet, ist dem ahnungslosen Rezensenten anscheinend nicht aufgefallen und er wirft ihm Method Acting und Aneinanderreihung von Albtraumszenarien vor. Voll am Thema vorbei, würde ich mal sagen.

Das ist so ziemlich die schlechteste Rezi, die ich bei Euch je gelesen hab, sorry.

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