Innfight - Boulevard of pain

Innfight- Boulevard of pain

Innfight / Cargo
VÖ: 18.09.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In der Offensive

Dass man zugleich redundant und relevant sein kann, beweisen die Mannheimer von Innfight. Hier sind sechs Veteranen versammelt, die sich und der Welt nichts mehr beweisen müssen, sondern einfach machen, wonach ihnen der Sinn steht. Dass das im Falle dieses Debütalbums altbekannter und streng genommen relativ austauschbarer Alternative-Rock amerikanischer Prägung ist, ist angesichts des durchweg launigen Liedgutes mehr als verschmerzbar. Die Bezeichnung "kurzweilig" war wohl selten angebrachter als hier.

Die 2013 gegründete Band spult das volle Programm des angriffslustigen Ami-Rocks ab. Für das Ausleben schweißtreibender Moshpit-Aggressionen ist gesorgt; eingängige Melodien sorgen dabei für die nötige Auflockerung. Schon "All in" kann als Aufforderung verstanden werden: Alle Mann antreten zum Abrocken! Riffs und Refrains toben auch in den anschließenden "Liar's place" und "Till I fall" perfekt getimet durch die vor einsetzender Ekstase vibrierenden Hirnwindungen. Der geneigte Hörer hat gar keine andere Wahl, als dem Lautstärkeregler das Maximum abzuverlangen. Zum Glück verstehen es Innfight, bei ihren Härtefällen das Tempo zu variieren und mit melodischen Einsprengseln aufkeimenden Abnutzungserscheinungen vorzubeugen. Im Klotzen besteht eh weder die ganze, noch die große Kunst, man muss auch gut kleckern können. Innfight gelingt es mit Bravour, die damit verbundene dynamische Balance umzusetzen, die nötig ist, um einem an und für sich nicht besonders markanten Album wie "Boulevard of pain" eine Daseinsberechtigung mit Daueraufenthaltserlaubnis zu verleihen.

Dass sich der Sechser keine Schwäche leistet, mag natürlich auch einfach daran liegen, dass sie eine bewährte Erfolgsformel anwenden, doch im Zweifel gilt immer noch: besser gut adaptiert, als schlecht neu erfunden. Und so beeinträchtigt es in keinster Weise die Begeisterung, dass man eine melodietrunkene Hymne wie "Memories" von der Konkurrenz aus Übersee schon ähnlich gehört hat. Apropos Begeisterung: Für Fans diesen Stils dürfte die spätestens mit dem fulminanten "Heart like a stone" einsetzen, einem Song, an dem schlichtweg alles stimmt, was stimmen kann. Neben "Missed by the one" ist das der Track, der sicherlich am stärksten in Erinnerung bleibt.

Schon der Bandname legt ja nahe, dass die Mannheimer Mucke für die Muckibude machen. Adrenalingetriebene Aktivitäten profitieren von "Boulevard of pain" besonders. Obwohl folglich auf direkt wirksame Intensität ausgelegt, gibt es auf dem Album gerade in der zweiten Hälfte auch erfolgreiche Versuche mit sorgsam aufgebauten Spannungsbögen. Besonders gelungen ist das im abschließenden "Lights and shadows", das sich im Vergleich zum Rest des Albums fast schon zurückhaltend an seinen Refrain-Höhepunkt herantastet. Auch wenn Innfight auf ihrem Debüt also in erster Linie Offensivqualitäten an den Tag legen, deutet sich doch an, dass ein eventueller Nachfolger auch vermehrt mit Defensivstärken punkten könnte.

(André Schuder)

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Highlights

  • Memories
  • Heart like a stone
  • Missed by the one
  • Lights and shadows

Tracklist

  1. All in
  2. Liars place
  3. Till I fall
  4. Memories
  5. Heart like a stone
  6. Breathe
  7. Something new
  8. System of pain
  9. Missed by the one
  10. Lights and shadows

Gesamtspielzeit: 47:14 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2015-11-04 21:19:24 Uhr
Frisch rezensiert!

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