Ellie Goulding - Delirium

Ellie Goulding- Delirium

Polydor / Universal
VÖ: 06.11.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Marathon-Frau

Fun fact: Ellie Goulding hat gemäß eigener Aussage "Fifty shades of Grey" (noch) nicht gesehen. Wie auch, wenn die 28-Jährige die ganze Zeit im Studio war, um an dem zu schrauben, was sie als ihr "big pop album" bezeichnet? Mitgeschraubt haben unter anderem Greg Kurstin, Max Martin, Ilya Salmanzadeh und OneRepublics Ryan Tedder – durch die Bank Herrschaften, die bereits Charterfolge von Adele, Kylie Minogue, Lily Allen, Katy Perry oder P!nk verantworteten. Allzu viel schiefgehen kann auf "Delirium" also zumindest objektiv gesehen nicht. Allein darum nicht, weil "Love me like you do", der Tränenzieher mit der meterdicken Platin-Schicht, hier nochmals vertreten ist und so auch alle Hörer einsammelt, die sich nicht dazu durchringen konnten, den Soundtrack zum eingangs erwähnten Erotik-Blockbuster zu kaufen. Nächster Aktivposten: der vorab veröffentlichte, formidable Pop-Shuffle "On my mind", der sich im Ohr festsetzt wie unachtsam aufgetragener Sekundenkleber. Und auch sonst verschafft sich Goulding Gehör.

Etwa mit bumsenden Upbeat-Hopsern wie dem von diskreten Gitarrenschüben zerätzten "Aftertaste" oder "We can't move to this", das seinen Titel grinsend Lügen straft, auch wenn der gedoppelte Gesang zuweilen einen Schluck zu viel aus der Heliumpulle abbekommen hat. Die zweite Single "Army" drückt sich zunächst ähnlich schüchtern wie "Love me like you do" durch die Studiotür, wächst nach gebührender Anlaufzeit jedoch zur Hymne für die ganz großen Arenen an. Und auch Gouldings wenigstens ansatzweise immer noch vorhandene Indie-Credibility kommt mit dem glucksenden Uptempo von "Around U" und dem unter Mithilfe von Kent-Frontmann Joakim Berg entstandenen Popowackler "Lost and found" zu ihrem Recht. Angesichts des voluminösen Produktionsrahmens ist es dabei keine große Überraschung, dass Goulding ihre Wurzeln als maßvolle und grundsolide Singer-Songwriterin hier weitestgehend vernachlässigt – und dass für Subtilitäten erst recht wenig Platz bleibt.

Diese sind auf "Delirium" nämlich längst unter dem dicken Apparat aus quietschenden Electronics, Sampling-Spielereien und tiefergelegtem Großraumdisco-Tuning begraben und finden sich allenfalls als Spurenelemente in fein gezupften Intros – sofern sie nicht alsbald von der digitalen Studiowalze überrollt werden. Doch so muss das wohl sein, wenn "Something in the way you move" und "Keep on dancin'" unmissverständlich auf den Tanzboden zeigen oder die Schnappatmungs-Chöre von "Holding on for life" aus einer Sauna herüberwehen, in der man sich viel bewegen muss. Was in Gouldings Sinne sein dürfte, zumal sie seit geraumer Zeit mit ihrem ersten Marathon liebäugelt. Genug Puste beweist die Britin bei dieser Leistungsschau modern aufgepumpter Popmusik allemal – wirklich geholfen ist mit einem so gefälligen wie ernüchternd stromlinienförmigen Album wie "Delirium" aber niemandem. Vielleicht am Wochenende also doch lieber ins Kino statt in die Disco? Es muss ja nicht unbedingt dieser eine Film sein.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Aftertaste
  • On my mind
  • Lost and found

Tracklist

  1. Intro (Delirium)
  2. Aftertaste
  3. Something in the way you move
  4. Keep on dancin'
  5. On my mind
  6. Around U
  7. Codes
  8. Holding on for life
  9. Love me like you do
  10. Don't need nobody
  11. Don't panic
  12. We can't move to this
  13. Army
  14. Lost and found
  15. Devotion
  16. Scream it out

Gesamtspielzeit: 56:31 min.

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User Beitrag

Dan

Postings: 235

Registriert seit 12.09.2013

2015-11-29 13:37:50 Uhr

Wird mit jeder neuen Platte weniger wagemuttig und entspricht mehr und mehr dem "typichen" Popstar von Welt. Schade. Für den ein oder anderen Ohrwurm reicht es aber noch.
geile Sau
2015-11-29 13:16:09 Uhr
Das Cover macht mich rattig.

Affengitarre

Postings: 3882

Registriert seit 23.07.2014

2015-11-29 13:12:29 Uhr
Das Cover sieht ja furchtbar aus.

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2015-11-29 01:19:15 Uhr
Ihr Debut fand ich recht gut und ihre damaligen Liveauftritte unter reger Verwendung der Folkgitarre, die die sehr electropop-/folktronicaartigen Songs angenehm gesetzt interpretierte, ebenso.
Mittlerweile gibt es zu der Dame aber einfach nichts mehr zu sagen, der Output und die Präsentation der Person spricht für sich.
taste
2015-11-29 00:49:38 Uhr
Kein einziger User hier anwesend außer dem PT-Chef? Bezeichnend für Goulding. :D
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