Trust Fund - Seems unfair

Trust Fund- Seems unfair

Turnstile / Caroline / Universal
VÖ: 30.10.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schirmlos im Regen

Wales ist im Wesentlichen bekannt für seine Spitzenkicker Ryan Giggs und Gareth Bale, sowie für einen idyllischen Ort mit dem hübschen Namen Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Nicht so megamäßig bekannt ist Wales hingegen für seine florierende Indiepop-Szene, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denkt sich möglicherweise Ellis Jones, Kopf, Hand und Herz der mittlerweile in Bristol ansässigen Band Trust Fund. Mit ebenjener pflegt Jones ein erstaunliches Arbeitsethos: Erst im Februar erschien ihr sympathisches Debüt-Album "No one's coming for us", auf dem sie mit elf kleinen, lakonischen Indierock-Perlen in einer guten halben Stunde zu überzeugen wussten. Für den flotten Nachfolger hat sich kaum etwas verändert. Immer noch spielen Trust Fund kurzweiligen Gitarrenpop, der minimalistisch und präzise um den eigenen Bauchnabel kreist.

Innovationspreise gewinnt man dafür freilich nicht, doch hier geht es eh um etwas ganz anderes: Trust Fund stehen mit ihrem Sound knietief in den 90er-Jahren und erfreuen sich selbst diebisch an all den Pixies- und Weezer-Momenten, die sie großflächig auf ihrem zweiten Album verteilt haben. Thematisch handeln die Songs von so typischen Jungssachen wie Fußball, Ungerechtigkeiten in der Liebe oder, na klar, Muttertag. Die Gitarren schrubbeln und fiedeln dabei stets zufrieden vor sich hin und sorgen für wohliges Grummeln im Bauch, während die Drums meist eher wie nasse Pappkartons klingen, was der Freude aber kaum Abbruch tut. Im zurückhaltenden Titelsong wird es dann sogar regelrecht melancholisch: Jones' verschnupfte Stimme steht ohne Schirm und Kapuze im verregneten Vordergrund, während ihm die werte Bandkollegin Rückendeckung gibt. Durchgeweicht und traurig ist Jones da allerdings schon längst.

Viel mehr Trübsal gibt es auf "Seems unfair" nicht. Einiges, insbesondere der fidele Boy/Girl-Gesang, weckt hingegen Erinnerungen an das britische Quartett Veronica Falls, das mit seinem selbstbetitelten Debüt 2011 aus dem Stand Herzen und iPods erorberten. Ganz so schnell wird dies bei Trust Fund wohl nicht funktionieren, dafür wirken die Songs noch zu verpennt. Ihren unergründlichen Charme lassen sie dennoch spielen, in all jenen Verrenkungen und mit dem schiefen Lächeln, das sie aufsetzen, wenn sich der nächste umwerfende Refrain ankündigt. Dass sie damit noch nicht zum walisischen Nationalsymbol taugen: geschenkt. Es müssen ja nicht immer Superlative sein. Trust Fund suchen ihr Glück im Kleinen. Und finden es, irgendwo zwischen Madrid und Orten, die aussehen wie die Reste bei Scrabble.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Michal's plan
  • Football

Tracklist

  1. Michal's plan
  2. Football
  3. 4th August
  4. Mother's Day
  5. Seems unfair
  6. Dreams
  7. Dreamers
  8. Scared II
  9. Big asda
  10. Can you believe

Gesamtspielzeit: 29:31 min.

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Herder

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Registriert seit 13.06.2013

2015-11-10 19:35:39 Uhr
Nett.

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2015-10-28 21:21:12 Uhr

Frisch rezensiert!

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