Die Ärzte - Rock'n'Roll Realschule - MTV Unplugged

Die Ärzte- Rock'n'Roll Realschule - MTV Unplugged

Hot Action / Universal
VÖ: 04.11.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schulmännchenreport

Auf sowas konnten auch nur die Ärzte kommen. Nachdem unserem Gröni mal wieder rein gar nichts eingefallen war und die Fantastischen Vier in der Tropfsteinhöhle salbadert hatten, mußten sich nun die Ärzte als dritte deutsche Band bei MTV Unplugged eine geeignete Location für die Aufzeichnung ausdenken. Und sie wählten? Das Albert-Schweizer-Gymnasium in Hamburg. Eine kluge Entscheidung der drei Berliner eigentlich, wenn man so darüber nachdenkt. Um ihren kindlichen Humor dorthin zurückzubringen, wo er herkommt. Um selbst auf die pubertärsten Witze schallendes Gelächter statt Kopfschütteln zu ernten. Und vor allem: Um all die knackigen Abiturientinnen in kesse Schuluniformen stecken zu können. Aus rein inszenatorischen Gründen, versteht sich.

Schade allerdings, daß bei der 70minütigen Audio-CD zum MTV-Auftritt weit mehr als nur die geschätzten Flachsereien zwischen Bela B und Farin Urlaub auf der Strecke bleiben. Es läßt sich nicht verleugnen: Dieser eine Silberling vermittelt nur eine vage Ahnung davon, was sich während des sechsstündigen (!) Marathons in dem Gymnasium so zugetragen haben mag. Und anders als bei den zerstückelten, einstündigen Sendungen auf MTV vermißt man hier auch die Optik schmerzlich. Die grinsenden Bandmitglieder und ihr Schalk im Nacken. Ihre verlegen dreinblickende Unterstützung in Form des hiesigen Schulchors und des Schulorchesters. Das schicke Bühnenbild. Und natürlich die ganze Atmosphäre, in gewisser Weise bizarrer als jede Tropfsteinhöhle.

Aber wer nicht darüber nachdenkt, was er vermißt, sondern was er hat, bekommt auf "Rock'n'Roll Realschule - MTV Unplugged" einiges geboten: Achtzehn Gassenhauer aus zwei Jahrzehnten Ärzte-Schaffen in mehr oder minder überraschenden, neuen Arrangements. "Westerland" wird unplugged zu jener Lagerfeuerhymne, die es heimlich eh schon immer war. "Bitte bitte" macht klar, daß auch Rammstein und Konsorten dringend der Stöpsel aus den Verstärkern gezogen gehört. Den "1/2 Lovesong" jaulen die Bademeister fast noch herzzerreißender als im Original. Und "Zu spät" kriegt - natürlich! - mal wieder einen neuen Text spendiert: "Er ist arm und ich hab Geld" heißt es jetzt und "Du warst mit ihm essen, natürlich Pommes Frites / Bei mir gab's nur ab und zu 'nen schlechten Witz"

Der "Schrei nach Liebe" dagegen funktioniert im Unplugged-Kontext ganz und gar nicht und verkommt mangels Druck vom Schrei zum halbherzigen Flüstern. Und auch die "Ex(plodierte) Freundin" macht unverstärkt nur ein ganz kleines Kawumm, statt sich im ganzen Raum zu verteilen. Da macht ein fünfminütiges Medley aus ganzen neun Songs schon weit mehr Spaß und erntet Farins Kommentar: "Wir haben vier Wochen geprobt, davon dreieinhalb an diesem Medley". Am entzückendsten ist den Bademeistern aber "Manchmal haben Frauen..." gelungen: Vorsichtig flüstert sich Bela an Klavier und Streichern vorbei und zuckt förmlich zusammen, wenn der Chor losträllert "Immer, ja wirklich immer haben Typen wie Du was auf die Fresse verdient". Und zum Schluß lassen Farin und Rod die "Holzrohre" erklingen. Da ist es wieder: das schelmische Ärzte-Grinsen, das auch ohne Verstärker bis in alle Ecken der Republik zu vernehmen ist.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Zu spät
  • Westerland
  • Komm zurück
  • Manchmal haben Frauen...

Tracklist

  1. Schrei nach Liebe
  2. Blumen
  3. Langweilig
  4. Meine Ex(plodierte Freundin)
  5. Monsterparty
  6. Hurra
  7. Kopfhaut
  8. Zu spät
  9. Westerland
  10. 1/2 Lovesong
  11. Komm zurück
  12. Der Graf
  13. Ignorama
  14. Is ja irre
  15. Bitte bitte
  16. Mit dem Schwert nach Polen, warum René?
  17. Die Banane
  18. Manchmal haben Frauen...
  19. Medley (Ohne dich / Paul / Quark / Schunder-Song / Meine Freunde / Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas! / Rettet die Wale/ Der lustige Astronaut / Las Vegas)

Gesamtspielzeit: 69:50 min.

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