H2O - Use your voice

H2O- Use your voice

Bridge 9 / Soulfood
VÖ: 09.10.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Old School II

Wer 2015 einen Song mit dem Namen "Skate!" aufnimmt, braucht wahrscheinlich das Ausrufezeichen am Ende, um noch gehört zu werden. Skateboarding ist ein bisschen aus der Mode gekommen. Popkulturell kann man das vielleicht auch am Verfall der Videospielreihe "Tony Hawk's pro skater" erkennen. Die ersten Teile hat rund um die Jahrtausendwende nicht nur jeder Teenager rauf- und runtergezockt, der Soundtrack war für viele auch der Einstieg in den Punkrock. Bad Religion, Lagwagon, The Vandals, Pennywise, Dead Kennedys und NOFX waren alle irgendwann die Hintergrundmusik zum virtuellen Skaten. Auf der Playlist zum neuesten Teil findet sich dagegen neben Anti-Flag nicht mehr viel. Wer sich an das Spiel herantraut, muss sich mit eher neumodischem Kram zufrieden geben. Alternativ könnte man die Musik aber auch einfach ausstellen und nebenbei H2Os "Use your voice" laufen lassen.

Die elf Songs passen fast alle ziemlich gut in die zwei Minuten, die man für einen Versuch in Tony Hawks Spiel normalerweise hat. Zwischen Hardcore und Melodycore igeln sich H2O zudem dermaßen konsequent in die späten Neunziger ein, dass man gar nicht anders kann, als die Baseballcap nach hinten zu drehen, die durchgescheuerten Fishbone-Jeans aus dem Schrank zu kramen und den alten Ghettoblaster mit CD-Player nebst Skateboard auf die Straße zu tragen. Wer mittlerweile die 30 überschritten hat, mag sich zu Beginn zwischen Nostalgie und Scham ein wenig hin- und hergerissen fühlen.

Zwei Minuten später ist das aber vergessen und die Fäuste schnellen zum einminütigen Knochenbrecher "Skate!" und der anschließenden Melodiecore-Hymne "Thick and thin" in die Höhe. Überhaupt sind die neun Minuten zwischen dem "Skateboard auf Asphalt"-Sample am Anfang von "Skate!" und den letzten, gehetzten, atemlosen Shouts von "From the heart" Punkrock in Perfektion. Die Dynamik, die H2O hier mit immer schnelleren und immer rapider wechselnden drei Akkorden hier in fünf Songs am Stück gießen, ist eine Blaupause für exzellenten, schnörkellosen Hardcore.

Die zweite Hälfte ist ein wenig langsamer. Mit "Still dreaming" schleicht sich ein Midtempo-Protestsong ein, zumindest im Kontext. In "Popage", dem passenderweise poppigsten Song der Platte, zitiert Toby Morse ein paar Zeilen von Rancid. Im Durchschnitt ist der Ohrwurmfaktor ist zum Ende von "Use your voice" ein bisschen höher, die Musik changiert leicht vom geradlinigen Hardcore zu etwas mehr Melodie. Und dann ist auch schon Feierabend. Die Tugend, eine Hardcore-Platte so richtig kurz und knackig zu halten, wird viel zu häufig unterschätzt. H2O wissen genau, wann Schluss sein muss und legen mit "True romance" ein Punktlandung hin. Anders als die Verantwortlichen hinter "Tony Hawk's pro skater". Die hätten das Skateboard nämlich gerne im Schrank lassen können, anstatt einen furchtbaren fünften Teil zu produzieren. Aber das ist eher eine Angelegenheit für unsere Schwesterseite Spieletests.de.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Skate!
  • Father figure
  • Popage

Tracklist

  1. Black sheep
  2. Skate!
  3. Thick & thin
  4. Use your voice
  5. Father figure
  6. From the heart
  7. Popage
  8. Lyd
  9. Still dreaming
  10. #Notreallife
  11. True romance

Gesamtspielzeit: 22:30 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2015-10-21 22:17:12 Uhr
Frisch rezensiert!

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