Alela Diane & Ryan Francesconi - Cold moon

Alela Diane & Ryan Francesconi- Cold moon

Believe / Soulfood
VÖ: 16.10.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Blumenkränzchen

Manche Menschen schauen ernst. Immer. Egal, ob in ihnen gerade das Leben tobt. Alela Diane gehört zu diesen Menschen. Allerdings verdächtigte man sie auch nie, dass das Leben in ihr tobt. Doch trotzdem hat die 32-Jährige keinen Grund, eine wie mit dem Lineal gezogene Schnute zu tragen. Die Ansprüche der Songwriterin aus Portland wuchsen mit den vergangenen Alben, und gemeinsam mit dem Gitarristen Ryan Francesconi fand sie die Mittel, um ihnen gerecht zu werden.

Vor sieben Jahren gab es in jedem Dorf mit Acker und Kirche mindestens einen Künstler, der für drei Wochen die Rolle des Hoffnungsträgers des Folk spielte. Diane durfte das im Februar 2008 tun: "The pirate's gospel" gehört zu den wenigen substanziellen Platten dieser Zeit. Danach folgte mit "To be still" ein gutes Album, das nur fast niemanden mehr interessierte. So ist das Geschäft, auch bei den Bands und Songwritern, die gerne den ganzen Tag beim Blumenkränzchen auf der weiten Wiese sitzen würden. Doch die Träume der schönen Saiten von damals haben sich nicht einmal über ein paar Jahre halten können. Pfirsich, Pflaume, Birne. Gegessen, verdaut und für immer vergessen.

Doch vielleicht will Diane gar nicht, dass sich jemand in diesem Zusammenhang an sie erinnert. Denn sie geht ihren Weg unbeirrt weiter – ihr sechstes Album knüpft bei Folk und Country an. Es geht ihr nie um Innovation, sondern um den Ausdruck ihres Inneren. "The sun today" schmeichelt mit einer netten Melodie, nur getragen von der Francesconis Gitarre, dazu beschreibt Diane die Verzweiflung, die Aussichtslosigkeit: "Have you seen the sun today?" Das endlose Grau am Himmel rollt sich aus, lässt die Hoffnung verschwinden. Diane singt das so, dass es ein wenig nach Alpen klingt, wie ein Song, der einem an diesen Tagen begegnet, wenn man schon um neun Uhr in der Früh auf 3Sat bei einem Bild hängenbleibt, auf dem bei leichtem Schneefall eine statische Webcam über eine weiße Landschaft mit Skilift filmt.

Diane bleibt bei ihren Texten weiterhin bei Naturlyrik für Großstädter – das soll hier die profanen Sehnsüchte nach ein bisschen Grün, nach der Flucht aus dem Grau ansprechen. "Cold moon" arbeitet sich dabei dann an Sonne, Mond und Sterne ab. Und ein bisschen Platz für Befindlichkeiten findet sich auch noch. Arrangiert hat Diane das Ganze mit Bläsern, die sich mehr und mehr in die Akustik schummeln. Das war es allerdings mit den Songs, die wirklich auffallen auf diesem Album. Denn Diane variiert hier wenig, sie und Francesconi wollen eine Atmosphäre aufbauen, die eine ganze Platte trägt. Und das alles mit einer heiligen Ernsthaftigkeit. Im 18. Jahrhundert hätte das den Menschen aus der Seele gesprochen, heute ist es nicht mehr als eine nette Randnotiz in "Wohnen & Garten", vielleicht noch ein Zweiseiter in der Neon. "To believe in something, to believe in souls“, singt Diane in "Migration", beschwört einen Ort ohne Augen, Hände, die komplette Abkehr vom Materialismus. So ein bisschen darf man ja noch daran glauben, dass es dort draußen irgendeinen Garten gibt, in dem das Glück vergraben liegt. Nur beim Buddeln sollte man eins nicht vergessen: ernst bleiben.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • The sun today
  • Cold moon

Tracklist

  1. Quiet corner
  2. Migration
  3. The sun today
  4. No thought of leavin
  5. Cold moon
  6. Shapeless
  7. Shift
  8. Roy

Gesamtspielzeit: 37:30 min.

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