Phela - Seite 24

Phela- Seite 24

Columbia / Sony
VÖ: 18.09.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Harmloses Plüschgewitter

Dass es diese eine Welt nicht gibt, ist spätestens seit Markus Gabriel bekannt. Vielmehr bewegen wir uns alle in sich überlappenden, ko- oder anders existierenden Sinnfeldern. Die Frage ist nicht, ob es etwas Bestimmtes gibt, sondern wo es das gibt, oder noch genauer: in wessen Kopf? Daher entwerfen Musiker ihre Welten in Ton und Text. Und Phela präsentiert und beschreibt ihre in aller Überdeutlichkeit auf "Seite 24". Der Albumtitel ist einfach erklärt, war sie doch beim Verfassen der Lieder 24 Jahre alt und hat sich dabei gefühlt, als würde sie die Seite eines Tagebuchs füllen.

In Phelas Welt regieren Metaphern und Naturalismen. "Ich wünsche Dir eine Sprache aus Sand / Und mir ein Meer, das Deine Worte wegspült", heißt es in "Lavendel" zu gefällig läuferischer Klaviermelodie. Gewichtiges Piano spielt in "Wer ich bin" zu "Ich rieche Rot, Blau, Violett und Gelb / Mitten im Getreidefeld" auf. Wem die Naturbilder von Eichendorff auf die Nerven gehen, der wird hier nicht glücklich. Bei Phela stammt dieses Faible wohl aus ihrer Kindheit auf einem bayerischen Bauernhof. Biografisch folgten eine Zwischenetappe in Paris und ein abgebrochenes Jazz-Geigen-Studium in Hannover. Heute lebt sie in Berlin.

An ihrer Musik ist wenig auszusetzen, die elf Liebeslieder sind lieblich instrumentiert als Kammerpop mit starkem Akzent auf Pop und leicht anschwellenden, streicherlastigen Refrains. Die gesicherten Support-Slots auf Konzerten von Andreas Bourani und Philipp Poisel passen somit. Unaufdringlich gut gefällt auch "Still", das dann wieder vergällt, wenn es nur um Phelas sehnendes "Ich" und ihr "Mich" geht: "Ich will, dass Du mich berührst." Darauf folgt ein banales Fanal in "Lass mich gehen", in dem das Meer nach Salz riecht, die Liebe leiser und der übersatt gehörte Widerspruch gefordert wird: "Wenn Du mich behalten willst / Dann lass mich geh'n."

"Seite 24" birgt manch schöne Melodien in sich, schlichte und ein wenig traurige, die dann weggewischt werden von einer gewollt aufputschenden und wohin auch immer vorantreibenden Gefühlswallung. Und das emotional harmlose Plüschgewitter der Liedtexte ernüchtert, wollen sie immer auf Ähnliches hinaus und kreisen zu sehr um den nabelschauenden Liebeskummer von Phela. Sie betont inbrünstig, wie sie kein generisches Radiofutter liefern möchte, aber erliegt mit einer Up-Tempo-Nummer wie "Zeichen" all dem, was sie eigentlich nicht sein will. Oder doch? Vielleicht ist sie nach diesen 40 Minuten ja bereits in eine andere Welt hinüber gehüpft.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Still

Tracklist

  1. Lavendel
  2. Zurück nach damals
  3. Still
  4. Lass mich gehen
  5. Weit weg
  6. Wieder alleine
  7. Zeichen
  8. Schwerelos
  9. Wer ich bin
  10. Alles auf Anfang
  11. Leerlauf

Gesamtspielzeit: 38:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Postings: 15703

Registriert seit 08.01.2012

2015-10-06 16:26:52 Uhr
Frisch rezensiert!

Meinungen?

Armin

Postings: 15703

Registriert seit 08.01.2012

2015-08-06 22:55:30 Uhr
Phelas Debütalbum ist die Gegenthese zu den Legionen von Musikern, die Musik wie einen Stock Market der Future Options betrachten.?„Schon seit ich sehen kann, bin ich bei dir“, singt Phela in dem Song „Zeichen“, „und wenn die Augen nicht schlafen wollten, dann gab es dich und das Klavier.“

Phela schreibt: Liebeslieder, deren Echtheit sich durch die in ihnen versteckten Widerhaken, ohne die keine Liebe denkbar ist, offenbart. ??„Ich rieche Rot, Blau, Violett und Gelb — mitten im Getreidefeld.“ Farben und Proust’sche Schlüssel aus Duft und Geschmack zur Kindheit durchwehen die elf Songs von Phelas Debütalbum „Seite 24“ — der Titel nimmt Bezug auf die Jahresringe der Bäume und auf die Seiten der Poesie: „Ich werfe rote Federn in die Luft, ein letztes Zeichen an die Zeit.“

Hier ist das erste Video von "Alles auf Anfang" zum ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=x05iOdsJDiU


Durchaus schön.
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