Ms. John Soda - Loom

Ms. John Soda- Loom

Morr / Indigo
VÖ: 02.10.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zeitlos mittelmäßig

Es gibt eine ganze Wagenladung an Gelegen- und Gegebenheiten, an denen man nach der Logik mancher Zeitgenossen erkennt, langsam aber sicher alt zu werden. Wenn man Samstag Abend plötzlich Besseres mit seiner Zeit anzustellen weiß, als sich in die übliche Feierroutine einzureihen. Wenn man anfängt, sich über respektlose Jugendliche in der Öffentlichkeit zu beklagen und immer öfter über den Satz "Früher war alles besser" stolpert, ohne ihn ironisch zu meinen. Nur um ein paar Beispiele anzuführen, die einem ab und an anzeigen, dass die Zeit fortschreitet, wie auch immer man dazu stehen mag. Und dann gibt es da wiederum die angenehmen Momente, die versichern, dass man eben noch lange nicht alt ist.

Weil man keine großen Augen macht, wenn man mitbekommt, dass es ein neues Album von Ms. John Soda gibt, dem – sagen wir mal – Feierabendprojekt von Michael Acher und Stefanie Böhm. Weil man zu der Zeit, als die beiden mit "Notes and the like" ihr letztes Lebenszeichen von sich gaben, noch hauptsächlich damit beschäftigt war, die Feierlichkeiten nach dem anstehenden Abitur zu organisieren. Und man Indietronic bislang lediglich in Form von Bands wie Electric President, The Notwist oder Lali Puna kannte. Womit man ohnehin schon ziemlich nahe am Sound von Ms. John Soda ist. Die Melange aus Achers Geplucker und Electronica mit Böhms Arbeit an den Tasten klingt nämlich auch im Jahre 2015 nicht so viel anders als früher. Vor allem aber klingen Ms. John Soda auf "Loom" kein bisschen alt und könnten problemlos als frisch aus der Taufe gehobenes Nebenprojekt durchgehen. Das bedeutet zwar einerseits, dass diese zehn Stücke durchaus zurecht ein wenig mit dem Attribut der Zeitlosigkeit wuchern können. Gleichzeitig reiht sich das neue Material zumeist aber auch in etwa auf dem gleichen Spannungslevel ein, auf dem Kollege Kesselhut das Duo zuletzt auf "Notes and the like" operieren sah.

Das meint, dass "Loom" oftmals etwas orientierungslos durch den Raum wabert und nicht genau weiß wo es hin soll mit den eigenen Ideen. Heraus kommen unter anderem Stücke wie der Opener "In my arms", der in Gedanken merklich mit dem Kammerpop spielt, ohne jedoch irgendwelche Konsequenzen daraus zu ziehen. Und so im Nebulösen verschwindet, wie so vieles auf "Loom". Anders ergeht es zum Glück "Hero whales", das seine gute Laune offen ausleben darf und genau deshalb einen angenehmen Kontrapunkt zum restlichen Material darstellt. Auch "Hi fool" weiß in seiner zurückgenommen Haltung mitsamt versöhnlicher Melodieführung zu gefallen. Ansonsten aber bleiben die Songs, das ebenfalls gelungene "Oh seven" mal ausgenommen, irritierend distanziert. Und verschwinden ebenso plötzlich zurück in der Mittelmäßigkeit, wie sie nach knapp zehn Jahren plötzlich wieder aufgetaucht sind. "Loom" bekommt gar nicht erst die nötige Zeit, um alt zu werden. Schade drum.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Hero whales
  • Hi fool

Tracklist

  1. In my arms
  2. Hero whales
  3. Millions
  4. The light
  5. Sodawaltz
  6. Hi fool
  7. Sirens
  8. Name it
  9. Oh seven
  10. Fall away

Gesamtspielzeit: 35:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
oliver
2015-10-11 19:03:26 Uhr
5 punkte? WTF.
das ist unsinn.

Autotomate

Postings: 1110

Registriert seit 25.10.2014

2015-10-07 10:54:13 Uhr
Gefällt mir ganz gut, vielleicht ne 7/10 oder so. Wie gehabt muss man das Album zwei, drei mal hören, bis sich die Nebel verziehen. Die Rezensionen dagegen - auch wenn die Bewertung natürlich völlig in Ordnung geht - liest sich extrem oberflächlich und lieblos runtergehackt. Kennt man vom Smeets sonst gar nicht.

Armin

Postings: 15734

Registriert seit 08.01.2012

2015-10-06 16:26:34 Uhr
Frisch rezensiert!

Meinungen?

Autotomate

Postings: 1110

Registriert seit 25.10.2014

2015-10-05 14:21:18 Uhr
Fast zehn Jahre nach "Notes and the Like" ein neues Album voller "Biohof-Indie" (Spex) von Micha Acher und Stefanie Böhm. Ich hab zwar noch nicht reingehört, aber das kann eigentlich nur gut sein.

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