Rea Garvey - Prisma

Rea Garvey- Prisma

Island / Universal
VÖ: 02.10.2015

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die unendliche Geschichte der Gefährten

Plattentests.de hatte gerade erst mit dem Krabbeln angefangen, da sah der damalige Hosenscheißer zu einem jungen Iren auf. Gerade aus der Heimat gekommen, suchte sich Rea Garvey per Zeitungsannonce Mitstreiter für den Traum vom Rockstar zusammen, sie legten all ihre Leidenschaft und die wenigen Pennys gegen jede Wahrscheinlichkeit in die Waagschale, heraus kamen "Tuesday" und dessen Leadsingle "Supergirl". Die in frühester Kindheit entstandenen Zuneigung seitens Plattentests.de wandelte sich. Über die Jahre wurde sie stets auf die Probe gestellt. Manchmal machte sich sogar Häme breit. Dennoch führten die Wege des Iren und von Plattentests.de nie weit auseinander. Trotz der vielen schwierigen Momente war es schließlich ausgerechnet Herr Garvey, der dem Dreikäsehoch zum zehnten Geburtstag wichtige Ratschläge auf den Lebensweg gab und sich damit jeder Anerkennung sicher sein konnte, auch wenn die Soloalben nicht die alte Liebe bei Plattentests.de entflammen konnten. Nun, fast pünktlich zum 16. Geburtstag, durchlebt der alte Gefährte auf "Prisma" seine rebellische Phase.

"Hey, hey, don't get lost in the crowd / Hey, hey, don't be afraid to get loud", ruft er dem Hörer in "Armour" hymnisch entgegen. Weshalb es wichtig ist, laut zu werden, seine Meinung zu sagen, auch wenn sie nicht jedem passen sollte, serviert der Ire in der Vorabsingle "War". Mit ungewohnt bissigen Worten "They're inside the wire / They're outside our walls / They're breaching our borders / Our defense is a phone / They're inside the wire / They're over the walls / Stand your ground / Until the last man falls", mischt sich Garvey dabei in die Flüchtlingsdebatte ein und positioniert sich in der Nähe von Til Schweiger gegen Fremdenhass und Social-Media-kritisch. Das Problem, das sich dem frischgebackenen Protestsänger stellt, ist dabei folgendes: Im Gegensatz zu Größen wie Billy Bragg oder Bob Dylan hat er weder was Neues noch etwas Radikales zu sagen. "Sag Deine Meinung", "Fremdenhass ist bäh" und "Social Media bitte mit Vorsicht genießen" sind einfach Botschaften, die in jedem Schulbuch stehen könnten und gegen die kein vernünftiger Mensch jemals etwas sagen würde.

So verläuft sich auch Garveys rebellische Phase trotz bester Vorsätze irgendwo zwischen Achselzucken und Naserümpfen. Auch etwas wie Kohärenz will nie so recht aufkommen, dafür erinnern Stadionrocksongs mit allerhand Möglichkeiten, die Massen per Singalong zum Kochen zu bringen wie "Fire" oder "Run for the border" zu sehr an die seichteren Stücke von U2, während sich die folkigen "Fisher song", "Way going on" und "Out on the western plain" problemlos auf "Pride" zurechtgefunden hätten. Entgegen aller Vorbehalte, die Features von Stefanie Heintzmann und Marlon Roudette nicht unbegründet auslösen, entpuppt sich allerdings die Ballade "Plain sailing" als echte Perle. "Rea, schraub doch ruhig häufiger die Instrumentierung aufs Nötigste zurück und verlass Dich auf Deine Stimme", ruft der bald 16-Jährige ihm aus der Ferne zu. Der Musiker zieht von dannen, wahrscheinlich auf dem Weg zu den großen Bühnen, und niemand weiß, ob er den Rat gehört hat. Trotzdem werden Rea Garvey und Plattentests.de noch einander gegenübersitzen, wenn sie alt und grau sind, vielleicht rauchen sie sogar Pfeife in Schaukelstühlen auf der Veranda und reden über alte Zeiten. Klar ist jedoch, dass die beiden selbst in den schwierigeren Zeiten nicht zu trennen sind.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Plain sailing feat. Stefanie Heintzmann & Marlon Roudette

Tracklist

  1. Fisher song
  2. Armour
  3. Fire
  4. Echo me
  5. Put your tools down boys
  6. Before you go
  7. I'm all about you
  8. War
  9. Run for the border
  10. Scars
  11. Mockingbird
  12. Plain sailing feat. Stefanie Heintzmann & Marlon Roudette
  13. Way going on
  14. Out on the western plain

Gesamtspielzeit: 43:43 min.

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w2
2015-11-05 09:22:03 Uhr
genau, unbalance...lol

unbalancetistischen

Postings: 1

Registriert seit 31.10.2015

2015-10-31 18:55:15 Uhr
Ja, da bekommen sie Geld.
heinz
2015-10-31 17:43:32 Uhr
da verdienen die aber richtig geld.
w2
2015-10-31 08:10:35 Uhr
dennoch passt es ja irgendwie ins künstlerische Gesamtbild, dass sich Bourani, Garvey und die von Silbermond in die Jurys von Talentshowas setzen...würg
w2
2015-10-31 08:06:57 Uhr
Armour hat definitiv Hitpotential...was immer man von ihm hält
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