City And Colour - If I should go before you

City And Colour- If I should go before you

Caroline / Universal
VÖ: 09.10.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Leiden los

Dallas Green ist angekommen. Zuhause, im Heimathafen, bei sich selbst – keine Selbstverständlichkeit für den mittlerweile 35-Jährigen. Nachdem der einstige Schreihals vom Post-Hardcore-Outfit Alexisonfire, die jüngst ihre Quasi-Reunion bekanntgaben, seit 2004 auch erfolgreich die Solopfade beschritt und mit der Akustikgitarre und allerlei Seefahrtsmotiven bewaffnet die Lagerfeuermusik-Liebhaber der Welt beglückte, wurde es aber auch Zeit. "If I should go before you", sein fünftes Album als City And Colour, ist der beste Beweis für diese scheinbar neugewonnene Sicherheit, was sicher nicht zuletzt auch daran liegen dürfte, dass er seine Liveband im Studio hatte. Im vertrauten Kreis schien die kanadische Heimat selbst in Nashville gar nicht so fern, wo er das Album gemeinsam mit Karl Bareham (Lights Action, Sand & Snow) produzierte.

Nun ist das irgendwie ein Kreuz mit den ruhelosen Musikern, die nach jahrelanger Suche plötzlich fündig wurden. Man gönnt ihnen das durchaus. Im Fall von Green, der mit todtraurigen Klassikern wie "Sleeping sickness" oder "The death of me" für mehr Klöße im Hals sorgte als Omas Griessuppe, möglicherweise sogar noch ein bisschen mehr. Man freut sich über die Zuversicht, die aus dem Uptempo-Stück "Wasted love" überschwappt, auch wenn der für ein City-And-Colour-Album ungewohnt poppige Einschlag zunächst verwirrt. Man lächelt glückselig ob des heimeligen Countryfeelings von "Friends", auf welchem Green zumindest andeutet, dass seine Suche noch nicht vorbei ist: "There's a line that I'm trying to find / Between the water and the open sky." Aber nach was sucht er denn? Das ist nicht ganz klar.

Vielleicht ja nach dem roten Faden, der ihm auf "If I should go before you" etwas abhanden gekommen ist. Konnte man sich bei Green sonst auf Folknummern verlassen, die die Magengrube mal mehr, mal weniger packten, versucht er sich hier auch an neuen Tönen. Die Experimentierfreude ehrt ihn, sie macht dem Hörer ein wirkliches Zurechtfinden zwischen den elf Stücken aber auch schwerer als sonst. Da wäre die jazzig-loungige Fingerfertigkeit von "Killing time", nach der die Folkrock-Nummer "Map of the world" losrumpelt. "Mizzy C" kommt mit authentisch wirkender Euphorie und Aufbruchstimmung um die Ecke, der Refrain spornt zum Mitsingen an, bis das spärlich instrumentierte "Blood" ausgerechnet zum Schluss wieder jeglichen Wind aus den Segeln nimmt und leider viel zu spät an frühere Zeiten erinnert.

Dabei gestaltete sich noch der Anfang des Albums spannender als alles, was man bisher von Green kannte: Der neunminütige Opener "Woman", das steht zum Schluss fest, erstreckt sich wie eine unerreichbare Gallionsfigur über den Rest des Albums, diese Messlatte erklimmt der Kanadier danach nicht mehr. Fast schon majestätisch baut er hier eine fein arrangierte Atmosphäre auf, die zwischen Post- und Blues-Rock wandelt, die immer und immer wieder nachzulegen scheint, bis auch die kleinste Ecke des Raumes ausgefüllt ist und der endlich erreichte Heimathafen ordentlich durchgerüttelt wird von Donner und Sturm. Man möchte Green an dieser Stelle beglückwünschen, dass er seine Leiden, die er auf seinen bisherigen Werken kundgetan hat, offenbar zum größten Teil losgeworden ist. Und dennoch wünscht man sich, zumindest ein bisschen, dass er sich bald wieder auf hohe See begibt – und die Wellen etwas höher sind, als jene, die er hier schlägt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Woman
  • Mizzy C
  • Friends

Tracklist

  1. Woman
  2. Northern blues
  3. Mizzy C
  4. If I should go before you
  5. Killing time
  6. Wasted love
  7. Runaway
  8. Lover come back
  9. Map of the world
  10. Friends
  11. Blood

Gesamtspielzeit: 50:58 min.

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User Beitrag
bestimmt
2017-10-30 19:10:53 Uhr
bestimmt!!!
city - colour
2017-10-30 18:50:20 Uhr
wäre schon wirklich schön hier mal wieder einen schönen, gepflegten, verdienten zerriss zu lesen! arbeiten die denn fleißig daran?
ab mitt- 30er Pantoffelheld
2017-10-30 18:40:47 Uhr
Ich meine nicht, dass ich einzelne Lieder kenne, sondern dass ich die Alben auf Youtube höre, die andere hochgeladen haben.

Wo steht, dass City and Colour bei RTL waren?
The War on Drugs fand ich ziemlich langweilig. Monoton. Dafur 10 Punkte. Na ja....
mitt-30er Pantoffelheld
2017-10-30 18:33:02 Uhr
p.s.

ich kenne nur den Namen der Band von Twitter und Bravo aber der ist gut und ihr tut die immer zerreißen das ist nicht fair nicht fair!
mitt-30er Pantoffelheld
2017-10-30 18:30:41 Uhr
Was für ne tolle Band, diese Tatoos, diese Stimme, zu, dahinschmelzen!

Referenzen:
Coldplay, Jack Johnson, Gallaghers, Andreas Bourani und Konsorten (Weltumarmungsscheiße), RTL Werbeeinspieler
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